(„Les Shadoks – Première série“ directed by René Borg, 1968)

Die Shadoks und die Gibis reisen zur ErdeNachdem wir in den letzten beiden Folgen unseres fortlaufenden Animationsspecials zwei aktuellere Filme angeschaut haben, die mit Hilfe des Computers klassische Techniken imitieren, wird es dieses Mal wieder Zeit für „echten“ Zeichentrick. Dass bei Teil 15 alles per Hand gemacht wurde, wird auf den ersten Blick klar. Doch gewöhnlich, das ist Die Shadoks und die Gibis reisen zur Erde auf keinen Fall.

So richtig viel haben sie ja optisch nicht gemeinsam. Die Shadoks sind plumpe, flugunfähige Vögel mit langen Beinen und einem nicht übermäßig entwickelten Gehirn. Die vierbeinigen Gibis sind da schon deutlich intelligenter, denn mit ihrem hübschen, kleinen Denkhüten können sie so ziemlich jedes Problem losen. Nur eines nicht: Sie fallen immer wieder von ihrem flachen Planeten herunter, wenn sich zu viele auf einer Seite tummeln. Ganz ähnlich ergeht es den Shadoks. Deren Zuhause hat überhaupt keine Form, was das mit dem festen Halt nicht unbedingt erleichtert. Also muss ein neuer Planet her, und dafür haben sich die beiden rivalisierenden Spezies die Erde ausgesucht. Doch das ist alles andere als einfach, denn dafür müssen erst noch Raketen entwickelt werden – was gerade für die Shadoks eine große Herausforderung ist.Die Shadoks und die Gibis reisen zur Erde Szene 1

Während die Shadoks in Deutschland eher in der Geheimtippschublade zu finden sind – die letzte Ausstrahlung im Fernsehen liegt schon ein paar Jahrzehntchen zurück – sind die beschränkten Vögel in ihrem Heimatland absoluter Kult. Neben der hier vorliegenden ersten Staffel folgten 1969 und 1972 zwei weitere, 2000 sogar noch eine vierte. In allen Fällen steckte dasselbe Mastermind dahinter: Jacques Rouxel. Der hatte nicht nur die Figuren entwickelt und für alle vier Staffeln die Drehbücher geschrieben, sondern war auch Mitbegründer des französischen Animationsstudios animation art graphique audiovisuel – und das hat im Laufe der Zeit immerhin mit Regisseuren wie Piotr Kamler und Michel Ocelot zusammengearbeitet.

Was die reine Animationskunst angeht, waren Die Shadoks vielleicht nicht die beste Visitenkarte gewesen. Die Bewegungen sind rudimentär, oft wird auch nur mit Standbildern gearbeitet. Farben gibt es auch nur wenige, die Musik besteht größtenteils aus lustigen Soundeffekten. Und die Zeichnungen? Die sind so grob gehalten, dass man sie maximal als erste Zeichenexperimente des eigenen vierjährigen Nachwuchses gut finden kann.

Und doch gehört das bewusst amateurhaft gehaltene Audiovisuelle zum Gesamtkonzept, macht sogar einen großen Teil des Charmes aus. Vor allem passen sie wunderbar zum anarchischen Inhalt. Denn selbst im Europa der 60er und 70er, das uns so verrückte Zeichentrickserien wie Herr Rossi, La Linea oder Dr. Snuggles schenkte, war der französische Beitrag wie von einem anderen Stern. Beispielsweise liebte es Rouxel, physikalische Gesetze zu ignorieren oder zumindest ad absurdum zu führen, etwa wenn der ständig betrunkene Shadok-Pirat Wasser mitführt, um darauf durch das Weltall zu segeln. Dazu gesellen sich andere skurrile Figuren wie der Hexenmeister mit seinem magischen Wasserhahn und viele herrlich schräge Einfälle, die man gesehen haben muss, um sie zu glauben.Die Shadoks und die Gibis reisen zur Erde Szene 2

Eine Aussage, lehrhafte Geschichten oder gar eine Moral sucht man hier jedoch vergebens, ebenso Dialoge – es gibt lediglich einen Erzähler. Pädagogisch wertvoll sind Die Shadoks natürlich genauso wenig, kleinere grausame Elemente könnten zartbesaitete Zuschauer schockieren. Und doch darf man beruhigt Kinder davor setzen, und sei es nur als willkommene Ausrede, die Serie selbst mitzuschauen. Denn wer auch als Erwachsener eine Schwäche für albern-absurde Geschichten hat, die nur durch ihre eigene Verrücktheit zusammengehalten werden, für den wartet bei Die Shadoks und die Gibis reisen zur Erde eine Begegnung der besonderen Art. Und das gilt natürlich auch für Die Kinder der Shadoks, die einzige weitere Staffel, die bislang auf Deutsch vorliegt.

Die Shadoks und die Gibis reisen zur Erde
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Die Shadoks und die Gibis reisen zur Erde
Skurril, idiotisch und sehr, sehr lustig: Die Shadoks kommen! Die französische Zeichentrickserie setzt bei Optik und Musik nur auf das Notwendigste. Doch das macht den anarchischen Charme der Geschichte aus, die mit ihren verrückten Einfällen ein großer Spaß für die Freunde des Albern-Absurden ist.
8von 10

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