(„Una“ directed by Benedict Andrews, 2017)

Una und Ray

„Una und Ray“ läuft ab 30. März 2017 im Kino

In ihrer Kindheit hatte die 13-Jährige Una (Rooney Mara) ein Verhältnis zum deutlich älteren Nachbarn Ray (Ben Mendelsohn). Aus der Affäre wurde Liebe, und schließlich wollten die beiden zusammen durchbrennen. Doch kurz bevor sie ihren Plan in die Tat umsetzen, kommt es zu einem Vorfall, der für beide eine Welt zusammenbrechen lässt. Schließlich wird Ray verhaftet und muss für eine längere Zeit ins Gefängnis. Mehr als ein Jahrzehnt später: Una wohnt immer noch in ihrem Elternhaus und ist auch heute noch von der damaligen Situation gezeichnet, denn so richtig konnte sie mit all dem nie abschließen. Als sie die Adresse von Rays neuer Arbeitsstelle erfährt, beschließt sie ihm einen Besuch abzustatten und mit der Vergangenheit zu konfrontieren – und um endlich das klärende Gespräch zu führen, das den beiden immer verwehrt blieb.

Eine durchaus schwierige Thematik, der sich Una und Ray jedoch mit einer gehörigen Portion Respekt und in einem langsamen Tempo nähert. Die ersten Minuten verstreichen beinahe wortlos, werden immer wieder von außerordentlich lauter Musik unterlegt und sind mit radikalen Schnitten durchzogen. Dem Zuschauer wird auf diese Art und Weise eine eigentlich normale Welt verfremdet, sodass er nachvollziehen kann, wie fehl am Platz sich Una in ihrer Umgebung fühlt. Doch genau dieses Nachvollziehen und Hineinversetzten in die Figuren, was zu Beginn noch so gut klappt, wird im weiteren Verlauf das größte Problem des Films.

Zwei Protagonisten als rätselhafte Fremde
Denn gerade die beiden Hauptcharaktere, die den Film tragen und den Zuschauer durch diesen führen sollen, bleiben für eben diesen ein verschlossenes Buch. Trotz vieler Dialoge erfährt man kaum etwas über das Innenleben der Protagonisten. Einblicke in ihre Gefühlswelt geben sie einem nur selten, ihre Absichten und Motivationen behalten sie gleich ganz für sich. Die beiden schließen den Zuschauer aus und bleiben für ihn Fremde. Dies macht es schwer ihr Handeln nachzuvollziehen und es zu verstehen. Dahingehend sind auch die vielen Rückblenden nur bedingt von Nutzen. Sie helfen zwar zu verstehen, was in der Vergangenheit genau passiert ist, allerdings fehlt ihnen der Bezug zur Gegenwart, weshalb sie auch das Verhalten der Protagonisten nicht erklären können.

Nichtsdestotrotz ist Una und Ray unter dem Strich ein durchaus gelungenes Drama geworden. Dies liegt zum einen an der Performance, die sowohl Rooney Mara als auch Ben Mendelsohn zeigen. Beide geben ihren Figuren eine gewisse Verletzlichkeit und drücken vor allem deren Unsicherheit mehr als überzeugend aus. Zum anderen aber auch an dem beklemmenden und belastenden Gefühl, dass beim Zuschauer aufkommt. Und Benedict Andrews schafft dies gänzlich ohne schockierende Bilder oder dergleichen, sondern einzig und allein mit der Art und Weise, wie er die Geschichte erzählt und seine Protagonisten agieren lässt. Dies erinnert manchmal ein wenig an Thomas Vinterbergs großartigen Film Die Jagd, bei dem es für den Zuschauer auch stellenweise schwer war, das auf der Leinwand Gesehene zu verarbeiten. Durch das nüchterne Szenenbild wird der Fokus dann auch noch einmal zusätzlich auf die beiden Hauptcharaktere gelenkt. Dieser größtenteils beschränkte Schauplatz und die relativ kurze Zeit, in der der Film spielt, sind aber auch der Vorlage geschuldet, denn Una und Ray basiert auf David Harrowers Theaterstück Blackbird.

Una und Ray
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Una und Ray
"Una und Ray" behandelt ein heikles Thema auf eine überzeugende Art und Weise und verfügt über zwei starke Hauptdarsteller. Einzig die Verschlossenheit der Figuren wird ihm ein wenig zum Verhängnis.
7von 10

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