Gyo

Gyo – Der Tod aus dem Meer

(„Gyo Ugomeku Bukimi“ directed by Takayuki Hirao, 2012)

GyoEigentlich hätte der Ausflug ans Meer zu einem schönen gemeinsamen Urlaub werden sollen. Statt einer frischen Brise erwartet die drei Freundinnen Kaori, Erika und Aki aber ein unglaublicher Gestank: Irgendwas in dem Wochenendhaus riecht so, als wäre es schon mehrfach gestorben. Die größte Gefahr betrifft aber nicht die Nase, sondern Leib und Leben, wie das Trio bald feststellen muss, als es einen seltsamen mit Beinen versehenen Fisch durch das Haus flitzen sieht. Und es ist nicht die einzige Mutation, die dem Meer entstiegen ist, ganz Japan wird von grotesken, tödlichen Meeresbewohnern überrannt. Während Kaori zurück nach Tokio eilt, um ihren Freund zu suchen, sind die beiden anderen damit beschäftigt, die ständigen Angriffe zu überleben.

So ein Hai ist doch ein immer wieder gern gesehener Gast. Nicht unbedingt in natura, aber als Antagonist in einem zünftigen Horrorstreifen. Schließlich sieht der mit seinen Hunderten Zähnen schon so aus wie ein blutrünstiger Killer, ist uns dank seiner hohen Geschwindigkeit, die ihm ein urplötzliches Auftauchen aus der Tiefe erlaubt, auch hoffnungslos überlegen. Der weiße Hai soll es dann auch gewesen sein, der Junji Ito (Uzumaki, Tomie) zu seinem Manga „Gyo“ inspirierte. Mit dem Horror des bekannten Vorbilds hat zumindest die Anime-Adaption aber nur wenig gemeinsam, vielmehr ist der Film ein reines Trashwerk à la Sharknado oder Haie im Supermarkt.

Sowas kann durchaus Spaß machen, zumindest der Einstieg ist dank der bizarren Viecher auch wirklich unterhaltsam. Wo sonst sieht man Fische mit metallenen Beinen, die in riesigen Horden die Straßen entlang rennen? Wo sonst gibt es Haie, die durch Glasscheiben springen? Auch später finden sich immer mal wieder alptraumhaft-groteske Momente, einer der besten gegen Ende des Films. Potenzial gab es also. Nur wurde das kaum genutzt. Zwischen diesen vereinzelten Höhepunkten gibt es viel Leerlauf, die mit 70 Minuten nicht übermäßig üppige Laufzeit wird mit so vielen Wiederholungen und Klischees gefüllt, dass Gyo weder zum Fürchten, noch zum Lachen taugt, sondern in erster Linie zum Langweilen.

Schon die Rollen der drei Freundinnen könnten aus jedem beliebigen Teenie-Slasher stammen: Kaori ist die gute Heldin, der es als Final Girl bestimmt ist, den Alptraum zu überlegen. Erika ist die Sexhungrige, die für ihren lasterhaften Lebenswandel als erste bestraft wird. Aki ist die pummelige Brillenschlange, die keiner wirklich mag. Insgesamt wirkt Gyo dann auch so, als wären westliche und japanische Horrorfilme zusammengeführt worden, Ferienhaus-Massaker trifft auf Godzilla und den Toilettenschrecken eines Noboru Iguchi (Zombie Ass), plus ein bisschen Katastrophenfilm und nackte Haut. Viel Sinn ergibt das Ganze nicht, man versucht nicht einmal wirklich, die Meeresseuche erklären zu wollen – trotz der angedeuteten Ökobotschaft um die Zerstörung der Natur.

Auch optisch ist die Direct-to-Video-Produktion eher unbefriedigend. Während die Hintergründe eigentlich recht angenehm anzusehen sind und die Designs der Figuren ebenfalls passen, sind die Animationen oft dürftig. Noch dazu verwendet das Animationsstudio Ufotable (Tales of Symphonia, Yoyo & Nene) richtig hässliche CGI-Kreaturen, die so gar nicht in die Landschaft passen wollen. Trotz einiger bemerkenswerter Elemente ist Gyo – Der Tod aus dem Meer daher ein Film, der vielleicht ausschnittsweise Spaß macht und einige gelungene Elemente enthält, als Gesamtwerk aber eine ziemliche Zumutung darstellt.



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Fische mit metallenen Beine, die nach Tod stinken und Jagd auf Menschen machen? Das ist ein schön bizarrer Anblick, der einige Minuten Spaß macht. Für einen ganzen Film reicht das aber nicht, die Manga-Adaption ist inhaltlich wie optisch unbefriedigender Creature-Horror-Trash, der schnell langweilt.
3
von 10