(„Rokujyōma no Shinryakusha!?“ directed by Shin Ōnuma, 2014)

Invaders of the Rokujyoma Vol 1

„Invaders of the Rokujyōma!?“ ist auf zwei Volumes verteilt auf DVD und Blu-ray erhältlich

Eigentlich hätte Kōtarō Satomi ja wissen müssen, dass die Geschichte zu gut klang, um wahr zu sein. Nur 5000 Yen Miete für ein Zimmer? Da kann ja etwas nicht stimmen. Dabei ist es nicht einmal so, als wäre an dem Zimmer selbst etwas auszusetzen. Im Gegenteil: Es ist sogar ausgesprochen begehrt. Etwas zu begehrt. Schon beim Einzug macht der Schüler die Bekanntschaft von Sanae Higashihongan. Die ist sehr hübsch, aber auch ausgesprochen tot und besteht darauf, dass sie zuerst hier war und nicht vorhat, wieder auszuziehen. Zu dem Geist gesellen sich bald schon das Magical Girl Yurika Nijino, Kiriha Kurano, die einem unterirdischen Volk angehört, sowie die Außerirdische Theiamillis Gre Fortorthe. Sie alle haben es auf das Zimmer 106 abgesehen, da es dort viele magische Kräfte geben soll, und lassen sich auch nicht von ihrem Plan abbringen.

Ach ja, die guten alten Harem-Animes. Seitdem die japanische Zeichentrickkunst in den 80ern und 90ern auch den Westen ins Visier nahm, gab es immer wieder Werke, in denen ein junger Mann plötzlich von einer ganzen Horde hübscher Mädchen umgeben war, die es alle auf ihn abgesehen hatten. Tenchi Muyo! beispielsweise beginnt damit, dass ein Teenager unbeabsichtigt eine Weltraumpiratin freilässt und dadurch einen ganzen Rattenschwanz chaotischer Ereignisse verursacht. Heute sind klassische Harem-Geschichten eher selten geworden, meistens wird diese Grundsituation für schlüpfrige Serien wie High School DxD oder Demon King Daimao genutzt.

Harmlose Harem-Show
Invaders of the Rokujyōma!?, welches auf der gleichnamigen Light-Novel-Reihe von Takehaya basiert, gibt sich da deutlich züchtiger. Zwar laufen auch hier Damen durch die Gegend, deren Vorbau jeglicher Schwerkraft spottet. Zwar gibt es auch Mädels, die nicht ganz so üppig ausgestattet wurden und deshalb abschätzige Kommentare über sich ergehen lassen müssen. Das war es aber auch schon. Später kommt noch eine Romanze dazu, auch die obligatorische Onsen- bzw. Strandfolge darf nicht fehlen. Von kleineren peinlichen Momenten einmal abgesehen, ist die Serie aber auffallend wenig mit Sex beschäftigt.

Worum es ihr aber stattdessen geht, das wird nie so richtig klar. Der Einstieg ist klasse, wenn sich Kōtarō plötzlich mit den unwahrscheinlichsten Geschöpfen aus Horror, Fantasy und Science-Fiction ein kleines Zimmer teilen muss. Dass beispielsweise Geister und außerirdische Prinzessinnen normalerweise nicht in denselben Kreisen verkehren, verspricht hier eine ganze Menge absurden Culture-Clash-Quatsch. Gehalten wir dieses Versprechen jedoch kaum, das ungeheure Potenzial dieser Crossovers nur ansatzweise genutzt. Allgemein ist die Serie nicht so komisch, wie sie sein könnte oder sollte, nach dem originellen Einstieg wird es zunehmend konventioneller. Bei dem an und für sich witzigen Wettstreit um die Wohnung hätten es auch fünf ganz normale Erdenfräuleins getan, ohne dass sich wirklich etwas geändert hätte.

Aus Spaß wurde Ernst, wurde nichts
Irgendwann wird der Humor sogar fast ganz aufgegeben, wenn es dann doch wieder darauf hinausläuft, dass hier ein Jüngelchen die Welt retten muss. Von der frischen Prämisse ist zu dem Zeitpunkt nichts mehr geblieben, Invaders of the Rokujyōma!? wird zu einer Serie unter vielen. Problematisch ist zudem, dass die zwölf Folgen einfach nicht ausreichten, um daraus eine in sich stimmige Geschichte zu basteln. Da dem Publikum die holden Maiden erst noch ein bisschen schmackhaft gemacht werden müssen, bekommt jede eine bis zwei Folgen zugesprochen, die sie charakterlich vertiefen sollen. Das ist auf der einen Seite zwar löblich, führt aber dazu, dass für eine wirkliche Rahmenhandlung kein Platz mehr blieb. Und so wurde dann auf den letzten Metern noch etwas Größeres hineingepresst und ebenso plötzlich wieder aufgelöst, einfach damit es überhaupt einen Schluss gibt.

So ganz befriedigend ist das nicht, am Ende bleibt mal wieder nur das Mittelfeld übrig. Visuell gilt das Gleiche: Das Animationsstudio Silver Link (Fate/Kaleid Liner Prisma Illya) hat zwar hin und wieder in die Trickkiste gegriffen, ohne dabei aber annähernd so originelle Einfälle zu haben wie seinerzeit bei Dusk Maiden of Amnesia. Große Fehler gibt es nicht, aber auch keine großen Stärken. Siehe etwa die Designs der Figuren. Gefällig, ja, aber komplett ohne eigene Note. Gäbe es nicht die Vielzahl an Regenbogenfarben, derer sich für die Haarfarben bedient wurde, man könnte die einzelnen Protagonistinnen mal wieder nicht unterscheiden. Nett, ein bisschen nichtssagend wie der Rest auch ist Invaders of the Rokujyōma!? daher in erster Linie für bereits überzeugte Fans derartiger Harem Comedies interessant. Da wäre insgesamt deutlich mehr drin gewesen.



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Invaders of the Rokujyōma!?
4 (80%) 23 Artikel bewerten

Invaders of the Rokujyōma!?
Man nehme Geister, Außerirdische und Magierinnen und stecke sie zusammen in ein kleines Zimmer. Das Ergebnis ist nicht ganz so lustig wie erhofft, da nach dem originellen Einstieg die Serie doch zu einer herkömmlichen Harem Comedy mutiert. Das ist insgesamt nett, aber doch recht austauschbar, das Potenzial der Geschichte wird so gut wie gar nicht genutzt.
5von 10

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