(„El Club“ directed by Pablo Larraín, 2015)

El Club DVD

„El Club“ ist seit 15. April auf DVD erhältlich

Der Tagesablauf ist klar strukturiert, es gibt strenge Regeln, wann wer aus dem Haus darf. Ansonsten aber geht es den vier ehemaligen Priestern (Alfredo Castro, Alejandro Goic, Alejandro Sieveking, Jaime Vadell), die für ihre schweren Vergehen exkommuniziert wurden und nun unter der Aufsicht der früheren Ordensschwester (Antonia Zegers) zusammenleben nicht schlecht. Man singt zusammen, man isst, trinkt seinen Wein und verdient sich durch Hundewetten noch ein bisschen was dazu. Gestört wird dieses Idyll jedoch, als ein Neuzugang kurz nach seiner Ankunft Selbstmord begeht und daraufhin der kircheninterne Ermittler García (Marcelo Alonso) auftaucht – denn der will ganz genau wissen, was in diesem Haus so vor sich geht.

Nachdem Pablo Larraín in seinem letzten Film ¡No! einen etwas skurrileren Aspekt der chilenischen Diktatur auseinandernahm, wendet er sich in seinem neuesten Werk El Club einem sehr finsteren Thema seines Heimatlandes zu: das Verhalten der Kirche in Bezug auf Kindesmissbrauch. Das haben natürlich viele Kollegen aus aller Welt auch getan, sei es das belgische In the Name of the Son oder kürzlich der amerikanische Oscar-Gewinner Spotlight. In beiden Fällen standen jedoch Außenstehende im Mittelpunkt, Opfer oder Ermittler. In El Club kommen die nur am Rande vor, hier sind es die Kirchenvertreter selbst, die thematisiert werden. Und das ist im Ergebnis oft noch erschreckender.

Eigentlich, so scheint es zumindest, interessiert es nämlich niemanden so wirklich, was da eigentlich vorgefallen ist. Nach dem Motto „aus den Augen, aus dem Sinn“ reicht es der Kirche bereits, wenn ihre schwarzen Schäfchen keinen Skandal verursachen können, indem sie einfach etwas abgelegener leben. Und auch die Schäfchen selbst zeigen so keinerlei Anzeichen, dass ihnen ihre vergangenen Verbrechen leid täten oder sie diese überhaupt als Verbrechen wahrnehmen. Tatsächlich geht es in El Club so locker-unbefangen zu, dass man erst nach einer Weile überhaupt versteht, warum diese vier Männer überhaupt zusammenwohnen.

Sobald das jedoch klar gemacht wurde, gibt es nur eine Richtung: nach unten. Immer mehr Geheimnisse werden ausgegraben, immer mehr Details offenbart – was zum einen an Garcías Recherchen liegt, aber auch am ehemaligen Missbrauchsopfer Sandokan (Roberto Farías), der für viel Unruhe sorgt. El Club selbst bleibt dabei aber sehr ruhig, geradezu lethargisch, lässt begleitet von düsteren, wolkenverhangenen Küstenaufnahmen die Geschichten für sich selbst sprechen. Die sind teilweise so absurd, dass man meinen könnte, eine Satire vor sich zu haben, teilweise so erschreckend, als würde da ein Horrorfilm laufen. Auch wenn da streng genommen auf dem Bildschirm über lange Zeit nicht wirklich etwas passiert, verfehlt das Gezeigte seine Wirkung nicht, im Herzen des Zuschauers macht sich Entsetzen, wenn nicht gar Wut breit.

„Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis.“ Mit diesem Bibelzitat beginnt der Film, nur um anschließend jedes Licht von sich zu weisen. Allein García darf ein wenig Hoffnung und Anstand in den Laden bringen, ohne jedoch viel auszurichten, El Club ist ein desillusionierender Blick in die kleinen und großen Abgründe des Menschen. Sonderlich differenziert ist das nicht, die vier Ex-Geistlichen sind kaum voneinander zu unterscheiden, außerdem entwickelt sich die Geschichte zwischenzeitlich kaum noch weiter. Dennoch bleibt eine bemerkenswerte Auseinandersetzung mit einem schwierigen Thema, die sowohl in den leisen Momenten wie auch beim Finale wie ein heftiger Schlag in die Magengrube daherkommt.

El Club
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El Club
In „El Club“ kommen mal nicht die Missbrauchsopfer der katholischen Kirche zum Wort, sondern die kaum schuldbewussten Täter. Das ist recht ruhig, zwischenzeitlich auch etwas monoton, aber begleitet von düsteren Bildern ein oft erschreckender Blick in menschliche Abgründe.
7von 10

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