(OT: „Nur Gott kann mich richten“, Regie: Özgür Yıldırım, Deutschland, 2017)

Nur Gott kann mich richten

„Nur Gott kann mich richten“ läuft ab 25. Januar 2018 im Kino

Der Plan war seinerzeit eigentlich ziemlich simpel gewesen. Und doch ging bei dem Raubüberfall schief, was nur schief gehen konnte. Schnee von gestern, Ricky (Moritz Bleibtreu) hat endlich seine Strafe abgesessen. Jetzt fehlt nur noch ein bisschen Geld. Und so wollen er und seine beiden Mitstreiter von damals – sein Bruder Rafael (Edin Hasanovic) plus der gute Freund Latif (Kida Khodr Ramadan) – doch noch ein letztes Ding zusammen drehen. Das Desaster lässt aber auch dieses Mal nicht lang auf sich warten. Nicht nur, dass sie nach einem Überfall auf eine Drogenübergabe in eine Polizeikontrolle geraten. Polizistin Diana (Birgit Minichmayr) kassiert die Drogen kurzerhand für sich selbst ein, da sie ebenfalls dringend Geld für die Operation ihrer Tochter braucht.

Eines muss man Özgür Yıldırım ja lassen: Er wird es nicht müde, sich um den deutschen Genrefilm zu bemühen. Nachdem 2015 sein Ausflug in Science-Fiction-Gefilde mit Boy 7 nicht den erwünschten Effekt erzielte, kehrt er mit seinem vierten Kinofilm Nur Gott kann mich richten wieder zu den Gangstergefilden zurück, mit denen er sich bei Chiko einst einen Namen machte. Dieses Mal stattet der deutsch-türkische Regisseur und Drehbuchautor jedoch nicht seiner alten Heimat Hamburg einen Besuch ab. Stattdessen taucht er tief ein ins Drogenmilieu der Bankenmetropole Frankfurt.

Dreckige neue Welt
Ob sich die Wahl des Schauplatzes an den Kinokassen bezahlt machen wird, das werden wir Ende Januar 2018 erfahren, wenn der Thriller nach diversen Festivalteilnahmen regulär in die Lichtspielhäuser kommt. Gut war sie aber so oder so. Frankfurt ist eine schöne Abwechslung zu den üblichen Verdächtigen, gerade auch weil die Stadt sich von einer so gar nicht schönen Seite zeigt. Dreckig, verkommen, der ideale Ort für kleine Gangstergeschichten. Und der ideale Ort für Leute, die in erster Linie durch Makel zusammengehalten werden.

Das ist dann auch recht bemerkenswert, zumindest für einen deutschen Film: Nur Gott kann mich richten macht es einem nicht leicht, sich für eine Seite zu entscheiden. Am ehesten kommt natürlich noch Diana dafür in Frage, da ihre Motivation über bloße Bereicherung hinausgeht. Aber auch sie wird die eine oder andere fragwürdige Entscheidung treffen. Während so die Grenzen zwischen gut und böse verschwimmen, man gar nicht mehr so genau sagen kann, wer Protagonist und Antagonist ist, macht sich Yıldırım einen Spaß daraus, die Figuren immer tiefer in den Dreck zu ziehen.

Und dann kam noch Pech dazu …
Das ist natürlich schon ein klein wenig übertrieben: Wann auch immer etwas schiefgehen kann, geht es schief. Das tut es selbst wenn, es eigentlich nicht schiefgehen kann. Eine Situation endet in Nur Gott kann mich richten immer auf die schlechtdenkbarste Weise. Ob Yıldırım sich bzw. dem Publikum damit einen Gefallen tut, ist eher fraglich. Die Anhäufung von Missgeschicken und Unglücken wäre auch in einer schwarzen Komödie nicht fehl am Platz, konsequent treffen die Unglücklichen Entscheidungen, die völlig absurd sind. Nur nimmt sich der Film leider viel zu ernst, wie sich auch am bedeutungsschwangeren Titel zeigt. Er will dann doch mehr sein als nur ein dreckiger B-Movie.

Sympathisch ist es aber natürlich trotzdem, wie hier versucht wird, dem deutschen Kino andere, schmutzige Seiten zu entlocken. Zumal das Ensemble nicht das schlechteste ist: Bleibtreu ist dem Genrefilm ja durchaus verbunden, siehe etwa Stereo und Die dunkle Seite des Mondes. Auch Hasanovic (Auf kurze Distanz, Schuld sind immer die Anderen) fühlt sich bei menschlichen Abgründen ganz wohl. Sonderlich viel haben die beiden Filmbrüder zwar nicht gemeinsam – bis auf den Hang zu Verbrechen. Dennoch ist es ansehnlich gespielt, wie sie sich raufen und zusammenraufen, eigentlich nur ein bisschen was vom Glück abhaben wollen, am Ende aber immer leer ausgehen. Der Zuschauer bekommt dafür einiges geboten, gerade auch wenn er seine Filme gern ein bisschen trostloser und blutrot mag.

Nur Gott kann mich richten
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Nur Gott kann mich richten
Zwei Brüder wollen noch ein letztes Ding drehen? Das kann ja nur daneben gehen. Tatsächlich macht sich „Nur Gott kann mich richten“ einen Spaß daraus, seine Protagonisten von einem Unglück ins nächste zu schicken. Das ist zuweilen etwas übertrieben und nimmt sich ernster, als es braucht. So schön dreckig wie bei diesem Actionthriller geht es im deutschen Kino aber nur selten zu.
6von 10

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