(OT: „Nasu: Andarushia no Natsu“, Regie: Kitarō Kōsaka, Japan, 2003)

Nasu Sommer in AndalusienSein Leben lang hat Pepe Benengeli davon geträumt, ein berühmter Radrennfahrer zu werden. So ganz ist dieser Traum aber nie in Erfüllung gegangen. Sicher, er nimmt als Mitglied eines namhaften Teams an der Vuelta a España teil. Doch seine Aufgabe besteht lediglich darin, einem Kollegen zum Sieg zu verhelfen. Und wie es aussieht, wird er bald nicht einmal mehr das dürfen: Zufällig erfährt er, dass sein Sponsor ihn nach dem Rennen hinauswerfen will. Dass sein älterer Bruder zeitgleich Pepes Exfreundin heiraten will, hilft auch nicht unbedingt dabei, die Stimmung zu heben. Und so beschließt er, sich über die Teamanweisungen hinwegzusetzen und selbst um den Sieg fahren zu wollen.

Mehr als nur eine Kopie
„Huch? Ist das ein neuer Film von Studio Ghibli, den ich noch nicht kenne?“ So manch einer wird das gedacht haben, der sich das erste Mal Nasu – Sommer in Andalusien anschaut. Einige der Figurendesigns erinnern schon frappierend an jene des legendären japanischen Animationsstudios. Auch die Geschichte und die Charaktere könnten von ihnen stammen. Und dann ist da noch die kleine schwarze Katze, die ganz einfach mit Jiji aus Kikis kleiner Lieferservice verwandt sein muss. Sie ist es aber nicht, so wie hier auch nicht Ghibli, sondern das ebenfalls renommierte Animationsstudio Madhouse (Redline) dahintersteckt.

Aber die Vermutung ist eben auch nicht ganz falsch, denn Regisseur Kitarō Kōsaka hat zuvor an einer Reihe von Filmen der Animationsmeister mitgewirkt. So war er beispielsweise Animation Director bei Stimme des Herzens – Whisper of the Heart oder auch Supervising Animation Director bei Chihiros Reise ins Zauberland. Bei Nasu – Sommer in Andalusien führte er nun erstmals selbst Regie und wählte sich dafür den Manga von Iō Kuroda aus. Ein Manga, dem ihm auch noch Hayao Miyazaki empfohlen hatte. Auch darin zeigt sich der Einfluss.

Mal realistisch, mal recht schwach
Mit den großen Meisterwerken seines ehemaligen Chefs kann es der Film hier nicht aufnehmen. Vor allem visuell spielt man bei aller Ähnlichkeit der Figuren doch auf einem ganz anderen, sprich niedrigeren Level. Da wären die etwas zu offensichtlichen Einsätze des Computers, die nicht ganz ins Bild passen. Und die hässlichen Publikumsmassen, wenn die Radfahrer doch mal an Menschen vorbeikommen, hätten so auch nicht sein müssen. Dafür ist der Film ansonsten ziemlich realistisch gehalten, vermittelt auch gut das Gefühl, im südlichen Spanien unterwegs zu sein.

Inhaltlich ist Nasu äußerst simpel und besteht aus zwei Hälften: dem Rennen und den Angehörigen. Interessant ist es, wie der Anime seine Geschichte erzählt. Eigentlich laufen die beiden Handlungsstränge unabhängig voneinander. Durch die Familie lernen wir aber mehr über den Menschen, der da gerade das Rennen seines Lebens fährt. Das geht schon aufgrund der recht kurzen Laufzeit von 45 Minuten nicht wirklich in die Tiefe, ist aber doch charmant und an vielen Stellen lebendig. Das Rennen selbst ist dabei sogar überraschend spannend inszeniert. Es gelingt dem Film die Besonderheit des Radrennsports hervorzuheben, dass es bei dem Tage dauernden Wettkampf oft auf wenige Augenblicke ankommt, und auch auf Strategie. Dass man dem Underdog, der privat wie sportlich gescheitert ist, kräftig die Daumen drückt, versteht sich ohnehin von selbst. Deshalb ist es auch sehr schade, dass der zweite Teil des Animes, der einige Jahre später produziert wurde, bis heute nicht im Westen veröffentlicht wurde. Denn so manche Figur, die hier auftritt, hätte man dann doch ganz gern ein zweites Mal gesehen.

Nasu – Sommer in Andalusien
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Nasu – Sommer in Andalusien
„Nasu – Sommer in Andalusien“ lässt uns an einem Radrennen in Spanien teilnehmen, bei dem es für den Protagonisten um alles geht. Das ist teilweise erstaunlich spannend, insgesamt auch ziemlich charmant. Aufgrund der Kürze geht es aber zwangsweise nicht sonderlich in die Tiefe, die Optik ist teils sehr gelungen, teils eher schwach.
7von 10

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