(„Isshūkan Furenzu“ directed by Tarou Iwasaki, 2014)

One Week FriendsWollen wir Freunde sein?“ Lange hat Oberschüler Yūki Hase mit sich ringen müssen, bis er endlich den Mut aufbrachte, seine Klassenkameradin Kaori Fujimiya anzusprechen – nur um gleich einen Korb zu bekommen. Dabei ist es nicht einmal so, dass die Einzelgängerin keine Freunde haben will. Vielmehr spielt ihr Gedächtnis nicht mit: Pünktlich jeden Montag werden sämtliche schönen Erinnerungen in ihr gelöscht, wer mit ihr die vorherige Woche Freundschaft geschlossen hat, ist bereits vergessen. Und das ist nun mal keine besonders gute Voraussetzung, um jemandem näherzukommen. Yūki lässt sich davon jedoch nicht abschrecken, mithilfe eines Tagebuchs soll eine Freundschaft entstehen, die über eine Woche hinausgeht.

Gedächtnisschwund, das ist in Filmen meist dem Thrillergenre vorbehalten. Aber auch Alzheimerdramen stellen sich zunehmend der Frage: Was bedeutet das für mich, wenn ich mich an nichts erinnern kann? Nun ist der Manga „One Week Friends“ von Matcha Hazuki nicht übermäßig an Spannung interessiert, und die Protagonisten weit davon entfernt, das Demenzalter zu erreichen. Und das gilt dann auch für die Animeadaption des nur wenig bekannten Regisseurs Tarou Iwasaki, welche letztes Jahr im japanischen Fernsehen lief.

Auch der Mysteryteil – weshalb leidet Kaori überhaupt an dieser Gedächtnisschwäche? – spielt letztendlich keine große Rolle. Zum Schluss kommt das Thema noch mal auf, wohl auch um noch ein bisschen Dramatik mit ins Spiel zu bringen. Ein Großteil der zwölf Folgen ignoriert das originelle Szenario jedoch, One Week Friends hätte prinzipiell auch ohne dieses funktioniert. Nur an einer Stelle lässt die Serie wirklich aufhorchen, als die Frage aufgeworfen wird, inwiefern das Aufschreiben einer Erinnerung diese nicht nur festhält, sondern gleichzeitig auch manipuliert. Diese interessante Überlegung wird anschließend aber gleich wieder fallengelassen.

Stattdessen widmet sich der Anime den ersten vorsichtigen Annäherungen zweier Oberschüler und den sich langsam entwickelnden Gefühlen. Dabei wird glücklicherweise auf übertriebenes Drama verzichtet: Anders als etwa Black Rock Shooter oder Selector Infected WIXOSS, wo jedes Ereignis gleich zum Ende der Welt aufgebauscht wird, ist One Week Friends meistens angenehm zurückhaltend, vertraut darauf, dass die Zuschauer sich auch so in den Situationen wiederfinden werden. Diese sind dann auch schön authentisch gehalten, von den typischen Unsicherheiten des Teenageralters geprägt, von gelegentlichen Eifersüchteleien, von kleinen Erfolgen und Niederlagen.

Eine Vorliebe für ruhig erzählte Geschichten sollte man schon mitbringen, denn richtig viel passiert in dieser Coming-of-Age-Romanze nicht. Immerhin darf manchmal auch etwas gelacht werden, was vor allem auf die beiden Nebenfiguren und Schulkameraden zurückzuführen ist: Yūkis bester Freund Shōgo ist immer für einen sarkastischen Spruch zu haben, Schülerin Saki wirkt ständig so, als hätte sie gerade eine Packung Schlaftabletten verschluckt. Aber es sind nur kleine Tupfer im Alltag, die Serie ist weit von der Comedyausrichtung des thematisch ähnlichen Kare Kano entfernt.

Und auch visuell gab man sich hier viel minimalistischer als beim Kollegen: Die Figuren sind recht einfach gehalten und entsprechen gängigen Mädchenmanga-Vorlagen, viel Bewegung gibt es ohnehin nicht, auch der Computer kommt kaum zum Einsatz. Etwas eigenartig ist die ständige Überbelichtung und der Weichzeichneroptik, die das Animationsstudio Brain’s Base (Blood Lad, Durarara!!) verwendet. Beides verleiht der Serie zwar ein bisschen was Verträumtes, verdeckt aber unnötig die ansonsten oft schönen Hintergründe. Ansonsten macht die charmante und einfühlsame Serie wenig verkehrt, weshalb es schade ist, dass sie so wenig Beachtung fand – wer mit dem Thema etwas anfangen kann, sollte One Week Friends deshalb eine Chance geben.

One Week Friends
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One Week Friends
Kann man mit jemandem befreundet sein, an den man sich nicht erinnert? „One Week Friends“ nimmt ein ungewöhnliches Szenario, um eine recht klassische Coming-of-Age-Romanze zweier Schüler zu erzählen. Das ist nicht aufregend, aber authentisch erzählt und durchaus charmant.
7von 10

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