„Teatro de guerra“, Argentinien/Spanien, 2018
Regie: Lola Arias; Drehbuch: Lola Arias

Theatre of War

„Theatre of War“ läuft im Rahmen der 68. Berlinale (15. bis 25. Februar 2018)

Mehr als 35 Jahre sind seit dem Ende des Falklandkriegs vergangen, in dem sich Argentinien und Großbritannien gegenüberstanden und jeder für sich die Inselgruppe im südlichen Atlantik beanspruchte. Nur wenige Woche dauerte der Krieg damals, von April bis Juni 1982. Und doch kostete er über 900 Menschen das Leben, führte auch zu dem Ende der Militärdiktatur in Argentinien. Ein neuer Krieg ist heute zwar nicht zu befürchten, zu sehr hat sich die Welt seither verändert. Spannungen gibt es aber nach wie vor, auch weil Argentinien ein Referendum von 2013 nicht anerkennen will, in denen sich die Bewohner der Inseln  ausdrücklich für einen Verbleib in Großbritannien aussprachen.

Die argentinische Filmemacherin Lola Arias interessiert sich in Theatre of War wenig für die rechtliche oder moralische Frage, wem die Inseln gehören. Sie interessiert sich nicht einmal für den Krieg selbst, dessen Gründe oder den Verlauf der Kampfaktivitäten. Im Mittelpunkt ihrer Dokumentation stehen vielmehr die Menschen, die damals an dem Krieg teilgenommen haben. Was ist aus den Soldaten geworden? Wie gehen sie mit ihren Erinnerungen um? Mit dem Krieg?

Dafür versammelte sie einige Veteranen von beiden Nationen und lässt sie aufeinander los. Gekämpft wird im Jahr 2018 nicht mehr, zumindest nicht mit echten Waffen. An einer Stelle dürfen zwei Vertreter miteinander diskutieren und damit für das weniger involvierte Publikum kurz und prägnant die unterschiedlichen Auffassungen und Standpunkte zusammenfassen. An einer anderen ist der Kampf durchaus noch physischer Natur, was den anwesenden Hund zu einem verzweifelten Bellangriff verleitet. Unnötig, wie schnell klar wird, das argentinisch-britische Duell ist nicht mehr als eine Inszenierung.

Der Krieg und die Kunst
Ohnehin nutzt Arias die Mittel der Kunst, um vergangene Erfahrungen aufzuarbeiten und an andere zu vermitteln. Ein Theaterstück, in dem junge Menschen eben die Protagonisten nachspielen sollen, die im Mittelpunkt der Doku stehen, zwingt die Veteranen, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Gleiches gilt für die Begegnungen abseits der Bühne, wenn die Soldaten von einst von sich erzählen, Fotos zeigen, Narben, die während des Krieges, aber auch später entstanden sind. Eine künstliche Hüfte aus Metall zum Zwecke der Völkerverständigung? Warum nicht, wenn es hilft.

Das ist manchmal charmant, manchmal sogar witzig. Insgesamt aber auch irgendwie harmlos und banal, zumindest für ein außenstehendes Publikum. Anders als etwa Art/Violence, das Kunst, speziell das Theater nutzte, um sich mit Krieg und Unterdrückung auseinanderzusetzen, wird der Beitrag von der Berlinale 2018 nie so wirklich konkret. Weder entspringt der Bearbeitung ein spannendes Kunstwerk, noch bringt uns der Film die Menschen nahe. Eine alte Aufnahme zeigt, wie einer der Briten in einem früheren Dokumentarfilm den Tod eines Argentiniers beweinte. Heute würde er das nicht mehr tun, sagt er, er habe jetzt die Kontrolle über sich, mache die Erinnerung zu einer reinen Geschichte. So wie auch Theatre of War den Krieg zu einer Geschichte macht, die irgendwie einfach da ist, ohne aber einem nahezugehen.

Theatre of War
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Theatre of War
35 Jahre nach dem Ende des Falklandkriegs bringt „Theatre of War“ Veteranen von beiden Seiten zusammen, um in der Begegnung und in künstlerischen Aktionen die Vergangenheit aufzuarbeiten. Das hört sich spannender an, als es ist, trotz vereinzelt komischer oder charmanter Momente wird der Dokumentarfilm seinem Anspruch nie völlig gerecht, hat selbst zu wenig zu dem Thema zu sagen.
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