(„Xue di zi“ directed by Andrew Lau, 2012)

The GuillotinesEine Art Frisbee, der auf einem Schwert rotiert, bevor er Klingen ausfährt und im Flug vorzugsweise die Kehlen der Gegner sucht – selbst als bekennender Martial-Arts-Fan hat man eine solche Waffe noch nicht gesehen. Das wirkt so absurd und bizarr, dass man zunächst vermuten könnte, einem ähnlich überdrehten Vertreter wie Tai Chi Zero gegenüberzustehen. Bis man merkt, dass diese Kämpfe tatsächlich ernst gemeint sind. Und der Film auch. Leider, möchte man hinzufügen.

Der Titel The Guillotines bezieht sich dann auch weniger auf die todbringenden Waffen aus der Luft sondern auf eine nicht minder tödliche Assassinengruppe Anfang des 17. Jahrhunderts in China, die im Namen des Kaisers alles niedermetzelt, was diesem gefährlich werden könnte. Und wenn es nach dem royalen Oberhaupt geht, soll „alles“ bald auch Wolf (Xiaoming Huang) bedeuten, Anführer einer kriegerischen Rebellenbande und Sekte. Was das siebenköpfige Todesschwadron unter der Führung von Meisterkämpfer Leng (Ethan Juan) jedoch nicht ahnt: Der Kaiser spielt ein doppeltes Spiel und will seine treuen Meuchelmörder gleich miteliminieren lassen.The Guillotines Szene 1

Zuviel zur Geschichte, die insgesamt zwar brauchbar, aber zu wirr erzählt und schlicht zu lang ist, um wirklich zu fesseln. Man muss teilweise schon recht gut aufpassen, damit man nicht den Faden verliert oder vergisst, welcher der Kämpfer nun zu welcher Gruppe gehört. Wirklich lohnen tut sich das aber nicht, denn wie so oft dreht sich hier alles um die Themen Ehre, Loyalität und Tapferkeit. Also nichts, was man nicht schon kennen würde, nur dass es hier teils unnötig kompliziert verpackt wurde. Doch auch wem Handlungen in Martial-Arts-Filmen egal ist und die Filme nur der Kämpfe wegen anschaut, bekommt nicht wirklich viel geboten. Nach dem temporeichen Anfang wird deutlich zurückgeschraubt, die bewaffneten Auseinandersetzungen werden immer konventioneller und seltener und wenn sie doch einmal stattfinden, sind sie meist vorbei, noch bevor sie angefangen haben.The Guillotines Szene 2

Ja, selbst die Optik – sonst eine der Stärken des Genres, die selbst durchschnittliche Vertreter wie Die Legende der weißen Schlange oder Blood Letter aufwertet – ist hier wenig spektakulär. Einige schöne Dorfaunahmen gibt es, insgesamt sind die Bilder aber trist ausgefallen. Wenn sich das Remake von Flying Guillotines (1976) durch etwas hervortut, von den grotesken Waffen am Anfang einmal abgesehen, dann ist es die explizite Gewalt. Hier wird erschlagen, erschossen und geköpft, als ob es keinen Morgen gibt, selbst eine Vierteilung darf da nicht fehlen. Für einen knapp zwei Stunden langen Film ist das aber zu wenig. Hardcorefans können sich das mal anschauen, der Rest verpasst nicht viel.

The Guillotines ist seit 30. August auf DVD und Blu-ray erhältlich



(Anzeige)

The Guillotines
Sieben Meuchelmörder, die mit sonderbaren Waffen einen Rebellenführer verfolgen – das verspricht spektakuläre Kämpfe und viel Spannung. The Guillotines hat aber von beidem zu wenig und steht sich mit seiner umständlich erzählten Geschichte auch noch selbst im Weg. Da hilft dann auch die explizite Gewalt nicht mehr.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

Hinterlasse eine Antwort