(„Zhì qu weihu shan“ directed by Tsui Hark, 2014)

Die letzte Schlacht am Tigerberg

„Die letzte Schlacht am Tigerberg“ ist seit 3. Dezember auf DVD, Blu-ray und 3D Blu-ray erhältlich

Nach der Kapitulation der Japaner ist China zwar wieder frei, zur Ruhe kommt die Bevölkerung aber dennoch nicht: Banditenbanden machen das Reich der Mitte unsicher. Besonders gefürchtet ist dabei die unter der Führung des Warlords Falke (Tony Leung Ka-fai), welche Dörfer plündert, Menschen mordet oder entführt. Eine kleine Truppe Männer der Volksbefreiungsarmee unter der Führung von Shao Jianbo (Gengxin Lin) will dem Treiben ein Ende bereiten. Doch das ist gar nicht so einfach, haben sich die Banditen doch am Tigerberg verschanzt. Erst als Yang Zirong (Hanyu Zhang) als Verstärkung hinzustößt und sich unter falschem Namen in die Bande einschleicht, bietet sich die Chance, die Verbrecher endlich aufzuhalten.

Wenn Tsui Hark, eine Ikone des Hongkong-Films, einen neuen Film ankündigt, darf man sich traditionell auf zwei Sachen freuen: große Bilder und Action satt. Zwischenzeitlich war der in Vietnam geborene Regisseur ja etwas in der Versenkung verschwunden, bevor er sich mit Flying Swords of Dragon Gate undDetective Dee und das Geheimnis der Phantomflammen eindrucksvoll zurückmeldete. Dieses Mal geht Hark nicht ganz so weit zurück in die Vergangenheit, historisch bleibt es aber dennoch. Genauer sollen der Geschichte sogar wahre Begebenheiten zugrunde liegen, die konkrete Vorlage bildete jedoch das Buch „Tracks in the Snowy Forest“ von Bo Qu, das Ende der 50er enorm populär war.

Ein bisschen altmodisch ist der Film dann auch, sowohl was die Handlung angeht wie auch die Figuren. Die Banditen sind böse, der Staat ist gut – mehr gibt es da nicht zu sagen, Die letzte Schlacht am Tigerberg erzählt davon, wie eine zahlenmäßig deutlich unterlegene Gruppe mit Witz und Mut den Gegner besiegt. Das freut die underdogliebende Seele, zumal dadurch auch dem Pathos Tür und Tor geöffnet wird. Die Gerechtigkeit darf siegen, der Rest spielt keine große Rolle. Die einzelnen Personen sind dann auch recht austauschbar, lediglich der genüsslich-böse Falke darf ein wenig aus der Masse hervorschauen.

Aber der „Star“ ist hier trotz einiger prominenter Darsteller ohnehin nicht unter den Schauspielern zu suchen, die Bilder sind es, die den Film auszeichnen. Farbenfrohe, mitunter vor Details strotzende Kostüme, weite Landschaften, die verschneiten Berge, kleine Dörfer – hier gibt es viel zu sehen. Bedauerlich ist dabei nur, dass Hark wie zuletzt auch bei Detective Dee und der Fluch des Seeungeheuers sein Team ein bisschen zu fasziniert mit den Rechnern spielen lässt. Freunde von 3D-Aufnahmen werden sich darüber vielleicht noch freuen, der Einsatz von CGI-Effekten ist aber schon sehr exzessiv. Das wird dem Film manchmal zum Verhängnis, etwa bei dem Angriff eines Tigers, der so deutlich unecht ist, dass die beabsichtigte Spannung auf sich warten lässt. Manchmal passt es aber auch, zum Beispiel, wenn wir einer Gewehrkugel bis zu ihrem Ziel folgen.

An vielen Stellen ist Die letzte Schlacht am Tigerberg nämlich stark überdreht. Nicht so weit, dass aus dem Schlachtenepos eine Komödie würde, aber doch zumindest, dass es einem schwerfällt, das Gezeigte wirklich ernst zu nehmen. Von dem großen Unglück ist hier kaum etwas zu spüren, stattdessen bietet der Film gut gelaunte und schick inszenierte Actionszenen. Sofern man seinen Anspruch an den Inhalt ein wenig weiter unten ansiedelt und leicht historische Abenteuerstreifen mag, wird man hier ansprechend unterhalten. Mit Harks vorangegangenen Filmen kann es die Buchadaption aber nicht aufnehmen, dafür sind die Geschichte und die Figuren dann doch zu schwach.

Die letzte Schlacht am Tigerberg
4.13 (82.5%) 24 Artikel bewerten

Die letzte Schlacht am Tigerberg
An Stelle von fantasievollen Martial-Arts-Zaubereien zeigt Tsui Harks neuester Film den Kampf gegen Banditen zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Das bedeutet dann auch diesmal viel Action und schöne Bilder, der starke Einsatz von CGI-Effekten stört jedoch, Geschichte und Figuren sind ziemlich schwach.
6von 10

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