Der Agatha Christie Code
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Der Agatha Christie Code

(„The Agatha Christie Code“ directed by Ben Warwick, 2005)

Mehr als zwei Milliarden Mal sollen ihre Bücher verkauft worden sein, womit sie nach der Bibel und Shakespeare Platz drei der ewigen Hitliste belegt, in über hundert Sprachen wurde sie übersetzt, der Roman „Und dann gab’s keines mehr“ ist mit über 100 Millionen abgesetzten Exemplaren der erfolgreichste Krimi aller Zeiten, das Theaterstück „Die Mausefalle“ läuft seit 1952 ununterbrochen – an Rekorden mangelte es im Leben von Agatha Christie kaum. Und das obwohl die literarischen Fähigkeiten der englischen Autorin eigentlich überschaubar waren. Die braucht es natürlich in dem Genre meist auch nicht. Was aber war es dann, was Christie von ebenfalls erfolgreichen Kollegen wie Arthur Conan Doyle unterschied und ihr den Titel „Queen of Crime“ einbrachte?

Eine wirkliche Antwort weiß auch Ben Warwick nicht, obwohl der Regisseur in Der Agatha Christie Code die neueste Technik zur Hilfe nahm. Es ist ein etwas eigenwilliger Dokumentarfilm, den er da für das englische Fernsehen abgeliefert hat. Der eine Teil besteht aus den üblichen nachgestellten Szenen eines langen Lebens, kleinen Anekdoten, die erzählen, wie die 1890 unter dem Namen Agatha Miller geborene Engländerin eigentlich zum Schreiben kam. In Windeseile – es stehen nun mal nur 50 Minuten zur Verfügung – werden die wichtigsten Etappen abgehandelt: ihre Kindheit, die unglückliche Ehe, das legendäre zehntägige Verschwinden, welches in Das Geheimnis der Agatha Christie fiktionalisiert wurde, die Erfahrungen als Mutter, ihre deutlich harmonischere zweite Ehe.

Allein schon des begrenzten Raumes wegen dürften hier nur wenige wirklich Neues erfahren. Aber auch die notorische Geheimniskrämerei Christies, die selbst in ihrer Autobiografie vor zu Persönlichem zurückschreckte, macht die Aufgabe, das Leben der Autorin wiedergeben zu wollen, zu einer mindestens schwierigen. Spannender ist da schon der Versuch, das Geheimnis ihres Erfolges ergründen zu wollen. Zu diesem Zweck wurde untersucht, welche Gemeinsamkeiten es bei ihren Büchern gibt, ob da tatsächlich in den 66 Kriminalromanen ein Code versteckt ist, der die besondere Anziehungskraft derselben ausmacht. Bei ihren Untersuchungen stoßen die diversen Forscher tatsächlich auf sprachliche Auffälligkeiten, die wiederum als Anlass für diverse Spekulationen dienen.

Ganz befriedigend ist der Ansatz jedoch nicht, da allein die Wahl der Worte, losgelöst vom jeweiligen Plot, kaum die Faszination und Sogwirkung von Klassikern wie Das Böse unter der Sonne oder Mord im Orient-Express erklären kann. Und dass die Sprache von Agatha Christie eher simpel gehalten war, für diese Erkenntnis braucht es keine Experten. Wer sich von der Dokumentation daher den tatsächlichen Code erhofft, wie man ein erfolgreiches Buch schreibt, der findet nur kleinere Randnotizen. Kuriositäten, die interessant anzuhören sind, am Ende dann aber doch an der Oberfläche bleiben. Für Fans ist es dennoch eine schöne Sache, dass die TV-Produktion mehr als zehn Jahre später ihren Weg hierher findet, und das sogar in zwei Versionen: der seinerzeit im deutschen Fernsehen ausgestrahlten Fassung sowie einer etwas längeren englischen. Zudem gibt es ein paar Interviews und Zitate, darunter von David Suchet, der mit seiner Fernseh-Adaption des belgischen Meisterdetektivs Hercule Poirot selbst Fernsehgeschichte schrieb.



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Was ist das Geheimnis hinter dem immensen Erfolg von Agatha Christie? Die Mischung aus biografischen, wissenschaftlichen und spekulativen Elementen findet darauf zwar keine Antwort, allein schon des begrenzten Platzes wegen, wählt aber einen zumindest in der Theorie nach interessanten Ansatz.