Zimmer 205 – Traust du dich rein?

Zimmer 205 – Traust du dich rein?

 („Zimmer 205 – Traust du dich rein?“ directed by Rainer Matsutani, 2011)

DruckEndlich! Kaum ein Moment wird von Jugendlichen wohl stärker herbeigesehnt, als dem elterlichen Zuhause entfliehen und auf eigenen Beinen stehen zu können. Und für Katrin (Jennifer Ulrich) gilt das noch mehr als für jeden anderen, schließlich wird sie von der Fürsorge – oder Bevormundung? – ihres Vaters geradezu erdrückt, seit ihre Mutter tot ist. Und diese Fürsorge drückt sich vor allem in der hohen Anzahl an Pillen und Psychopharmaka aus, die sie tagtäglich zu schlucken hat.

Mit einer derart angeknacksten Psyche hat sie natürlich keine Chance gegen souveräne Oberintriganten wie Sanne (Marleen Lohse), die selbst Mafiabosse problemlos rausmobben könnte. Doch Katrin findet auch Unterstützung auf dem Campus. Da wäre zum einen der hilfsbereite Kommilitone Dirk (Tino Mewes). Und auch Annika (Julia Dietze) bietet ihr sofort per StudiVZ die Freundschaft an. Nur hat das einen Haken. Annika ist die Vormieterin in Zimmer 205 und verschwand vor einem Jahr spurlos. Manche munkeln sogar, sie sei tot. Und diese Anfrage soll nicht die einzige unerklärliche Erfahrung der jungen Studentin bleiben. Einbildung, Nebenwirkungen der starken Medikamente oder doch Übernatürliches? Was es auch ist, es fordert bald einen ersten Toten. Und dann immer mehr.

Schon eigenartig, da stürmen dieses Jahr regelmäßig kostengünstig produzierte Horrorfilme die deutschen Filmcharts – Mama, das Remake Evil Dead oder auch Conjuring – und doch traut sich hierzulande kaum einer an das Genre. Stattdessen sind die großen heimischen Erfolge meist harmlose Komödien. Und wenn sich doch mal deutsche Produktionsfirmen an Mystery oder Horror wagen, wie bei Bela Kiss: Prologue und Du hast es versprochen, schaut keiner hin. Zugegeben, bei ersterem hat niemand wirklich etwas verpasst, doch der zweite Film war durchaus ein Beweis, dass man nicht ins Ausland türmen muss, um eine gute Atmosphäre auf die Leinwand zu zaubern.Zimmer 205 – Traust du dich rein? Szene 1

Zimmer 205 – Traust du dich rein? reiht sich da qualitativ irgendwo in der Mitte ein. Auch hier wird recht kompetent eine spannende und stimmungsvolle Geschichte erzählt, die in der endlosen Horrorreihe in der Videothek nicht aus der Reihe fällt – weder positiv noch negativ. Dafür schielte man wohl auch einfach zu sehr auf etablierte Mechanismen und Motive von anderen Filmen: unheimliche Musik, Bewegungen in Fenstern, plötzlich auftauchende Menschen. Dazu noch eine psychisch angeknackste Hauptfigur, der niemand – vor allem nicht die Polizei – glauben will. Das funktioniert immer wieder, auch wenn es nicht sonderlich originell ist. Gerade zum Ende hin hat man sich vielleicht zu stark von The Ring beeinflussen lassen. Da wäre es schöner gewesen, wenn sich Regisseur Rainer Matsutani oder auch schon der dänische Film Kollegiet, auf dem Zimmer 205 basiert, etwas mehr hätten einfallen lassen können.Zimmer 205 – Traust du dich rein? Szene 2

Aber auch so findet der geneigte Horrorfan hier einen grundsoliden Vertreter, der vor allem durch sein Setting ein Gesicht erhält. Das Studentenwohnheim in einem Erfurter Plattenbau als Schauplatz – warum nicht? Überhaupt ist es mal etwas anderes, eine einzelne Wohnung in einem großen Gebäude zum Spukzimmer zu erklären. Natürlich gibt es auch hier ein prominentes Vorbild (das Zimmer 237 aus Shining). Während dort aber der Horror in der Abgeschiedenheit auftrat, geht außerhalb von Zimmer 205 alles seinem normalen Gang nach. genau das lässt auch längere Zeit die Frage offen, ob die Heimsuchungen real oder doch nur ein Konstrukt der Psyche sind. Warum jedoch die Spukereignisse erst mit dem Auftauchen von Katrin ihren Anfang nehmen und später auch an ganz anderen Orten stattfinden, bleibt bis zum Ende ein Rätsel des Films. Aber auch das sind wir von Horrorfilmen ja gewohnt.

 Zimmer 205 – Traust du dich rein? ist seit 10. Oktober auf DVD und Blu-ray erhältlich



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Zimmer 205 – Traust du dich rein? bietet solide Horrorkost aus Deutschland, die nicht mit Einfallsreichtum glänzt, dafür aber eine gute Stimmung und einen unverbrauchten Schauplatz vorweisen kann.
6
von 10