Einmal Mond und zurueck
© Paramount Pictures

Einmal Mond und zurück

(„Atrapa la bandera“ directed by Enrique Gato, 2015)

Einmal Mond und zurueck
„Einmal Mond und zurück“ läuft ab 9. Juni im Kino

Seit Jahren schon hängt in der Familie Goldwing der Haussegen schief, Großvater und Vater reden nicht mehr miteinander. Darunter leidet vor allem der 12-jährige Sohn Mike, der sich nichts sehnlicher wünscht, als die Streithähne wieder zusammenzubringen. Aber was er auch versucht, alles ist zum Scheitern verdammt. Da bietet sich erneut eine Gelegenheit: Eine Reise zum Mond soll beweisen, dass die Amerikaner seinerzeit wirklich dort gewesen ist. Und genau davon haben die Goldwings immer geträumt. Aber die Zeit drängt, denn der Multimilliardär Richard Carson bereitet selbst eine Expedition vor, um so den Mond für sich in Besitz nehmen zu können.

Animationsfilme aus Spanien? Da werden selbst versierte Zuschauer ein wenig nachdenken müssen, bis ihnen ein passender Titel einfällt. Ein Wunder ist das nicht. Während etwa zunehmend südamerikanische Vertreter wie Anina, Fußball oder Der Junge und die Welt ihren Weg hierher finden, ist der Süden Europas auffällig unauffällig. Selbst hoch gelobte Werke wie Wrinkles bleiben uns vorenthalten. Und wenn doch mal etwas in Deutschland erscheint, dann sind die nationalen Wurzeln kaum noch zu erkennen. Siehe aktuell Einmal Mond und zurück.

Schon Tad Stones, der erste ausgewachsene Animationsfilm von Enrique Gato, hätte mit seinen recht deutlichen Anleihen von Indiana Jones auch als US-Titel durchgehen können. Der neueste Film des Spaniers setzt dem noch einen drauf, indem er komplett in den USA spielt, mit US-Figuren bevölkert ist und von der sagenumwobenen Mondlandung handelt, was auch eher ein US-Thema ist. Dass Einmal Mond und zurück sogar zuerst Englisch synchronisiert und nachträglich ins Spanische übersetzt wurde, ja, das passt zum Bild. Aber auch das Konzept des Films wirkt so, als hätte sich da jemand ziemlich genau die bekannten Vorbilder angeschaut: Freundschaft, Mut, Familienzusammengehörigkeit – es sind traditionelle Werte, die hier propagiert werden. Der Kapitalismus hat hingegen keine Chance, moralisch nicht, und auch nicht, wenn es darum geht, wer hier am Ende gewinnt.

Nein, überraschend ist Einmal Mond und zurück eigentlich nie. Schon von der ersten Vorstellung der Figuren an dürfte nahezu jeder Zuschauer hier ziemlich genau wissen, wohin die Reise geht. Da gibt es actionreichen Humor, zum Ende hin ein kräftiger Druck auf die Tränendrüse, diverse Popkultuzitate und Anspielungen für die dabei sitzenden Eltern, und auch der obligatorische tierische Sidekick darf nicht fehlen. Dafür ist der hier tatsächlich auch sehr schön geworden. Nicht, weil Igor über ein so vorteilhaftes Aussehen verfügt – Leguane zählen nun einmal nicht zu den possierlichsten Vertretern der Fauna –, aber weil seine chaotischen, mit viel Technickschnickschnack versehenen Auftritte zu den Höhepunkten des Films zählen.

Allgemein ist Einmal Mond und zurück kein optisches Wunderwerk, dafür ist das Budget wie bei europäischen Produktionen üblich zu gering – wer „nur“ 12,5 Millionen Dollar zur Verfügung hat, kann natürlich nicht mit Disney, Pixar oder DreamWorks konkurrieren. Aber es ist ordentliche Arbeit, welche das Animationsstudio Lightbox Entertainment hier abliefert, so wie der Film allgemein nett und zielgruppengerecht ist. Dank des hohen Tempos und der schön bescheuerten Erfindungen von Marty, dem Nerd in Mikes abenteuerhungrigen Rasselbande, lässt sich hier ganz gut die Zeit überbrücken, bevor mit Ice Age – Kollision voraus und Pets dann doch wieder die üblichen Verdächtigen im Kino das Animationsszepter übernehmen.



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Der spanische Animationsfilm „Einmal Mond und zurück“ orientiert sich schon recht starken an bekannten US-Vorbildern. Das tut er jedoch ordentlich, die sehr klassische Geschichte um Freundschaft und Mondreisen ist nette Unterhaltung für ein jüngeres Publikum.
6
von 10