(„As I Lay Dying“ directed by James Franco, 2013)

As I Lay DyingUnverfilmbar? Gibt’s nicht. Sicher manche Bücher sind schwieriger, auf die Leinwand zu bringen, als andere. Wenn es sich jedoch um einen Bestseller handelt und die Filmversion entsprechend fette Einnahmen verspricht, dann nimmt man eine solche Herausforderung also schon mal (siehe Der Herr der Ringe oder Life of Pi). Aber „As I Lay Dying“? Das ist nicht nur völlig uninteressant für den Mainstream, sondern auch eine der heiligen Kühe jedes Amerikanisten. Das kann ja nur Ärger geben. Wenig Aussichten auf Erfolg, dafür umso wahrscheinlichere Dresche von Kritikerzirkeln – das ist nun wirklich kein Fall für Hollywood.

Doch zum Glück ist es James Franco in den letzten Jahren zunehmend gleichgültig geworden, was Zuschauer oder Kritiker von ihm halten. Hin und wieder spielt er zwar mal in bei „großen“ Filmen mit, damit etwas Geld in die Kasse kommt (Die fantastische Welt von Oz, Homefront). Ansonsten widmet sich der Tausendsassa aber lieber ungewöhnlicheren Sachen wie Spring Breakers oder seinen eigenen Kunstprojekten (Interior. Leather Bar.). Und nun eben William Faulkners gleichnamiger Roman von 1930 (auf Deutsch: „Als ich im Sterben lag“). Das Besondere an dem Buch ist, dass es aus 15 verschiedenen Perspektiven erzählt wird. Die Zusammenhänge, die Persönlichkeiten und die einzelnen Beziehungen zueinander werden gerade durch den ständigen Wechsel der Erzähler erst nach und nach deutlich.As I Lay Dying Szene 1

In Filmform funktioniert das so natürlich nicht, aber auch da hatte Franco einige interessante Einfälle. Der offensichtlichste ist die häufige Verwendung eines Splitscreens, sprich der Bildschirm ist in zwei völlig unabhängige Teile geteilt. Hin und wieder zeigen diese ein und dieselbe Szene aus verschiedenen Blickwinkeln, zum Beispiel einmal aus der Nähe, einmal aus der Distanz. Manchmal sind aber auch verschiedene Ereignisse zu sehen, die parallel stattfinden. Zusammen mit den Voice Overs und der spärlichen Musik ergibt das ein eigenwilliges, faszinierendes Filmerlebnis.

Aber ist es auch unterhaltsam? Nur zum Teil. Was das Buch damals auszeichnete, war seine ungewöhnliche, sehr subjektive Erzählweise. Die eigentliche Handlung hingegen war wenig spektakulär: Addie Bundren (Beth Grant), die Mutter einer ärmlichen Familie in den Südstaaten, liegt im Sterben und ringt den anderen das Versprechen ab, sie in ihrer Heimatstadt Jefferson zu begraben. Nach dem Tod tun sie das auch tatsächlich, Vater Anse (Tim Blake Nelson) und die Kinder Cash (Jim Parrack), Darl (James Franco), Jewel (Logan Marshall-Green), Dewey Dell (Ahna O’Reilly) und Vardaman (Brady Permenter) machen sich auf den Weg, um den Wunsch zu erfüllen. Doch der Weg ist weit, 40 Meilen mit einem Mauleselgespann. Und als wäre das nicht genug, bringt die beschwerliche Reise diverse Konflikte ans Tageslicht, die vorher keiner ansprechen wollte.As I Lay Dying Szene 2

Durch den zwangsläufige Wegfall des Drumherums wird bei Franco ein Familiendrama draus, das zwar mit seiner trostlosen Stimmung gefällt, aber teils recht behäbig ist und viel Geduld erfordert. Wer die mitbringt und darüber hinaus etwas für ungewöhnliche Filme übrig hat, für den könnte sich As I Lay Dying lohnen. Die Romanadaption kann das Original zwar sicher nicht ersetzen, einen eigenen Reiz entwickelt sie aber auf alle Fälle und gehört so zu den interessanteren Selbstversuchen des Amerikaners.

As I Lay Dying ist seit 31. Januar auf DVD und Blu-ray erhältlich

As I Lay Dying
3.82 (76.36%) 11 Artikel bewerten

As I Lay Dying
Für sein neuestes Filmexperiment schnappte sich James Franco mit As I Lay Dying eine ebenso anerkannte wie schwierige Vorlage. Ganz geglückt ist die Verfilmung zwar nicht, dafür ist sie dann doch zu behäbig. Durch interessante Stilmittel und eine gelungene Atmosphäre hat aber auch seine Version einen eigenen Reiz.
6von 10

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