(„Las Brujas de Zugarramurdi“ directed by Álex de la Iglesia, 2013)

Witching & BitchingFrauen sind doch alles Hexen! Ja, sexistisch ist das schon ein wenig, aber José (Hugo Silva) hat mit dem anderen Geschlecht nun mal wenig Glück. Seine Exfrau Silvia (Macarena Gómez) zieht ohne Pause über ihn her, verweigert ihm sogar das gemeinsame Sorgerecht für Sohn Sergio (Gabriel Delgado). Und das nur, weil er mit den Unterhaltszahlungen ein bisschen spät ist. Dabei nutzt der Vorzeigepapa doch jede Gelegenheit, um mit dem Filius zusammen zu sein, lässt ihn selbst dann nicht alleine, als er und seine Truppe einen Juwelenladen überfallen.

Zunächst sieht das Unterfangen auch recht vielversprechend aus: Sergio hat seinen Spaß, die Beute ist eingesackt. Nur das mit der Flucht hätten sie doch ein wenig besser planen müssen. Als die Freundin von Bandenmitglied Antonio (Mario Casas) das designierte Fluchtauto selbst braucht, fliehen die beiden Männer zusammen mit dem Sprössling eben an Bord eines entführten Taxis, wo sie nicht nur Fahrer Manuel (Jaime Ordóñez), sondern auch einen Fahrgast als Geisel nehmen. Nach einer wilden Verfolgungsjagd durch die Stadt scheint ihnen die Flucht dann doch noch gelungen zu sein. Was sie jedoch nicht ahnen: 1. Silvia und zwei Polizisten sind ihnen noch immer auf den Fersen. 2. Sie werden auf dem Weg nach Frankreich bald Hexen begegnen. Richtigen Hexen.

Jaume Balagueró (The Nameless, [REC]), Juan Antonio Bayona (Das Waisenhaus, The Impossible), Guillem Morales (Julia’s Eyes), Juan Carlos Fresnadillo (28 Weeks later) – Spanien hat in den letzten Jahren eine Reihe Regisseure hervorgebracht, die bei Horrorfans einen vielversprechenden Eindruck hinterlassen haben. Und wer es etwas humoriger mag, war mit dem charmant-nostalgischen Game of Werewolves von Landsmann Juan Martínez Moreno gut bedient. Nun aber meldet sich mit Álex de la Iglesia (El día de la bestia) ein Kollege zurück, der selbst innerhalb der illustren Runde eine kleine Sonderrolle hat.Witching & Bitching Szebe 1

Dass der spanische Regisseur und Drehbuchautor einen Hang zum Grotesken hat, davon durften wir uns hierzulande bei Mad Circus selbst ein Bild von machen. Und diesen Ruf will er ganz offensichtlich auch bei seiner neuen Horrorkomödie verteidigen, gerade der furios-grandiose Einstieg bleibt lange im Gedächtnis hängen: Wenn im hypnotischen Vorspann wild und scheinbar wahllos die unterschiedlichsten Frauen aus der Weltgeschichte miteinander verknüpft werden und im Anschluss ein silberner Jesus, ein Soldatenpantominen und Männer in Minnie-Maus- und Spongebob-Kostümen in rasant zusammengeschnittenen Szenen den Laden überfallen lässt, braucht man als Zuschauer schon eine Weile, um das Gesehene zu verarbeiten.

Dazu hat man im Anschluss auch genügend Gelegenheit, sogar mehr als einem lieb ist. War die Vorgeschichte flott erzählt, wird im Mittelteil deutlich das Tempo rausgenommen. Jetzt gilt es erstmal die Figuren und ihre Hintergrundgeschichten kennenzulernen. Auch das hat seine absurden Momente und unfähige Räuber sind in Horrorkomödien ja immer gerne mal gesehen (Cockneys Vs. Zombies). Nur fehlt de la Iglesia der zündende Einfall, um diese Figuren auch interessant zu machen. Abgesehen von ihren jeweiligen Konflikten mit den Frauen – quasi das Grundthema des Films – ist da nichts, was man nicht schon woanders gesehen oder gehört hätte; und das ist dann doch ein bisschen wenig.Witching & Bitching Szene 2

Besser wird es, wenn nach einer guten Weile Hexenkönigin Graciana (Carmen Maura), die lüsterne Tochter Eva (Carolina Bang) und die leicht demente Königinmutter Maritxu (Terele Pávez) ihre Auftritte haben, die den unfreiwilligen Verbrechern natürlich haushoch überlegen sind – und das selbst ohne ihre Magie. Unterhaltsam ist Witching & Bitching an diesen Stellen schon, aber irgendwie doch zu harmlos, zu klamaukhaft. Spätestens wenn die Hexenverwandtschaft eintrudelt, darunter auch Männer in Frauenverkleidung, wird klar: Vor diesem Humor muss sich niemand fürchten, allenfalls Feministinnen könnten sich an der Verteufelung von Frauen stören.

Und das ist schade, denn beim fantastischen Finale schöpft de la Iglesia endlich wieder aus den Vollen und nutzt dann mal die Möglichkeiten, die das Thema Hexen so mit sich bringt. Und auch wenn Witching & Bitching insgesamt sicher Spaß macht, ähnlich stimmungsvoll hätte man sich den Film etwas öfter gewünscht.

Witching & Bitching ist seit 25. April auf DVD und Blu-ray erhältlich

Witching & Bitching
4 (80%) 6 Artikel bewerten

Witching & Bitching
Der Anfang ist furios, das Finale fantastisch, doch dazwischen herrscht viel Leerlauf. Bei seiner Horrorkomödie Witching & Bitching zeigt Álex de la Iglesia immer wieder seine Vorliebe fürs Groteske und Absurde, leider aber auch einen Hang zum banalen Klamauk.
6von 10

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