(„Kleine Ziege, sturer Bock“ directed by Johannes Fabrick, 2015)

Kleine Ziege sturer Bock

„Kleine Ziege, sturer Bock“ läuft ab 15. Oktober im Kino

Zwölf Jahre ist es her, dass sich Jakob (Wotan Wilke Möhring) und Julia (Julia Koschitz) kennengelernt, gestritten und gleich wieder getrennt haben. Seither haben sich die beiden völlig aus den Augen verloren: Während sie als Opern-Sängerin Karriere gemacht hat und in den oberen Kreisen daheim ist, kämpft Jakob sich von Job zu Job, um über die Runden zu kommen. In seinem neuesten soll er ein Schaf bis nach Norwegen karren. So richtig schwierig wird es jedoch erst, als er von der bislang verheimlichten gemeinsamen Tochter Mai (Sofia Bolotina) erfährt, die es sich in den Kopf gesetzt hat, ihn nach all den Jahren des Schweigens kennenzulernen und nun wohl oder übel auf dem Trip in den Norden dabei ist.

Man nehme eine versnobte Erfolgsfrau aus gutem Hause, einen herzensguten Verlierer und ein gemeinsames Kind, das diese Welten nach 12-jähriger Funkstille zusammenbringen soll, und fertig ist der Film – so scheint wohl der Gedanke hinter Kleine Ziege, sturer Bock gewesen zu sein. Und damit diese Anhäufung von Klischees nicht ganz so auffällig ist, darf dann noch ein Schaf mit ins Bild. Für einen clevereren Wortspiel-Filmtitel reicht das, jedoch nicht unbedingt für einen interessanten Film.

Tatsächlich spielt das wollene Tier in der Geschichte eine erstaunlich geringe Rolle. An der einen Stelle darf es nach dem Regen mal stinken, später läuft es weg. Das war es aber schon mit den Einfällen, sonst wird die vierbeinige Fracht lediglich als Anlass missbraucht, Vater und Tochter einmal quer durch die Republik zu schicken. Immerhin dürfen wir während der langen Fahrt die unterschiedlichsten Orte sehen, für optische Abwechslung ist also gesorgt. Zumal man sich hier die Filetstücke fürs Ende aufgehoben hat: Wenn Jakob und Mai mit ihrem kleinen heruntergekommenen Transporter durch die weitläufigen Landschaften Norwegens tuckern, dann ist das ein so umwerfender Anblick, dass sich die vorherigen Strapazen gelohnt haben.

Wobei die größten Anstrengungen ja nicht die Fahrt an sich, sondern das Vater-Tochter-Gespann betrifft, welches von Anfang an auf keinen gemeinsamen Nenner kommt. Das liegt jedoch weniger an dem unzuverlässigen, aber doch sehr bemühten Jakob, als vielmehr an Mai, die mit ihren Launen selbst aus der Ferne die Nerven der Zuschauer herausfordert und das Konzept des Pubertätsmonsters auf die Spitze treibt. Umso überraschender die Kehrtwendung im letzten Drittel, wenn aus der undankbaren, verwöhnten Zicke ein bisschen zu schnell das zuneigungsbedürftige Kätzchen wird. Aber auch Jakob, der noch während der Fahrt zu verstehen gibt, nicht viel von Bindungen zu halten, verliebt sich unglaubwürdig schnell in die neue Situation.

Und das ist dann auch das grundsätzliche Problem von Kleine Ziege, sturer Bock: Man bemüht sich hier so krampfhaft um den Wohlfühleffekt, dass nichts richtig echt wirkt – die Konflikte sind erzwungen, die Versöhnung ist es auch. Zusammen mit den wenig interessanten Figuren ergibt sich daraus ein Film, der so nett, wohlmeinend und durchkalkuliert ist, dass man ihn im Anschluss gleich wieder vergessen hat. Ein Film, der weder sonderlich witzig noch allzu bewegend ist. Lediglich besagte Naturaufnahmen ragen aus dieser Belanglosigkeit heraus, auch Möhrings kuriose Auftritte als Elvis-Imitator durchbrechen kurzzeitig die Einöde.

Kleine Ziege, sturer Bock
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Kleine Ziege, sturer Bock
Ein Vater und seine ihm zwölf Jahre verheimlichte Tochter gehen zusammen mit einem Schafsbock auf eine große Reise, das bietet konzeptionell Stoff für komische Geschichten. „Kleine Ziege, sturer Bock“ nutzt das jedoch kaum, beschränkt sich lieber auf konstruierte Konflikte und ebenso kaum nachvollziehbare Versöhnungsmomente zu einem nett-belanglosen Familienfilm.
5von 10

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