(„The Producers“ directed by Mel Brooks, 1968)

Fruehling fuer HitlerGeld verdienen mit einem Flop? Ja, mehr noch, sogar richtig reich werden dadurch? Das hört sich absurd an. Aber auch sehr verführerisch, zumindest für Max Bialystock (Zero Mostel), dem als Produzent so gar nichts mehr gelingen will und der sich nur damit über Wasser hält, dass er ältere, gutgläubige Damen aufs Kreuz legt. Und so beschließt er dann, zusammen mit dem durchsetzungsschwachen Buchhalter Leopold Bloom (Gene Wilder) ein Musical auf die Beine zu stellen, das schon am ersten Tag abgesetzt wird und den beiden so einen enormen Geldsegen beschaffen soll. Und sie werden fündig: bei dem Ex-Nazi Franz Liebkind (Kenneth Mars), der Hitler in einem von ihm geschrieben Stück huldigt. Bei dem Regisseur Roger De Bris (Christopher Hewett), der noch jede Inszenierung in den Sand setzte. Und bei dem Hauptdarsteller L.S.D. (Dick Shawn), der nicht mal weiß, wo er da gerade vorspricht. Damit muss doch ein Flop zu schaffen sein, oder?

Ende der 60er hatte Mel Brooks schon den eine oder anderen beachtlichen Erfolg erreicht. Er war sowohl auf der Bühne wie auch als Gagschreiber begehrt, der von ihm erdachte Zeichentrickkurzfilm The Critic war mit einem Oscar belohnt worden, seine Agentenparodie-Serie Mini-Max kam bereits auf mehrere Staffeln. Als Regisseur kannte ihn hingegen noch niemand. Das sollte sich mit seinem Debüt The Producers – Frühling für Hitler schlagartig ändern: Zwar waren nicht alle Kritiker angetan, die Reaktionen schwankten zwischen Entsetzen angesichts der gezeigten Respektlosigkeit und Begeisterung, einen Oscar für das beste Drehbuch durfte er aber an sich nehmen. Vor allem aber machte er sich auf Anhieb einen Namen als jemand, der sich über alles und jeden lustig macht.

„Ich bin einer der wenigen Juden, die mit Hitler den einen oder anderen Dollar gemacht haben“, sagte Mel Brooks einmal. „Ich bin eben Komiker, und als solcher kenne ich keine Tabus.“ Und auch keine Grenzen, wen sein Spott trifft. Am prominentesten sind das hier natürlich Hitler und seine Anhänger, die gleich doppelt verspottet werden. Erst in der Form des Alt-Nazis Liebkind, dessen Bewunderung für den Führer so weit geht, dass er gar dessen Kleidungsstil im Vergleich zu Churchill hervorhebt, und der so gar nichts von der Welt da draußen versteht. Und danach, indem aus dessen Stück ohne aber dessen Wissen ein Broadwaymusical gemacht wurde, wie es lächerlicher nicht sein könnte.

Im Windschatten der Nazisatire bekommt aber auch jeder andere sein Fett weg, wer sich auch nur in die Nähe wagt. Ob es skrupellose, rein profitbezogene Produzenten sind, selbstverliebte, dabei völlig talentfreie Künstler oder auch versnobte Kritiker, in The Producers – Frühling für Hitler wird zeitgleich mit dem Nationalsozialismus der gesamte Broadwaybetrieb auseinandergenommen. Wie wenig ernst dessen Protagonisten genommen werden, zeigt sich auch an den Darstellern, die nicht vor Overacting zurückschrecken, sondern sich im Gegenteil genussvoll darin baden. Allein dafür lohnt sich der einst verhalten aufgenommene Film, Gene Wilder, der hier eine seiner ersten großen Rollen übernahm und später noch häufiger mit Brooks zusammenarbeiten sollte, war sogar jeweils für einen Oscar und einen Golden Globe nominiert.

Während es so immer wieder zu lustigen Szenen kommt, das leider erst sehr spät gezeigte Musical in seiner Absurdität sogar großartig ist, hält sich The Producers – Frühling für Hitler zwischenzeitlich immer wieder mit Banalitäten auf. Die satirische Schärfe, die Brooks in seinem Regiedebüt zeigt, sie macht dann kleinen Albernheiten Platz wie einer wild tanzenden Sekretärin, die nur aufgrund ihres Körpers eingestellt wurde. Das ist nett ja, aber doch reichlich harmlos. Trotzdem: Der Film zählt nicht ohne Grund zu den Klassikern des Komödienfachs und wurde Jahrzehnte später sogar zweifach wiederbelebt, einmal als enorm erfolgreiches Musical. Und dann wieder als Film, der auf eben jenem Musical beruht. Vor allem markierte das Nazi-Musical den Auftakt einer Filmkarriere, die uns in der Folgezeit mit weiteren parodistischen Kultfilmen wie Frankenstein Junior und Spaceballs beglückte.

The Producers – Frühling für Hitler
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The Producers – Frühling für Hitler
Mel Brooks’ seinerzeit umstrittenes Regiedebüt „The Producers – Frühling für Hitler“ nimmt gnadenlos sowohl den Broadwaybetrieb wie auch den Nationalsozialismus auseinander. Zwischendrin wird es zwar auch mal albern-banal, die völlig überzogenen Darstellungen und das grandios-groteske Musical erheitern aber bis heute.
7von 10

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