(„Agatha“ directed by Michael Apted, 1979)

Das Geheimnis der Agatha ChristieSchlimm genug, dass ihr Mann Archibald Christie (Timothy Dalton) eine Affäre hat, nein, er verlangt auch noch die Scheidung. Alle Versuche von Agatha (Vanessa Redgrave), ihn umzustimmen, scheitern. Vor den Trümmern ihrer Ehe stehend, schnappt sich die bekannte Krimiautorin nachts ihre Sachen, mit dem Ziel wegzufahren, lenkt dabei ihren Wagen jedoch gegen einen Baum und verschwindet daraufhin. Während Polizei und Bevölkerung fieberhaft nach der vermissten Schriftstellerin suchen, spürt der amerikanische Jounalist Wally Stanton (Dustin Hoffman) Agatha in einem Kurort auf, wo sie sich unter falschem Namen einquartiert hat und einen ganz eigenen Plan verfolgt.

Ob sie nun ihren exzentrischen Detektiv Herucle Poirot auf Verbrecherjagd schickte, die Altjungfer Miss Marple einen Mord aufklären ließ oder mit dem Roman „Und dann gab’s keines mehr“ bzw. dem Theaterstück „Die Mausefalle“ Rekorde brach, Agatha Christie gehörte zu den produktivsten wie erfolgreichsten Autoren von Kriminalgeschichten überhaupt. Doch auch sie selbst war einmal Teil mysteriöser Ereignisse: Am 3. Dezember 1926, Christie hatte zu dem Zeitpunkt bereits sechs Romane veröffentlicht, verschwand sie spurlos, tauchte erst am 14. Dezember wieder auf. Was sie während dieser Zeit getan hat, wurde nie geklärt, auch nicht weshalb sie sich unter falschem Namen im Hotel eingetragen hatte. Offiziell lautete die Begründung Gedächtnisschwund, in ihrer Autobiografie schwieg sich die Autorin über besagten Zeitraum aus.

Das Geheimnis der Agatha Christie nahm 1979 – drei Jahre nach dem Tod Christies – die realen Eckpunkte dieser Geschichte und spekulierte schamlos darauf los, was sich während dieser Zeit zugetragen hat. So schamlos, dass die Erben der Schriftstellerin sich über die Missachtung der Privatsphäre lautstark empörten. Nachvollziehbar ist das, denn nicht nur schlachtet der Film die tatsächlichen Eheprobleme der Christies aus, es wird auch noch eine eigene Krimihandlung drumherum gesponnen, die Autorin mit ihren eigenen Figuren gleichgesetzt. Ob das notwendig gewesen wäre, darüber darf gestritten werden, zumal die Spannung trotz einer dramatischen Musik eher gering ist. Zumindest aber entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass der Film an der Stelle ebenso sehr mit unglaubwürdigen Zufällen arbeitet wie viele von Christies Bücher.

Deutlich interessanter ist ohnehin der dramatische, stärker personenbezogene Teil. Vor allem Vanessa Redgrave liefert eine wunderbare Leistung als geistige hellwache, jedoch psychisch angeknackste Autorin ab. Dustin Hoffmans Rolle ist da etwas weniger beeindruckend, überrascht aber zumindest dadurch, dass der Schauspieler ungewohnt dominant auftritt. Dennoch sind die romantischen Anflüge zwischen der nervösen Schriftstellerin und des unterkühlten Journalisten nicht so ganz überzeugend, von den langsam sich entwickelnden Gefühlen – so zumindest die Behauptung – ist hier nur wenig zu sehen. Dafür bekommt das Auge aber in anderer Hinsicht eine Menge geboten: Die Kulissen und Kostüme wurden sehr schön der damaligen Zeit nachempfunden, für Letztere gab es auch eine Oscarnominierung.

Den einen oder anderen Grund gibt es also, sich Das Geheimnis der Agatha Christie einmal anzusehen, gerade auch für Fans von Vanessa Redgrave und/oder Agatha Christie. Ein Pflichtfilm ist das fiktive Biopic jedoch nicht – für eine echte Geschichtsstunde wurde zu viel erfunden, als Krimi ist er zu schwach auf der Brust, für eine Romanze ebenso.

Das Geheimnis der Agatha Christie
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Das Geheimnis der Agatha Christie
„Das Geheimnis der Agatha Christie“ spekuliert über das noch immer ungeklärte Verschwinden der englischen Autorin 1926, vermischt dafür Biopic- mit Krimi- und Liebesfilmelementen. Das bietet insgesamt zwar von keinem genug, ist aber von Vanessa Redgrave wunderbar gespielt und gefällt durch tolle Kulissen und Kostüme.
6von 10

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