(„Offline – Das Leben ist kein Bonuslevel“ directed by Florian Schnell, 2016)

Für Jan (Moritz Jahn) gibt es eigentlich nur eins im Leben: „Schlacht um Utgard“. Jede freie Minute verbringt er mit dem Online-Rollenspiel, da wird auch schon mal die Nacht zum Tag gemacht. Bis zu jenem Tag, als sein Computer gehackt und seine Figur von dem mysteriösen Loki (Hannes Wegener) gestohlen wird. Und das ausgerechnet kurz vor Ragnarök, einem bedeutenden Online-Wettbewerb! Nachdem die Polizei keine echte Hilfe darstellt, beschließt der 17-Jährige selbst da draußen für Recht und Ordnung zu sorgen und begegnet während seiner Odyssee bald der Leidensgenossin Karo (Mala Emde), die wie er Opfer eines Identitätsdiebstahls wurde.

In einer Zeit, in der Menschen zunehmend ihr Leben in die Virtualität verlegen, ist es kein Wunder, dass Filme nachziehen, mal auf komische (Voll abgezockt), mal auf dramatische (LenaLove) vor den Folgen eines Identitätsdiebstahls warnen. Offline – Das Leben ist kein Bonuslevel tut das auch. Gewissermaßen. Anders als bei den Kollegen ist es hier jedoch keine reale Identität, die geraubt wird, sondern eine virtuelle. „Und wenn schon“, wird manch einer da denken und mit den Schultern zucken. „Ist doch bloß ein Spiel.“ Eben nicht. Nicht für Jan, der sich komplett mit seiner Figur identifiziert, der nur im Rahmen der Computerwunderwelt jemand sein kann.

Das erinnert ein wenig an Labyrinth der Monster, in dem Tom Hanks 1982 einen Live-Rollenspieler mimte, der nicht mehr die Realität und sein Hobby voneinander trennen konnte. Im Gegensatz zum TV-Film seinerzeit begegnet Regisseur und Co-Autor Florian Schnell diesem Wirklichkeitsverlust aber mit viel Humor. Wenn Jan beispielsweise eine hübsche Mitschülerin trifft und er im Kopf zwischen verschiedenen Antworten abwägt, dann ist auch das Computerspielen entnommen – inklusive eines netten kleinen Zitats. An einer anderen Stelle wird der Grad seines Energiehaushaltes mit einer aus digitalen Welten bekannten Leiste angezeigt. Und auch bei den Begegnungen unterwegs ist das alles nicht ganz ernst gemeint, Figuren wie Loki oder der Sixpack-Waldschrat Ben (David Schütter) sind nicht mehr als Karikaturen. Sollen auch nicht mehr sein.

Das soll jedoch nicht bedeuten, dass der deutsche Filmemacher seine Protagonisten – und damit Gamer allgemein – nicht ernst nehmen würde. Vielmehr begegnet er ihnen trotz der kleinen Spötteleien und ironischen Seitenhiebe mit viel Verständnis. Denn im Grunde ist Offline – Das Leben ist kein Bonuslevel nur dem Äußeren nach ein Film über Computerspiele. Dahinter schlägt das Herz einer klassischen Coming-of-Age-Geschichte: Eben weil das Heldenduo aus der virtuellen Welt gerissen wird und sich mit der Realität auseinandersetzen muss, mit sich selbst, mit eigenen Unsicherheiten, mit dem anderen, kommen sie dabei an Entwicklungsraststellen vorbei, die man in den meisten Leben findet.

Richtig originell ist der Film dann auch nicht, trotz der originellen Verpackung, wirkliche Überraschungen bleiben hier aus. Große Bemühungen, aus den Spielern mehr zu machen, ihnen eine richtige Individualität zu verleihen, fehlen ebenfalls. Sympathisch ist die Cyber-Komödie-Selbstsuche aber durchaus, auch weil hier offensichtlich mit nur wenig Geld, dafür umso mehr Spaß an der Sache an die Arbeit gegangen wurde. Und so begleitet man die zwei etwas anderen Abenteurer gern ein Stück während ihrer Reise, selbst wenn diese für sich genommen gar nicht so furchtbar aufregend ist.

Offline – Das Leben ist kein Bonuslevel
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Offline – Das Leben ist kein Bonuslevel
Zwei Gamer müssen auf eine reale Reise, um eine virtuelle antreten zu können: Das hört sich verschrobener an, als es ist. Vielmehr ist „Offline“ eine klassische Coming-of-Age-Geschichte, die originell verpackt und mit viel Humor altbekannte Haltestellen auf dem Weg ins Erwachsenenalter abklappert.
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