(„Steel“ directed by Sven J. Matten, 2014)

Steel

„Steel“ ist seit 22. Juli auf DVD erhältlich

Eigentlich hat der 29-jährige Daniel (Chad Connell) in seinem Leben nur wenig Grund zur Klage. Als Moderator seiner eigenen Talkshow bricht er Einschaltrekorde, er lebt in einer schönen Designerwohnung, dank seines guten Aussehens kann er sich vor Verehrern kaum retten. Verehrer wie der 11 Jahre jüngere Alexander (David Cameron), dessen Bekanntschaft er eines Abends in einem Club macht und der ihm seither hinterherläuft. Anfangs ist das dem überzeugten Single etwas unheimlich, doch nach und nach findet er Gefallen daran. Das größere Problem liegt ohnehin woanders: Seit kurzem leidet Daniel an unerklärlichen Panikattacken, die ihm privat, aber auch beruflich zu schaffen machen.

Erst einmal: Hut ab für den Versuch, bei Steel etwas tiefer in die seelischen Abgründe eintauchen zu wollen. Nicht dass es bei Filmen aus dem LGBT-Bereich an Dramen fehlen würde. Meistens beschäftigen sich diese aber mit schwierigen Coming-outs oder Liebesbeziehungen, wo sich jeder selbst im Weg steht. Hier sind es Panikattacken, die zum Thema gemacht werden und damit eine psychische Störung, die man in Filmen nicht ganz so oft findet. Dass sie zudem keinen unsicheren Außenseiterteenager betreffen, sondern einen blendend aussehenden Erfolgsmenschen, auch das muss man sich erst einmal trauen.

Anfangs sind diese Momente auch durchaus wirksam, wenn hier neben leicht veränderten Wahrnehmungen auch eine dröhnende Musik zum Einsatz kommt, die man eher in einem Psychothriller vermuten würde. Doch das alleine macht noch keinen guten Film. Und irgendwie scheint Sven J. Matten, der bei Steel Regie führte und am Drehbuch mitschrieb, anschließend auch das Thema abhanden zu kommen. Anstatt sich weiter konkret mit den Angstzuständen auseinanderzusetzen, rückt nun die aufkeimende Beziehung mit Alexander in den Vordergrund. Und die ist leider sehr viel weniger interessant.

Attraktiv sind die beiden, laufen in der zweiten Hälfte auch regelmäßig in enger Unterwäsche, wenn nicht gar nackt durch die Gegend. Die schwule Zielgruppe wird das vielleicht erfreuen, inhaltlich hat Steel nun aber recht wenig zu bieten. Die Dialoge sind dürftig, die Darstellerleistungen wenig überzeugend, man nimmt den beiden nie wirklich ab, dass sie ein tatsächliches Paar. Dass beispielsweise der sexuell offensive, gepiercte Waschbrettbauch-Jüngling Alex noch so gar nie mit jemanden im Bett gewesen sein will, das ist nicht allzu glaubwürdig. Zudem kratzt er mit seiner hyperaktiven Art, die ihn immer wieder wie ein kleines, verzogenes Kind erscheinen lässt, recht bald am Nervenkostüm.

Richtig enttäuschend wird es jedoch zum Ende hin, wenn beide Handlungsstränge – die Angstattacken und die Beziehung – zusammengeführt werden sollen. An der Stelle verliert Matten wirklich jedes Augenmaß dafür, was man dem Publikum zumuten sollte: Die Hintergrundgeschichte ist gnadenlos übertrieben, der vermeintliche Twist gleichzeitig vorhersehbar, lächerlich und völlig unnötig. Und das ist äußerst schade, das Ausgangsthema hätte mehr verdient als billige Theatralik, gepaart mit einer Seifenoper-Romanze in knappen Hosen. Was eine stimmige Auseinandersetzung mit inneren Dämonen hätte werden können, ist nun ein langweiliges bis ärgerliches Melodram.



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Steel
Ein Erfolgsmensch leidet an Angstattacken, das ist ein interessantes Thema, anfangs mit Thrilleranleihen auch stimmig umgesetzt. Später wird der Ansatz jedoch wieder fallengelassen, stattdessen gibt es viel Melodram, einen aufgesetzten Twist und nackte Haut.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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