(OT: „Amelie rennt“, Regie: Tobias Wiemann, Deutschland/Italien, 2017)

Amelie rennt

„Amelie rennt“ läuft seit 21. September 2017 im Kino

Eigentlich wollten sie mit ihrem kleinen Geisterspiel nur etwas Spaß haben. Nach Spaß ist Amelie (Mia Kasalo) daraufhin aber nicht mehr zumute, denn die 13-Jährige hat ganz irdische Sorgen: Asthma. Anfälle hatte sie schon mehrere gehabt, diesmal war es aber besonders schlimm. Da sie sich auch nur ungern etwas sagen lässt, beschließen ihre Eltern (Susanne Bormann, Denis Moschitto), sie in eine spezialisierte Klinik in Südtirol zu bringen. Darauf hat Amelie jedoch nur wenig Lust. Wie so oft. Also läuft sie heimlich davon und trifft dabei den 15-Jährigen Bart (Samuel Girardi). Der rettet ihr nicht nur das Leben, sondern verrät ihr auch eine lokale Legende: Wer den Berggipfel erreicht, kann sich etwas wünschen. Das lässt sich Amelie nicht zweimal sagen, vielleicht kann sie ja so vielleicht endlich ihre Scheißkrankheit loswerden.

„Warum ich?“, fragt sich Amelie in dem Film, kann nicht verstehen, weshalb ausgerechnet sie an Asthma leiden sollte. Und es fällt nicht schwer, sich da in das Mädchen hineinzuversetzen und mit ihr zu fühlen. Die meisten von uns werden sich irgendwann gefragt haben, womit man den einen oder anderen Schicksalsschlag verdient hat. Erkrankungen stehen ganz oben auf der Liste, wenn es um verdammt unfaire Ereignisse angeht. Oder wenn mal wieder Liebeskummer ansteht. Da muss man nicht einmal ein 13-jähriges Mädchen sein, auch als Erwachsener darf man hier hin und wieder verzweifelt sein.

Bekannte Szenen in den Bergen
Es ist daher keine außergewöhnliche Geschichte, die Amelie rennt da erzählt, sondern eher eine recht universelle. Hinzu kommt, dass einem auch die Personenkonstellation bekannt vorkommt. Ein recht herablassender Mensch aus der Stadt kommt aufs Land, legt sich mit den rückständigen Bewohnern an und findet am Ende doch zu ihnen – und sich selbst. Da lässt es sich schön mit Kontrasten spielen, viele Liebeskomödien greifen auf dieses bewährte Muster zurück. Aber auch Kinderfilmen ist das Szenario nicht fremd. Bei Cars war diese Mischung aus Culture Clash und Screwball-Slapstick ein echter Publikumsmagnet.

Vergleichbare Blockbusterambitionen hat man hier sicher nicht, muss aber auch nicht. Vielmehr überzeugt Amelie rennt durch Charme und die Einfachheit der Geschichte. Vor einigen Jahren hatte Tobias Wiemann mit Grossstadtklein schon einmal von der Liebe zwischen einem männlichen Landei und Großstadtgöre erzählt. Konnte sich der Film damals aber nicht so recht entschließen, wovon er eigentlich handeln wollte, ist das hier deutlich fokussierter und damit in sich stimmiger. Die ersten Minuten bis hoch zu den Bergen nutzt der Regisseur, um seine junge Protagonistin zu etablieren, mit all ihren Macken und der manchmal etwas anstrengenden Nullbock-Haltung. Danach lässt er sie auch schon auf ihren Kompagnon und Führer los.

Aus Spaß am Streit
Es ist dann auch das Zwischenspiel der beiden Nachwuchsdarsteller, welches das Herz des Films ausmacht. Seine unbekümmerte Frohnatur, ihre abweisende Haltung, die ständigen Reibereien, die sich auch in den Dialogen zeigen. Aber eben auch die allmähliche Annäherung, wenn aus zwei Kontrahenten Freunde werden, später noch ein klein wenig mehr. Es macht einfach Spaß, ihnen dabei zuzusehen, wie sie sich ständig kabbeln bei dem Versuch, den Berggipfel zu erreichen. Wie Amelie in der Welt da oben auch langsam zu sich findet. Für die Erwachsenen bleibt da nur wenig Platz, sich zu profilieren. Ein paar lustige Szenen gibt es aber auch bei ihnen, allen voran bei den Eltern, die regelmäßig an dem Sturkopf ihrer Tochter scheitern. Abgerundet wird der sympathische Jugendfilm durch die tollen Naturaufnahmen in den idyllischen Bergen, die Lust darauf machen, den beiden Jugendlichen zu folgen.

Amelie rennt
4.17 (83.33%) 30 Artikel bewerten

Amelie rennt
„Amelie rennt“ nimmt einige bekannte und bewährte Elemente und bastelt daraus einen sympathischen Jugendfilm. Vor allem die Kabbeleien zwischen dem asthmakranken Motzkopf aus der Stadt und dem unbekümmerten Landei machen den Film zu einem Spaß für Groß und Klein. Dazu gibt es schöne Aufnahmen aus den Bergen.
7von 10

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