(„Vampire Hunter D“ directed by Toyo Ashida, 1985)

vampire-hunter-dIm Jahr 12090 ist von der Menschheit kaum mehr etwas übriggeblieben, die Erde hat sich in einen kargen, lebensfeindlichen Ort verwandelt. Aber es ist nicht nur der Mangel an Ressourcen, der den in kleinen Dörfern zusammenlebenden Überbleibseln zu schaffen macht, Monster und Mutanten machen regelmäßig Jagd auf sie. Als Doris, Tochter eines verstorbenen Werwolfjägers, dem mehr als 10.000 Jahre alten Graf Magnus Lee begegnet, scheint ihr letztes Stündlein dann auch bereits geschlagen zu haben. Stattdessen begnügt sich der Adlige aber mit ein wenig Blut und plant die hübsche junge Frau zu seiner Braut zu machen. Hilfesuchend wendet sich Doris daraufhin an den Vampirjäger D: Er soll Lee töten, bevor sie selbst zu einem Vampir wird.

Auch wenn der Name heute nicht mehr so wahnsinnig vielen geläufig sein dürfte, der Autor Hideyuki Kikuchi (Wicked City, The Wind of Amnesia) war doch recht maßgeblich daran beteiligt, dass Animes in den 80ern und 90ern im Westen ein neues Publikum fanden. Ein Publikum, das düstere Szenarien schätzte, Monster und Gewalt. Und nackte Frauen natürlich. All das hat auch Vampire Hunter D zu bieten, welches auf dem ersten Teil einer inzwischen 30 Bände starken Romanreihe beruht und für viele, die seinerzeit erste Erfahrungen mit der japanischen Zeichentrickkunst sammelten, einen Kultklassiker darstellt. Das liegt zu einem Großteil klar an den Umständen, Zeichentrickfilme für Erwachsene waren auch damals eher die Ausnahme. Aber auch mit zeitlichem Abstand und der Pubertät längst entwachsen, wird man in dem Anime das eine oder andere interessante Detail entdecken.

Da wäre zum einen die Welt selbst. Nein, wie sie in einen so desolaten Zustand geraten konnte, das wird nicht erklärt, so wie einem Vampire Hunter D an vielen Stellen Antworten schuldig bleibt. Aber es ist schon eine reizvolle Mischung aus westerntypischen Endzeit-Wüsten, mittelalterlichen Schlössern, einem Horrorkabinett und Science-Fiction-Elementen, die einen hier begrüßt – ein Cyborg-Pferd bekommt man dann doch eher selten zu sehen.

Ohnehin sind es die seltsam gestalteten Einzelteile, viele gehen auf Designs von Yoshitaka Amano (Ayakashi: Samurai Horror Tales, Angel’s Egg) zurück, die dem Film Charakter und den typischer 80er-Jahre-Charme vverleihen. Die bizarrsten Monster laufen umher, der Wald sieht aus, als wäre er vom Mars importiert worden, dazu gibt es stimmungsvolle Musik, irgendwo zwischen Synthie und sakral. Dass die technische Seite nicht ganz so beglückend ist, stört nicht wirklich, man merkt der von den Animationsstudios Ashi Productions (GhoShogun – The Time Étranger) und Studio Live (Black Blood Brothers)  in Angriff genommenen Romanadaption schon an, dass sie eine nicht allzu üppig budgetierte Direct-to-Video-Produktion ist. Atmosphärisch jedoch, da kann man dem Anime kaum einen Vorwurf machen.

Die Erwartungen an den Inhalt sollten jedoch besser eher niedriger angesetzt sein. Regisseur Toyo Ashida machte seinerzeit auch keinen Hehl daraus, dass er von Arbeit und Lernen gestressten Zuschauern etwas Entspannung ermöglichen wollte. Sprich: Das Gehirn bekommt hier nur wenig zu tun, würde sich vermutlich sogar eher daran stören, wie wenig hier erklärt wird. Die eigenwilligen Alleingänge von Ds Hand etwa wird man ohne Kenntnis der Romane kaum einordnen können. Der eigentliche Ablauf hält dafür keine nennenswerten Stolpersteine parat: Ein mächtiger Jäger legt sich mit einem mächtigen Monster an, einige Schergen finden dabei einen grausigen Tod, dazwischen gibt es die obligatorische und knapp bekleidete Damsel in Distress. Mehr muss man nicht wissen, mehr sollte man nicht erwarten. Dass es hier Zwischenformen zwischen Vampiren und Menschen gibt, die mit ihrem Schicksal hadern, ist nett, kann mit heutigen Vampirdramen aber nicht mithalten. Dank der fremdartigen Stimmung und besagter Ausflüge ins Bizarre ist aber auch die Simpelvariante mehr als 30 Jahre später für die kommenden Halloween-Tage ein adäquater Begleiter.

Vampire Hunter D
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Vampire Hunter D
Der Ruhm von „Vampire Hunter D“ mag auf seine Gewalt- und Nacktszenen zurückzuführen sein, die man in den 80ern in Zeichentrickfilmen weniger kannte. Aber auch abgebrühte Zuschauer finden in der Adaption des Horrorromans interessante, fremdartige bis ausgesprochen bizarre Elemente, die den Anime heute noch auszeichnen.
6von 10

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