(„Girls und Panzer – Der Film“ directed by Tsutomu Mizushima, 2015)

„Girls und Panzer – Der Film“ erscheint am 13. März 2017 auf DVD und Blu-ray

So haben sich das die Schülerinnen der Ōarai-Highschool aber nicht vorgestellt. Da haben sie so hart daran gearbeitet, die Schulmeisterschaft im Panzerkampf zu gewinnen, in dem Glauben, dass ihre Schule daraufhin erhalten bleibt. Das japanische Bildungsministerium hatte aber gar nicht vor, sich an die mündlich getroffene Abmachung zu halten. Und so stehen die Mädchen plötzlich vor dem Nichts, haben kein Zuhause mehr, keine Zukunft. Nur einen Lichtblick gibt es noch für sie: Ōarai-Schülerpräsidentin Anzu hat ausgehandelt, dass die Mädchenschule doch weitergeführt wird, wenn das Panzerteam gegen das der Shimada-Universität standhält. Einfach wird das nicht. Umso mehr, da sie nicht nur gegen Panzer, sondern auch unfaire Regeln zu kämpfen haben. Doch zum Glück sind sie nicht allein.

Eines muss man den Leuten hinter Girls und Panzer ja lassen: Es ist bemerkenswert, wie viel Material sie seit der Serie 2012 herausgebracht haben, ohne die Geschichte auch nur im Geringsten voranzutreiben. Erst plauderten sie in der OVA Collection ein bisschen aus dem Alltag abseits des Kampffeldes, dann stellten sie einen bereits aus der Serie bekannten Kampf in This Is the Real Anzio Battle! ein zweites Mal nach. Und nun der Film. Der spielt einige Zeit nach dem Original, wäre also dazu prädestiniert, den nächsten Schritt einzuleiten. Darauf hatte man aber offensichtlich wenig Lust und machte einfach das Ergebnis der Serie rückgängig: „Zählt nicht!“ Die Mädels erneut durch einen Kampf das Schicksal ihrer Schule entscheiden zu lassen, das ist schon recht faul, wenn nicht gar ein wenig Betrug. Der Popularität hat diesen keinen Abbruch getan. Im Gegenteil: Die Großversion des Überraschungshits entpuppte sich als ebenso großer Erfolg an den japanischen Kinokassen.

Und Spaß macht Girls und Panzer – Der Film ja auch, mehr sogar als die Serie. Das liegt zum einen an der aufgemotzten Optik. Den ganz großen Hinkucker hat das übliche Studio Actas auch in der Leinwandvariante nicht abgeliefert. Aber sie haben sich nach so manchem scheußlichen Anfang doch einem Niveau angenähert, das man sich durchaus ansehen kann. Noch immer ist der starke Einsatz von Computern manchmal irritierend, von einigen holprigen Momenten einmal abgesehen, klappt die Integration der beiden Darstellungsformen 2D und 3D aber besser. Zudem erlaubt die Technik aus dem Rechner einige recht dynamische Aufnahmen während der Kämpfe, etwa beim Wechsel in eine Egoperspektive und rasanten Fahrten durch den Wettkampfort.

Der zweite Punkt, der Film und Serie unterscheidet, ist der Fokus eben auf diese Kämpfe. Schon This Is the Real Anzio Battle! reduzierte den einst so prominenten Anteil von Humor- und Kleinmädchenelementen, um stattdessen ein bisschen Schlachtstrategie zu pflegen. Girls und Panzer – Der Film geht da noch eine ganze Ecke weiter. Ganz auf die komischen Szenen muss man nicht verzichten: Wenn Schülerinnen Tee schlürfen, während sie in fetten Monstern unterwegs sind und sich Geschosse um die Ohren hauen, dann ist das natürlich nicht frei von Absurdität. Und natürlich ist auch während der Kämpfe so einiges völlig überzogen, trotz der erstaunlich realistisch gehaltenen Panzer, die sich im Gegensatz zu so manchem Animegefährt an die Gesetze der Schwerkraft halten. Aber zumindest hier gab man sich Mühe, dem Zuschauer etwas zu bieten. Und man gab sich die Zeit: Zwei Stunden dauert das Werk, mindestens zwei Drittel davon bestehen aus zwei Gefechten. Eine Menge Holz. Und Stahl.

Spannend ist das überraschend ausufernde Kämpfen nur bedingt, da es eigentlich um nichts geht. Verletzt werden kann keiner, dass Ōarai am Ende siegreich sein muss, damit das Franchise fortgesetzt werden kann, ist ebenso klar. Das Ergebnis steht also fest. Der Weg dorthin ist jedoch völlig offen und führt auch an so manch unerwartetem Stopp vorbei. Das wird teilweise so herrlich bescheuert, dass man auch als Nicht-Fan der Vorlage und Neueinsteiger hier seinen Spaß haben kann. Man sollte sich nur nicht an kulleräugigen Protagonistinnen stören. Denn von denen gibt es hier eine ganze Menge. Ohne Vorkenntnisse wird man die aufgrund der nichtssagenden Designs und fehlenden Persönlichkeiten auch kaum auseinanderhalten können, da der Film nicht mal ansatzweise versucht, die Charaktere vorzustellen oder ihnen ein Profil zu geben. Aber selbst wer die Mädels zuvor schon gesehen hat, wird zum Ende hin seine Probleme haben, im Getümmel den Überblick zu behalten. Von solchen Erwartungen sollte man sich im Vorfeld also verabschieden, solche an jegliche Form von Anspruch ohnehin: Girls und Panzer – Der Film ist belanglos, ein bisschen dümmlich, aber doch auch irgendwo spaßig in seiner befremdlichen Mischung aus Anime-Schulklischees und Kriegsmaschinerie. Kein Stoff, um Geschichte zu schreiben, aber doch genug, um zwei leere Stunden zu füllen.

Girls und Panzer – Der Film
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Girls und Panzer – Der Film
„Girls und Panzer – Der Film“ versucht nicht, aus der Prämisse der Serie etwas Neues zu machen. Stattdessen konzentriert sich der Film auf seine Kämpfe, die zwar nicht besonders spannend sind, aber doch aufgrund diverser komischer Einfälle zumindest recht spaßige Unterhaltung für zwischendurch.
6von 10

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