(„Supernatural Activity“ directed by Derek Lee Nixon, 2012)

Supernatural ActivityDie Filmgeschichte ist voll von sogenannten Spoof-Komödien, in denen meist ein Genre, manchmal auch ganz konkrete Filme parodiert und hoffnungslos durch den Kakao gezogen werden. Und auch wenn sie im Grunde im Fahrwasser anderer bekannter Streifen mitschwimmen, einige wurden selbst zu großen Klassikern. Humorbegabte Krimifreunde erinnern sich etwa gerne an die Allstar-Persiflage Eine Leiche zum Dessert, die Agentenparodie Die nackte Kanone brachte es auf drei Teile, Hot Shots nahm Kriegsfilme aufs Korn, Star Wars wurde in Spaceballs auseinandergenommen.

Doch kaum ein Genre eignet sich besser für liebevolle Demontagen wie der Horrorfilm. Frankenstein Junior von Mel Brooks zeigte schon 1974, wie das geht, moderne Nachkommen wie Shaun of the Dead oder Game of Werewolves tummeln sich im Grenzbereich zwischen aufrichtiger Hommage und Parodie. Dass die Kombination aus Horror und Komödie aber kein Selbstläufer ist, wird an der Scary Movie-Reihe deutlich, die sich spätestens mit dem fünften Teil selbst zu Grabe getragen hat. Supernatural Activity, ein weiterer Versuch der Horrorparodie, ist dort schon mit dem ersten Versuch gelandet.

Dabei sind die Voraussetzungen gar nicht mal so schlecht. Schon der Name zeigt an, wer hier die Zielscheibe des Spotts sein soll: Paranormal Activity und die nicht enden wollende Flut an Nachahmern im Found-Footage-Bereich. Und wenn es eine Horrorsparte verdient hat, der Lächerlichkeit ausgesetzt zu werden, dann ja wohl die. Anders als erwartet, arbeitet Regisseur Derek Lee Nixon aber gar nicht so sehr mit den Mechanismen dieses Genres. Soll heißen: Die Geschichte wird nicht nachträglich durch gefundene Bänder erzählt sondern zeitgleich durch die Mitglieder eines Fernsehteams. Angeführt vonDamon Dealer (Andre Pozza), zieht die fünfköpfige Crew durchs Land, filmt übernatürliche Phänomene und lässt sich dabei natürlich ausgiebig feiern. Als es sie dabei in die texanische Kleinstadt Hicksville verschlägt, wo ein bösartiger Smallfoot sein Unwesen treiben soll, ahnen sie nicht, welche Gefahren sie dort wirklich erwarten.Supernatural Activity Szene 1

Wie bei Parodien so üblich, besteht auch hier der Spaß vor allem darin, das verulkte Ursprungsmaterial wiederzuerkennen. Das ist manchmal ganz lustig, doch gerade zum Ende hin versteift sich Supernatural Activity auf Anspielungen zur Found-Footage-Blaupause Blair Witch Project – ein Teammitglied hört beispielsweise auf den Namen Blair Woods (Liddy Bisanz) – und das ist weder neu noch sonderlich witzig. Eigenständiger sind da schon die Spitzen aufs Reality TV, wenn der Kameramann beim Filmen des Teams selbst gefilmt wird. Und auch die Auseinandersetzungen der schrägen Geisterjäger untereinander sind zumindest hin und wieder für ein Schmunzeln gut.Supernatural Activity Szene 2

Das größte Manko des Films ist aber, dass man einfach zu wahllos Gag an Gag gereiht hat, ohne Konzept, ohne selbst eine Geschichte erzählen zu wollen. Das funktioniert in einzelnen Szenen, wenn die Ideen zünden. Aber das ist eben nur manchmal der Fall und gerade zum Schluss geht Supernatural Activity schlicht die Luft aus. Für einen Videoabend mit Freunden und viel Bier mag das reichen, wenn auch über Blödsinn herzhaft gelacht werden kann. Wer aber eine gelungene Kombination aus Witz und Horror haben möchte, die man sich auch mehrfach anschauen kann, greift dann doch besser zu den oben genannten Filmen oder auch The Cabin in the Woods.

Supernatural Activity erscheint am 14. Oktober auf DVD und Blu-ray



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Supernatural Activity
Das inflationäre Found-Footage-Genre persiflieren zu wollen, gibt Sympathiepunkte. Leider sind bei Supernatural Activity aber nur einige Gags wirklich unterhaltsam, die meiste Zeit über wird wahllos Idee an Idee gereiht, was vor allem zum Ende hin langweilig wird.
3von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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