(„100 Bloody Acres“ directed by Colin Cairnes and Cameron Cairnes, 2012)

100 Bloody AcresWenn uns Horrorfilme eins gelehrt haben, dann dass du niemals jemals dein Auto in einer abgeschiedenen, ländlichen Gegend schrotten solltest. Nun sind Sophie (Anna McGahan), ihr Freund James (Oliver Ackland) und Wesley (Jamie Kristian) aber weniger an cineastischen Erkenntnissen interessiert, sondern nur an einem Musikfestival. Und an sich selbst, James will seiner langjährigen Partnerin einen Antrag machen, während die ohne sein Wissen mit Wesley rumknutscht.

Als der Wagen auf dem Weg liegen bleibt, lautet die dringendste Frage jedoch erstmal: Wie kommen sie jetzt aufs Festival? Glück im Unglück: Der etwas verklemmte Reg (Damon Herriman) kommt mit seinem Laster vorbei und lässt sich von Sophie – unter Zuhilfenahme ihrer körperlichen Reize – dazu überreden, sie mitzunehmen. Unglück im Glück: Reg und sein grimmiger Bruder Lindsay (Angus Sampson) betreiben einen kleinen Düngerladen und die geheime Zutat ihres neuen Verkaufsschlagers sind menschliche Überreste. Gut für das Gemüse, schlecht für die drei ahnungslosen Jugendlichen.

Dass der menschliche Körper überaus schmackhaft sein soll, wissen wir dank der schwarzen Komödien aus Frankreich (Delicatessen) und Dänemark (Dänische Delikatessen). Da geht doch noch mehr, dachten sich die beiden Brüder Colin und Cameron Cairnes und präsentieren uns in ihrem gemeinsamen Langfilmdebüt eine alternative und ebenfalls humorig gemeinte Zweitverwertung. Auch wenn die Ausgangslage Erwartungen auf einen weiteren Redneck-Splatterfilm weckt, ist 100 Bloody Acres vielmehr eine Mischung aus diesen und den obigen Filmen.100 Bloody Acres Szene 1

Das soll nicht heißen, dass die australische Horrorkomödie blutleer wäre: Hier wird literweise roter Saft verspritzt, das eine oder andere Körperteil fehlt am Ende und gestorben wird vor allem im späteren Verlauf kräftig. Doch das ist alles so überzogen und bewusst komisch inszeniert, dass auch weniger genregestählte Mägen bis zum Abspann durchhalten sollten. Für manche wird das sicher ein Manko sein: Insgesamt passiert hier recht wenig, ein Großteil des Films besteht aus einem verbalen Schlagabtausch zwischen den Brüdern und den designierten Opfern, aber auch innerhalb der beiden Gruppen.

Der ist dafür durchaus amüsant und der eigentliche Grund, sich 100 Bloody Acres einmal anzuschauen. Schließlich lebt – und stirbt – der Film mit seiner Figurenkonstellation, in der skurrile, überzeichnete und dabei einfach gehaltene Charaktere aufeinandertreffen. Am manchen Stellen sind die karikierenden Elemente etwas altbacken und einfallslos, grandios ist dagegen, wenn die Flucht vor den mörderischen Brüdern zwischenzeitlich in einen geschlossenen Themenpark führt. Auf die Handlung hat das nur wenig Einfluss, dennoch gehört das absurde Intermezzo zu den Höhepunkten des Films.100 Bloody Acres Szene 2

Ein bisschen mehr offener Wahnsinn und mehr Biss hätte auch an anderen Stellen nicht geschadet, insgesamt plätschert 100 Bloody Acres ein bisschen zu oft ergebnislos vor sich hin und verlässt sich zu sehr auf seine Figuren. Sicher ist es witzig, wenn über die Vorteile von Lebend- oder Totverarbeitung philosophiert wird, während im Hintergrund fröhlicher Hinterwäldler-Country läuft. Für einen ganzen Film reicht das jedoch nicht. Aber auch wenn da mehr drin gewesen wäre, sympathisch ist der Beitrag vom letztjährigen Fantasy Filmfest schon. Gerade bei einem Videoabend mit Freunden in angeheiterter Stimmung darf man beim Überlebenskampf der drei Jugendlichen seinen Spaß haben. Und das ist ja auch schon mal was.

100 Bloody Acres ist seit 22. Mai auf DVD und Blu-ray erhältlich

100 Bloody Acres
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100 Bloody Acres
Die australische Horrorkomödie lebt vor allem von seinen Figuren und ihren Auseinandersetzungen. Das ist sympathisch, oft spaßig, zwischendrin aber immer mal wieder auch etwas ergebnislos und altbacken.
6von 10

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