(OT: „Game of Death“, Regie: Sebastien Landry/Laurence Morais-Lagace, USA/Kanada/Frankreich, 2017)

Game of Death

„Game of Death“ läuft im Rahmen des 31. Fantasy Filmfests (6. September bis 1. Oktober 2017)

Nichts verdirbt den Spaß einer gemeinsamen Party wie der Tod. Vor allem wenn es der eigene ist. Das müssen sieben Jugendliche (Sam Earle, Victoria Diamond, Emelia Hellman, Catherine Saindon, Erniel Baez Duenas, Nick Serino, Thomas Vallieres) feststellen, als sie ein altes Spiel ausgraben. Richtig einladend klingt es eigentlich nicht, „Game of Death“ hört sich schon ziemlich fies an. Aber wer jung, betrunken und nicht besonders helle ist, der macht bei sowas schon mal mit. Als jeder von ihnen dabei gestochen wird und Blut verliert, ist die Partie schnell beendet – so denken sie. Das eigentliche Unglück fängt da jedoch erst an: Wenn sie nicht schnellstens eine vorgegebene Zahl an Menschen töten, müssen sie selbst dran glauben, einer nach dem anderen.

Alte Spiele ausgraben, das ist in Filmen selten eine schlaue Idee. Ob es nun Jumanji war, die diversen Ouija-Verfilmungen oder auch Beyond the Gates: Kurze Zeit später ist die Hölle los, vorzugsweise im eigenen Wohnzimmer. Game of Death kombiniert nun dieses Szenario mit einem der absoluten Dauerbrenner der letzten Jahre: Mehrere Menschen müssen gegeneinander antreten, bis nur noch einer übrig ist. Die Verknüpfung dieser beiden Elemente ist neu, das Ergebnis ist es jedoch nicht. Ein Grund: Das Spiel spielt später keine echte Rolle mehr, dient nur noch dazu, die Zahl der verbleibenden zu tötenden Menschen festzuhalten und zwischen fies zu lachen.

Nicht komisch, nicht spannend
Als Zuschauer hat man hingegen eher weniger zu lachen. Nicht weil Game of Death so wahnsinnig spannend wäre. Der Film ist aber auch nicht provokant oder hinterlässt tiefe Narben in der Seele. Eigentlich hinterlässt er gar nichts, allenfalls Langeweile. Das liegt schon an dem wenig durchdachten Konzept. Wenn eine Gruppe von Jugendlichen auf Menschenjagd gehen, um nicht selbst dran glauben zu müssen, dann würde das entweder komödiantisch, vielleicht sogar satirisch ganz gut gehen. Oder man macht eine Ansammlung besonders blutiger oder bizarrer Morde draus. Nicht hier. Der Film macht keins von beidem oder verfolgt anderweitig eine klare Idee.

Das merkt man schon an den immer wieder eingebauten Found-Footage-Elementen, vor allem im Handykameraformat. Bis die eigentliche Geschichte angefangen hat, ist bereits eine Viertelstunde rum – was bei nicht mal 75 Minuten Laufzeit eine Menge ist. Aber auch im weiteren Verlauf wird das Regieduo Sebastien Landry und Laurence Morais-Lagace auf dieses Gimmick zurückgreifen, ohne dass ersichtlich würde, warum es das tut. Später kommen noch Computerspieleinlagen hinzu, auch das unbegründet. Die sind zwar schön nostalgisch, sogar richtig kreativ und abwechslungsreich in der Umsetzung. Sie bringen dem Beitrag vom Fantasy Filmfest 2017 aber nichts. Wo Beyond the Gates letztes Jahr einen ganzen Film um diese Nostalgie herum gebaut hat, hat man hier den Eindruck, dass die Einlagen reiner Selbstzweck sind.

Aus der Mottenkiste direkt in den Müll
Das gilt auch für die Figuren. Für die sogar ganz besonders. Zugegeben, intelligente oder interessante Charaktere sind im Horrorgenre ungefähr so wahrscheinlich wie Schnee an Weihnachten. Ganz so plump wie hier muss es dann aber doch nicht sein. Wenn beispielsweise Tyler anfangs kuriose Verschwörungstheorien verbreitet, die so gar nicht in den Film passen, später dann komplett darauf verzichtet, dann fragt man sich schon: Haben die Drehbuchautoren zwei Figuren einfach miteinander verwechselt? Auch andere Charaktere werden sich mehrfach winden und wenden, wie es gerade beliebt. Das gilt zusätzlich für das Drumherum, das unmotiviert zwischen absurdem Trash und pseudophilosophischen Ausführungen schwankt. Nicht einmal das Tempo stimmt: Manche Szenen werden gnadenlos ausgeschlachtet, andere schulterzuckend übersprungen. Game of Death ist eine Ansammlung von Szenen, kein wirklicher Film. Wären da nicht diese tollen Computersequenzen, dieser Mischmasch wäre komplett ungenießbar. Aber selbst mit diesen ist der 73 Minuten dauernde Film mindestens 60 Minuten zu lang. Immerhin: Da hier wirklich jede Figur schrecklich unsympathisch ist, ertappt man sich schon bald beim Daumendrücken – gegen die Protagonisten wohlgemerkt, die sollen ruhig möglichst bald draufgehen. Und das erlebt man ja auch nicht jeden Tag.

Game of Death
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Game of Death
Eine Gruppe Jugendlicher schnappt sich ein altes Spiel und stellt bald fest: Ihr Leben ist der Einsatz. Daraus hätte man entweder eine Komödie oder einen Horrorfilm machen können. „Game of Death“ ist keins von beidem. Ein klares Konzept ist nicht zu erkennen, die Figuren sind Müll, der Film selbst ist schrecklich langweilig. Lediglich die coolen Computersequenzen machen das Ergebnis erträglich.
4von 10

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