(„Chaos on the Bridge“ directed by William Shatner, 2014)

Chaos on the Bridge

„Chaos on the Bridge“ ist seit 18. Juli auf DVD und Blu-ray erhältlich

Ob The Jungle Book oder Batman Vs. Superman: Dawn of Justice, von Elliot, der Drache über Ghostbusters bis Legend of Tarzan – dieses Jahr hat so viele Remakes und Reboots alter Filme gesehen, dass man manchmal schon mehrfach auf den Kalender schauen muss, um sich zu vergewissern, noch im Jahr 2016 zu sein. Dabei ist das Wiederaufwärmen alter Geschichten und Franchises keine neue Erfindung, rund 30 Jahre ist es her, dass die Kultserie Raumschiff Enterprise mit The Next Generation eine Neuauflage fand. Und wie das so ist mit bekannten Namen, die aus den Archiven gekramt und wiederbelebt werden, es kann eine Menge Ärger bedeuten. Tatsächlich war der Ärger hier so groß, dass man sich heute fragen muss, wie die Serie überhaupt zustande kommen und mehrere Staffeln überleben konnte.

Dass wir Antworten darauf bekommen, haben wir – mal wieder – William Shatner zu verdanken, der als erster Captain Kirk nicht nur bis an sein Lebensende an die Raumschiffabenteuer gebunden und deren Vorzeigegesicht ist, sondern auch exzellente Kontakte besitzt, die er immer wieder mal für Dokumentationen herbeiruft. Einer dieser heißt Chaos on the Bridge und ist ein einstündiger Film über die Entstehungsgeschichte der zweiten Serie, der 2014 für das kanadische Fernsehen entstand. Und wie der Titel schon sagt, Chaos war hier immer dabei.

Sehr viel Zeit wird dabei Gene Roddenberry gewidmet, der Raumschiff Enterprise seinerzeit ersann, auch bei The Next Generation eine wichtige Rolle spielte, dabei aber gleichzeitig Segen und Fluch war: Segen, weil es ohne seinen unermüdlichen Einsatz die Serie gar nicht gegeben hätte. Fluch, weil er so sehr an ihr festhielt, dass sie lange brauchte, um sich von ihm zu emanzipieren. „Unwatchable“ nennt Ronald D. Moore, einer der Autoren, die ersten beiden Staffeln sogar. Erst in den späteren, als man sich mehr auf die Charaktere fokussierte, wurden die Science-Fiction-Abenteuer interessant.

Dass hier so offen über Versäumnisse und Mängel gesprochen wird, das ist schon bemerkenswert. Aber allgemein nimmt bei Chaos on the Bridge keiner ein Blatt vor den Mund, gleich ob Produzent, Schauspieler oder Autor. Das ist oftmals informativ und unterhaltsam zugleich, selbst wer kein Star Trek-Anhänger ist hat angesichts der chaotischen Verhältnisse und aufeinanderprallenen Egos seinen Spaß hier, kann dabei zusätzlich noch etwas über die Arbeit in Fernsehstudios lernen.

Manchmal würde man sich noch ein bisschen mehr Tiefgang wünschen, eine Stunde Zeit ist für die vielen angeschnittenen Themen einfach nicht genug. Während man etwa über den Autorenverschließ recht viel erfährt, kommen die Schauspieler eher kurz. Es gibt ein paar witzige Anekdoten über Patrick Stewart, erfährt von aussteigenden Kolleginnen. Aber diese Momente sind schon vorbei, bevor sie richtig angefangen haben. Andererseits würde die mangelnde Abwechslung bei der Umsetzung dann vielleicht doch etwas störend hervorstechen: Von einigen comichaften Verdeutlichungen abgesehen besteht Chaos on the Bridge fast ausschließlich aus Kurz-Interviews, in anderen Worten Menschen, die in einem Sessel sitzen und sprechen. Ausschnitte aus der Serie gibt es beispielsweise kaum, auch sonst versuchte man nicht, das Rad neu zu erfinden. Braucht es aber auch nicht zwangsweise, die sowohl einzeln wie auch in der Box Unendliche Welten erhältliche Dokumentation hat so viel zu erzählen, dass das „wie“ keine so große Rolle mehr spielt.

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Chaos on the Bridge
Wie kam es eigentlich zu „Star Trek: The Next Generation“? Die Dokumentation „Chaos on the Bridge“ gibt einen ebenso informativen wie unterhaltsamen Einblick in die turbulente Entstehungsgeschichte der Serie. Die ist selbst für Nichtfans interessant, wenn auch manchmal mehr Tiefgang schön gewesen wäre.
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