(OT: „Gekijōban Perusona 3 Dai Yon Shō“, Regie: Keitaro Motonaga, Japan, 2016)

Persona 3 Winter of RebirthUnzählige Male haben Makoto und seine Teammitglieder von SEES gegen gefährliche Dämonen gekämpft, auch die zwölf mächtigsten haben sie besiegt. Aber alles umsonst. Noch immer verwandelt sich die Welt während der Dark Hour in einen seltsamen Ort. Noch immer wird aus der Schule nachts der finstere Tartaros-Turm, der von Schatten überrannt ist. Und dann noch das: Ryoji ist überhaupt kein Schüler, sondern selbst ein ehemaliger Schatten, der eng mit dem Schicksal von Makoto verbunden ist. Das Ende der Welt ist nahe, so lässt er die Leute wissen. Und der traurige Überrest der Gemeinschaft muss nun überlegen, wie es vorgehen will. Sollen wir ein letztes Mal kämpfen oder doch lieber die verbleibende Zeit genießen?

So ein Jahr kann ganz schön lange sein. Und ein paar Stunden genauso. Sechs bis sieben dauert es, bis die Adaption des Videospiels „Persona 3“ ihr Ende findet. Das ist eine ganze Menge. Wer bei Spring of Birth eingestiegen ist, dem ersten der vier Filme, wird darauf gebrannt haben, eine Erklärung für die seltsamen Ereignisse zu erhalten. Und auch wenn wir zwischendrin immer wieder kleine Erklärungsbrocken vor die Füße geworfen bekamen, erst beim Abschluss Winter of Rebirth erfahren wir einige grundsätzliche Dinge. Das kann man spannend finden oder auch langwierig, zumal die Geschichte ganz gerne mal zwischendurch andere Themen behandelt.

Mut zur (großen) Lücke
Das größere Problem ist aber eins, das seit dem zweiten Film Midsummer Knight’s Dream die Reihe plagt: Die Zeit, so großzügig und lang sie einem auch erscheinen mag, reicht hinten und vorne nicht. Beim Spielen braucht es rund hundert Stunden, um ans Ende zu gelangen. Davon lässt sich natürlich vieles herauskürzen, die vielen gleichlaufenden Kämpfe zum Beispiel. Das hat man beim Anime auch getan. Da aber auch das nicht genug war, wurde bei der Charakterisierung und vielem anderen gespart. Die Folge ist, dass man hier vieles ohne die Spiele kaum versteht, man auch nur wenig Zugang zu den Figuren bekommt. Mehr als Momentaufnahmen sind nicht drin, was eine wirkliche Entwicklung natürlich nahezu unmöglich macht.

Dennoch ist Winter of Rebirth wieder etwas interessanter als der Tiefpunkt Falling Down. Das liegt neben der stärkeren Fokussierung auf die Haupthandlung auch daran, dass hier endlich mal wieder etwas gekämpft werden darf. Das war zwar bei den anderen Filmen auch der Fall, die nur wenige Sekunden dauernden Auseinandersetzungen waren aber kaum genug, um den abwechslungsreichen bis bizarren Wesen gerecht zu werden, für die die Kultreihe „Megami Tensei“ bekannt ist. Das ist beim epischen Abschluss minimal besser, immerhin dürfen wir hier auch mal erfahren, welche Dämonen wir aufs Schlachtfeld schicken. Und zum Ende hin werden sowieso die ganz großen Gottgeschütze ausgepackt.

Atmosphärisches Geschenk an bestehende Fans
Die Optik ist ohnehin erneut geglückt: A-1 Pictures (Fairy Tail: Dragon Cry, Sword Art Online – Ordinal Scale) schafft es, das Ambiente der Vorlage einzufangen, inklusive der bedrückend dunkelgrünen Bilder. Inhaltlich hält man sich ohnehin eng an die Vorlage, Fans des Spiels können sich daher darauf freuen, hier einen kompetenten Einblick zu bekommen. Mehr als das ist der Anime aber eben nicht. Viele Punkte und Figuren kommen zu kurz, werden kaum erklärt oder gleich ganz verschwiegen. Wenn zum großen Finale die Zuschauer noch einmal emotional durch die Mangel genommen werden sollen, dann trifft das maximal auf die zu, die schon vorher einen Bezug zu allem hatten – und keine Probleme mit leicht kitschigem Melodram haben. Der Rest kann zwar die mysteriös-düstere Atmosphäre genießen, wird sich aber schon fragen, was das Ganze denn nun eigentlich sollte.

Persona 3 The Movie: #4 Winter of Rebirth
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Persona 3 The Movie: #4 Winter of Rebirth
Der krönende Abschluss? Das ist „Winter of Rebirth“ nur bedingt. Da dieses Mal die Handlung stärker im Vordergrund steht und auch die Kämpfe mehr zeigen, ist der vierte und letzte Teil von „Persona 3“ wieder sehenswerter als der Vorgänger. Ohne Kenntnis der Spiele ergibt vieles aber erneut keinen Sinn, der Anime ist maximal für Fans tatsächlich empfehlenswert.
6von 10

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