(„Kirikou et les hommes et les femmes“ directed by Michel Ocelot, 2012)

Kiriku und die Männer und die FrauenSo ein Dorfleben in Afrika kann ganz schön schwierig sein. Wenn einem die böse Hexe Karaba gerade mal nicht das Leben zur Hölle macht, müssen die Bewohner sich mit wilden Tieren herumschlagen oder auch dem widrigen Wetter in Form von Dauerregen oder heißen Stürmen. Ein Glück weiß Kiriku in solchen Fällen immer Rat, denn der winzig kleine Junge mag nicht übermäßig imposant sein, doch mit seinem Einfallsreichtum und seinem Mut lässt er die meisten Erwachsenen ganz alt aussehen.

Fans des gewitzten afrikanischen Jungen Kiriku mussten seit jeher viel Geduld aufbringen, um neue Abenteuer erleben zu dürfen. Geschlagene sieben Jahre Wartezeit waren angesagt, bis der Überraschungserfolg Kiriku und die Zauberin von 1998 in Kiriku und die wilden Tiere seine Fortsetzung fand. Weitere sieben Jahre später war dann auch endlich Kiriku und die Männer und die Frauen fertig gestellt. Da drängt sich zwangsläufig die Frage auf, was sich in der Zwischenzeit getan hat. Antwort: nicht viel. Während vierzehn Jahre später die meisten Zuschauer des ersten Films das Erwachsenenalter erreicht haben dürften, ist im Leben von Kiriku selbst Stillstand angesagt.Kiriku und die Männer und die Frauen Szene 1

Wer Teil eins gesehen hat, weiß aber auch warum: Kiriku und die Zauberin erzählte eine abgeschlossene Geschichte, die mit Kirikus Geburt begann und mit ihm als Erwachsenen endete. Eine Fortsetzung im eigentlichen Sinn ist da natürlich nicht möglich, zumindest wenn der Protagonist ein Kind bleiben soll. Kiriku und die wilden Tiere behalf sich damit, einfach einige Episoden zu erzählen, die während des Vorgängers gespielt haben sollen. Und auch der neueste Film folgt diesem Muster. Damit gilt für den dritten Streich, was bereits für den zweiten galt: Eine Rahmenhandlung gibt es nicht, keinen roten Faden, die einzelnen Geschichten bleiben austauschbar. Zwar sollen diesmal die Bewohner des Dorfes stärker in den Vordergrund rücken, wirklich viel merkt man davon jedoch nicht.

Wer die vorherigen Abenteuer von Kiriku liebgewonnen hat, wird sich daran vielleicht nicht stören, denn auch die fünf neuen bieten die gewohnten Stärken: familiengerechte, zauberhafte Geschichten, das exotische Szenario, die Betonung klassischer Tugenden, stimmungsvolle Musik und natürlich das Vergnügen, wenn ein Kind über Erwachsene triumphiert. Doch auch wenn dieses Mal der französische Animationskünstler Michel Ocelot im Gegensatz zum Vorgänger wieder allein die Regie übernahm, gegen die Ermüdungserscheinungen konnte auch er nichts anhaben. Jede der Geschichten folgt dem absolut gleichen Muster, abgesehen von Episode Nummer drei, wenn das Dorf die Bekanntschaft des Wüstenbewohners Anigouran macht, bleiben auch die Schauplätze ohne Variation.Kiriku und die Männer und die Frauen Szene 2

Wenn etwas Kiriku und die Männer und die Frauen von den beiden Vorgängern unterscheidet, dann ist es die Optik. Zwar sind die grundsätzlichen Elemente wie die starren Perspektiven erhalten geblieben, doch wie schon bei Azur &  Asmar vertraute Ocelot hier vollständig dem Computer. Die Animationen wurden dadurch deutlich flüssiger, gleichzeitig behielten die Figuren ihr vorheriges Aussehen bei. Während hier die Rechenkünste eine wirkliche Verbesserung darstellen, sehen Objekte wie Obst oder Werkzeuge jedoch immer etwas billig und deplatziert aus. In solchen Fällen kann kann der Animationsfilm es weder mit seinen amerikanischen Kollegen noch mit klassischen Zeichentrickfilmen aufnehmen. Die jüngere Zielgruppe – und an die richtet sich Kiriku noch immer – wird das wenig stören, und zumindest in der Heimat wollten noch immer über eine Million Menschen die französische Produktion im Kino sehen. Für einen nächsten Film bleibt aber zu hoffen, dass Ocelot wieder mehr Ehrgeiz zeigt und sich nicht derart auf einem Erfolgsrezept ausruht.

Kiriku und die Männer und die Frauen
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Kiriku und die Männer und die Frauen
Der dritte Teil um den mutigen und gewitzten Jungen Kiriku übernimmt das alte Erfolgsrezept, ohne groß etwas zu ändern. Das Ergebnis ist zwar zauberhaft, durch das Fehlen einer fortlaufenden Geschichte und die mangelnde Abwechslung aber auch austauschbar. Lediglich der Wechsel zu einer vollständigen Computeroptik unterscheidet Kiriku und die Männer und die Frauen von seinen Vorgängern.
6Von 10

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