(„Code of Survival“ directed by Bertam Verhaag, 2017)

Code of Survival

„Code of Survival“ läuft ab 1. Juni 2017 im Kino

Man würde Bertam Verhaag sicher nicht zu nahe treten, wenn man ihn als einen Überzeugungstäter bezeichnet. Seit vielen Jahren schon kämpft der Münchner für eine natürliche Landwirtschaft und gegen die fragwürdigen Praktiken der Großbetriebe und Unternehmen. Ein besonders rotes Tuch für den umtriebigen Filmemacher ist dabei die Gentechnik, neun Werke hat er allein dem Thema schon gewidmet. Daraus macht er auch keinen Hehl, wenngleich er seinen zehnten Beitrag Code of Survival etwas anders gestaltet als sonst. Dieses Mal soll es nicht allein darum gehen, Missstände anzuprangern. Ebenso wichtig ist es ihm, mögliche Wege aufzuzeigen, wie Bauern auf den Einsatz dieser verhassten Mittel verzichten könnten.

Zunächst geht es aber sehr klassisch los und Verhaag lässt seinen persönlichen Unmut an den aktuellen Entwicklungen aus. Zwar darf anfangs ein Bauer zu Wort kommen, der den Einsatz von genmanipulierter Nahrung vertritt, mit dem Hinweis, dass ja auch Handys und Mikrowellen Studien zufolge gefährlich sein können. Und darauf würde auch keiner mehr verzichten wollen. Es ist nicht das beste Argument der Befürworter, aber doch das einzige, das man Verhaag als Versuch zugestehen kann, die Gegenseite anzuhören. Ansonsten beschränken sich die Auftritte von Anhängern der neuen Techniken auf kurze YouTube-Ausschnitte, die anschließend auseinandergenommen werden.

Ein persönlicher Feldzug gegen die Gentechnik
Nein, um eine vorsichtige und unvoreingenommene Auseinandersetzung mit dem Thema geht es in Code of Survival nicht. Das machen allein schon Verhaags Kommentare aus dem Off klar, die ohne Vorbehalte persönliche Elemente enthalten und nicht einmal ansatzweise versuchen, eine kritische Distanz zu bewahren. Das ist zusammen mit dem eher predigenden Ton manchmal etwas anstrengend. Wer sich einfach nur über das Thema informieren, anhand von Pro- und Contra-Argumenten ein eigenes Bild machen möchte, der sitzt bei diesem einseitig erzählten Glaubenskrieg im falschen Film – wie schon der etwas reißerische Untertitel Die Geschichte vom Ende der Gentechnik zeigt.

Spannend ist Code of Survival aber durchaus. Sobald sich Verhaag von seinem persönlichen Kreuzzug verabschiedet und sich den Alternativen zuwendet, gibt es interessante Einblicke in die Zukunft und die Vergangenheit. Letztere betrifft vor allem einen Bio-Bauer in Bayern, der bei seiner Schweinezucht auf natürliche Futtermittel setzte und damit – so grotesk es auch klingt – Neuland betrieb. Heute hat sich das natürlich ein Stück weit geändert, ein langsam wieder erwachendes Bewusstsein spielt sowohl dem Landwirt wie auch Verhaag in die Karten. Immer mehr Menschen sind bereit, für natürliches und qualitativ hochwertiges Fleisch auch mehr zu zahlen. Dass der Fleischanbieter selbst vegan lebt, sorgt zudem für einen kleinen Schmunzler zwischendurch.

Das Leben in der Wüste
Wirklich beeindruckend ist dafür ein Projekt in Ägypten, welches versucht, Teile der Wüste wieder landschaftlich nutzbar zu machen. Wind und Wetter trotzend, sowohl Grundwasser wie Sonnenenergie nutzend, gibt Code of Survival hier einen Einblick, was in Zukunft wirklich möglich sein könnte, auch ohne die Chemiekeule zu schwingen. Dass die Beiträge zu den drei Unternehmen – das dritte betrifft einen Teeanbau in Indien – im Grunde nicht viel mehr als Imagefilme sind, ist ein bisschen schade, liegt aber in der Natur der Dinge. Ein bisschen mehr Mut, auch bei der Inszenierung, wären insgesamt nicht verkehrt gewesen. Aber auch so schafft es der Dokumentarfilm, ein wichtiges Thema wieder präsenter zu machen und eine Diskussion anzustoßen, wie und wo wir in Zukunft unsere Nahrung beziehen wollen.

Code of Survival – Die Geschichte vom Ende der Gentechnik
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Code of Survival – Die Geschichte vom Ende der Gentechnik
Eine unabhängige Auseinandersetzung mit dem Pro und Contra von genveränderter Nahrung ist „Code of Survival“ sicher nicht, vielmehr ist der Dokumentarfilm ein ebenso leidenschaftliches wie einseitiges Plädoyer für natürliche Alternativen in der Landwirtschaft. Interessant wird das bei den drei porträtierten Unternehmen, die bei ihrer Suche nach Möglichkeiten traditionelle wie ungewöhnliche Wege beschreiten.
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