(„Gekijō-ban  Hunter x Hunter: The Last Mission“ directed by Keiichiro Kawaguchi, 2013)

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„Hunter x Hunter: The Last Mission“ ist seit 7. November auf DVD und Blu-ray erhältlich

Eigentlich waren Gon und Killua nur zur Arena gefahren, um ihren Freund Zushi anzufeuern, der dort am Battle Olympia Wettbewerb teilnimmt. Doch schon beim ersten Kampf wird klar, dass da etwas nicht stimmt: Mysteriöse, vermummte Männer haben die Arena unterlaufen. Doch es nicht der Wettbewerb an sich, der sie interessiert. Vielmehr handelt es sich um die Gruppierung der Schatten, welche mit der Hunter-Organisation, vor allem aber mit deren Vorsitzenden Isaac Netero, noch eine Rechnung offen haben.

Lange mussten Fans nicht auf einen zweiten Film warten: Wie schon 2013 in Japan dürfen auch hiesige Anime-Zuschauer wenige Monate nach Phantom Rouge erneut zusehen, wie die Hunter mit großen Bedrohungen fertigwerden. Was es mit diesen auf sich hat, verrät The Last Mission jedoch nicht. Wer nicht die Manga-Reihe von Yoshihiro Togashi oder die darauf basierenden Animeserien kennt, wird sich hier eventuell wundern, warum Kinder mit übermenschlichen Kräften durch die Gegend laufen und wer diese Menschen überhaupt sind.

Wobei: So richtig wichtig ist das eigentlich nicht, denn der Film versucht erst gar nicht, durch seinen Inhalt zu glänzen. Erzählte Phantom Rouge eine zumindest ungewöhnliche Geschichte, die oft auch in die Horrorrichtung ging und von entsprechenden Bildern begleitet wurde, haben Gon und Killua diesmal nur Kämpfe im Kopf. Die emotionale Komponente fehlt dadurch, sieht man einmal davon ab, dass später natürlich wieder stark der Aspekt der Treue und Freundschaft betont wird. Denn nur wenn alle zusammenhalten, kann das Gute gewinnen. Muss gewinnen, schließlich kann die vermeintliche Überlegenheit der bösen Kräfte es am Ende doch nicht mit der wahren Lehre aufnehmen.

Dass Letzteres so eintreffen wird, das sollte niemanden überraschen. Allgemein sind Zuschauer mit dem Bedürfnis nach großen Wendungen oder tiefsinnigen Erkenntnissen hier fehl am Platz. Zwar wird viel Aufhebens um eine dunkle Vorgeschichte gemacht, die irgendwie mit Netero zusammenhängt und die alle in einen tiefen Abgrund zu reißen droht. Die Auflösung wird jedoch maximal ein leichtes Schulterzucken provozieren, dafür hält sich The Last Mission einfach zu sehr an gängige Shōnen-Konventionen. Man hätte die Protagonisten einfach austauschen können, auf den Inhalt hätte das nur wenig Einfluss gehabt.

Sehenswert ist der Anime dann auch prinzipiell nur der schicken Actionszenen wegen. Das Traditionsstudio Madhouse (Redline, Devil May Cry) ließ sich wie schon beim ersten Teil nicht wirklich lumpen, schickt die Figuren regelmäßig in die Zweikämpfe, wo sie ihre besonderen Fähigkeiten an den Mann bringen dürfen. Oder auch ans Monster. Manche der Gegner haben nämlich wieder diese zum Bizarren neigende Horror-Ästhetik, wenngleich sie meist nur kurz zu sehen sind.

Allgemein setzt Regisseur Keiichiro Kawaguchi hier eher auf Masse den Klasse. Zwar werden die Waffen regelmäßig ausgepackt, oft aber schon wieder eingesteckt, noch bevor wir sie wirklich sehen konnten: Gerade die Auseinandersetzungen mit den Heerscharen an Widersachern fallen schon sehr kurz aus, die Zweikampfsituationen bekommen deutlich mehr Aufmerksamkeit als die Massenkeilereien. Das ist einerseits schade um die originellen Feinde, andererseits sind die eher langweilig designten Hunter zu dem Zeitpunkt eh schon mit derart großen Kräften gesegnet, dass da keine echte Spannung aufgetreten wäre. Auch deshalb ist The Last Mission im Vergleich zu Phantom Rouge der schwächere Film, man hat hier selten das Gefühl, dass es wirklich um etwas geht. Actionfans oder Liebhaber der Vorlage sollten sich davon aber nicht abhalten lassen: Der zweite Auftritt zeigt sich zwar gänzlich ohne Ambitionen, bietet aber solide, etwas altmodische Unterhaltung im modernen Gewand.

Hunter x Hunter: The Last Mission
4 (80%) 8 Artikel bewerten

Hunter x Hunter: The Last Mission
Der zweite Kinofilm zur beliebten Mangareihe richtet sich eindeutig an Fans: Die Figuren werden kaum erklärt, geben ebenso wie die von vielen Konventionen geprägte Geschichte nicht viel her. Dafür gibt es reichlich Actionszenen, die insgesamt auch schick inszeniert sind.
6von 10

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