(„A Walk in the Woods“ directed by Ken Kwapis, 2015)

Picknick mit Baeren DVD

„Picknick mit Bären“ ist seit 26. Februar auf DVD und Blu-ray erhältlich

In seiner Jugend zog es ihn durch die ganze Welt. Darüber schrieb er Bücher und kein Tag glich dem anderen. Inzwischen ist der erfolgreiche Schriftsteller Bill Bryson (Robert Redford) sesshaft geworden und lebt, zusammen mit seiner Frau Catherine Bryson (Emma Thompson), in den USA. Seine Neugierde hat er aber bis heute nicht verloren und als er bei einem Spaziergang den Appalachen-Weg entdeckt, ist es um ihn geschehen. Mit neu entfachter Wanderlust macht er sich an die Planung seines vielleicht letzten Abenteuers – den mehr als 3000 km langen Pfad zu bezwingen. Sein Weggefährte: niemand anders als der Jugendfreund und Reisebegleiter aus vergangenen Tagen, Stephen Katz (Nick Nolte). Zwei alte Freunde, weit über ihrem Zenit, gegen eine schier unmögliche Aufgabe. Hinter versteckten Emotionen, neuen Herausforderungen und alten Problemen finden sich die beiden auf einer Reise zu sich selbst wieder.

Der auf dem gleichnamigen Bestseller basierende Film greift auf ein einfaches, aber effektives, Mittel zurück: die Buddy Komödie. Zwei Senioren, die es sich und allen anderen noch einmal beweisen wollen, allerdings viel zu alt und völlig außer Form sind, um dabei von ihrer Umgebung für voll genommen zu werden. Jedoch wird die ulkige Reise der beiden mit einem ernsten Hinterton gepaart. Jahrzehnte sind vergangen und jeder hat sein eigenes Päckchen zu tragen. Während Stephen seit Jahren gegen seine Alkoholsucht kämpft, lebt Bill in der Vergangenheit. Die zugegebenermaßen in die Jahre gekommenen Robert Redford (The Company You Keep) und Nick Nolte (New Yorker Geschichten) überzeugen hierbei durch ein sympathisches, aber ungleiches Duo. Letzterer hatte vor einigen Jahren selber noch unter Drogenproblemen zu leiden, und das sieht man ihm an. Er wirkt geplagt, geschunden, und dennoch spielt er die Rolle des Stephen mit einer Lebensfreude, an der sich viele ein Beispiel nehmen könnten. Dann wäre da noch Emma Thompson (Im Rausch der Sterne), die sorgende Ehefrau von Bill, welche in ihrer Nebenrolle eine solide und durchweg charismatische Darbietung gibt.

Die Cast alleine macht aber noch keinen Hit und so muss diese versuchte Ode an das Wandern besonders visuelle und nicht nur schauspielerische Anreize bieten können, um dem auch gerecht zu werden. Ken Kwapis löst diesen Zwist relativ geschickt, indem er dem Zuschauer immer wieder kurze Einblicke und Kamerafahrten der Appalachen zeigt. Untermalt wird das ganze mit der Musik von Künstlern, wie z.B. Lord Huron, der gleich mehrere Songs zum Film beigesteuert hat. In diesen wenigen Augenblicken erfährt man die eigentliche Schönheit der Umgebung. Diese beschränken sich jedoch auf ein Minimum, da einige der Waldszenarien im Studio gedreht wurden und somit die Illusion von reiner Natur im Keim erstickt wird. Es dominieren generische Waldwege und lieblose Zwischenstopps. Dennoch kommt, trotz der etwas mehr als 100 Minuten Spielfilmlänge, selten Langeweile auf und die Geschichten aus der Vergangenheit halten die Neugierde aufrecht, mehr über die Protagonisten erfahren zu wollen.

Im Großen und Ganzen macht Picknick mit Bären nicht viel falsch, aber auch nicht viel neu. Die Bestseller-Verfilmung konzentriert sich darauf, eine solide Buddy Komödie zu sein, mit ein wenig Tiefsinn. Das Erlebte ist unterhaltsam, aber auch nicht wirklich kreativ. Die musikalischen Darbietungen in Kombination mit den Panoramafahrten sind erwähnenswert, werden aber durch die Studio-Wald-Szenarien getrübt. Die Erlebnisse der beiden regen zum Schmunzeln an, und auch wenn sie sich selten einig sind, finden sie am Ende doch immer wieder zusammen. Der Film zeigt, dass Freundschaft etwas wertvolles ist, das man manchmal aus den Augen verliert, aber niemals vergisst.

Picknick mit Bären
4.5 (90%) 2 Artikel bewerten

Picknick mit Bären
Der Film zur Romanvorlage unterhält über seine gesamte Dauer. Dabei greift Ken Kwapis auf Altbewährtes zurück und vergisst dabei die Innovation im Wald. Das sympathische Darsteller Duo trägt den Film, der andernfalls und ohne seine prominente Vorlage wohl vom Radar verschwunden wäre.
6von 10

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