„Wang Zha de yuxue“, China, 2018
Regie: Lhapal Gyal; Drehbuch: Lhapal Gyal; Musik: Jue Wang
Drehbuch: Druklha Dorje, Pakmo Yangdrom, Jinpa, Shanma Jyi

Wangdraks Rain Boots

„Wangdrak’s Rain Boots“ läuft im Rahmen der 68. Berlinale (15. bis 25. Februar 2018)

Ach ja, das Wetter. Da kann man noch so viele Vorhersagen anschauen oder die Götter um Hilfe rufen, es macht am Ende doch immer das, was es will. Und das ist selten das, was man selbst will. Wangdrak (Druklha Dorje) zumindest hat das nicht gewollt mit dem vielen Regen. Denn dann wäre er nicht ausgerutscht, so ganz ohne Regenstiefel. Nicht, dass er keine möchte. Er will sie sogar unbedingt. Sein Vater Khabum (Jinpa) hat jedoch weder das Geld noch den Willen, um seinem Sohn den großen Wunsch erfüllen. Soll der doch erst einmal für die Schule lernen. Darauf hat Wangdrak wiederum keine Lust. Eigentlich will er sowieso nicht mehr zur Schule. Der Unterricht ist langweilig und die anderen hänseln ihn ständig. Nur Lhamo (Pakmo Yangdrom) hält zu ihm, selbst dann, als das Wetter später schon wieder nicht das macht, was es soll.

Es ist ja so ein bisschen Segen und Fluch in einem, dass die Welt aus Kinderaugen oft ganz einfach ist. Es gibt die Guten und die Bösen. Es gibt das, was ich will, und das, was ich nicht will. Dass dieses Objekt der Begierde oft völlig überflüssig ist, das spielt in dem Moment keine Rolle. Und für Wangdrak sind es nun einmal die Regenstiefel, die nach der traumatischen Erfahrung im Regen zu dem Inhalt seines Lebens geworden sind. Alles andere verblasst daneben. Was nicht Mittel zum Zweck ist oder ein Hindernis, das braucht er nicht. Siehe Hausaufgaben.

Bitte nicht ganz ernst nehmen
Nein, man muss die Fixierung des Jungen auf seine Fußbekleidung weder verstehen, noch gutheißen. Der Spaß bei Wangdrak’s Rain Boots liegt eigentlich sogar genau darin, dass das alles eigentlich total lächerlich ist. Was als legitimer Wunsch begann – nasse Füße bei Regen findet niemand wirklich toll –, wird schnell zu einer fixen Idee, einer Besessenheit gar. Das hat eine Reihe komischer Momente zur Folge, wenn irgendwie immer etwas schiefgeht. Mal kommt der Händler nicht. Dann sind die Stiefel schon verkauft. Zum Schluss spielt das Wetter schon wieder einen Streich. Was auch immer passieren mag, um Wangdrak von seinen Stiefeln zu trennen, es passiert.

Gleichzeitig macht sich der Film, der seine Weltpremiere auf der Berlinale 2018 feierte, nicht über seinen jungen Protagonisten lustig. Denn irgendwie ist es dann doch nicht schwierig, sich in ihn hineinzuversetzen, an Momente zu denken, in denen man selbst etwas unbedingt hatte haben wollen, egal wie unsinnig es war. Mit einer Mischung aus Charme und Dreistigkeit geht er zur Sache, schleicht umher, auch wenn ihn jeder sieht, ist sich auch für keine Ausrede zu schade. Geht ja um eine gute Sache.

Nicht viel, aber schön
Vor allem zum Anfang macht Wangdrak’s Rain Boots auf diese Weise recht viel Spaß. Neben dem sympathischen Jungdarsteller sind es vor allem die tollen Bilder der tibetischen Berglandschaft, die einen an die Leinwand fesseln. Mit Wangdrak unterwegs zu sein, das ist schon ein bisschen wie Urlaub. Mit der Zeit stellt sich das Thema dann aber doch als ein wenig zu dünn heraus, um über 90 Minuten hinweg richtig fesseln zu können. So lustig es ist, dass der Junge nur eins im Kopf hat, so wenig abwechslungsreich ist der Film als Folge. Da reicht es eben doch nicht, einfach nur durch die Gegend zu laufen, immer wieder in den Himmel zu starren und auf ein Regenwunder zu hoffen. Denn das kommt ja selten dann, wann man es braucht.

Wangdrak’s Rain Boots
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Wangdrak’s Rain Boots
Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen – wohl aber für die passenden Regenstiefel. Die Jagd eines Jungen auf die ersehnte Fußbekleidung ist gleichermaßen überzogen wie sympathisch, zeigt, wie einfach und schwierig die Welt aus der Sicht eines Kindes sein kann. Mit der Zeit lässt der Spaß jedoch nach, da das Thema nicht allzu viel Abwechslung bereithält.
6von 10

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