(„Rosebud“ directed by Otto Preminger, 1975)

In Unternehmen Rosebud gibt es keinen Vorspann. Weil die Mitwirkenden ihre Scham verstecken wollten. Sich daran zu erinnern, dass dieses Werk von dem Mann inszeniert wurde, der 30 Jahre zuvor für den legendären Klassiker Laura verantwortlich war, lässt einen ungläubig die eigenen Augen reiben. Rosebud – nach dem Schlitten in Orson Welles Citizen Kane benannt – ist empörend schlecht und gehört zu den größten Fiaskos der mit viel Aufwand und Geld gedrehten Hollywood-Abenteuer.

Dabei führt einen dieser Thriller in die exotischsten Plätze des Globus: Israel, Korsika – und Berlin. Für Otto Preminger, der im Zeiten Weltkrieg vor den Nationalsozialisten geflohen war, war es eine Tortur, in seinem ehemaligen Heimatland zu filmen und Berichten zufolge verließ er in Berlin nicht ein einziges Mal das Auto, aus dem er Regieanweisungen gab, lediglich daran interessiert, dieses Land so schnell wie möglich wieder zu verlassen, anstatt dem Film Qualität zu verleihen. Das ist ihm letztlich anzumerken, doch erschreckenderweise nicht nur in den Szenen, die in Berlin und Hamburg spielen. „Rosebud“ ist wirr, unglaubwürdig, schlecht gespielt und oftmals unfreiwillig komisch.

Alles beginnt mit zwei Israelis, die sich in Korsika treffen, um einen Entführungsplan auszuarbeiten. Warum sprechen die beiden Israelis Englisch miteinander? Wahrscheinlich, um dem denkfaulen Zuschauer keine Untertitel zumuten zu müssen. Nett. Einer der beiden präsentiert die tödlichste Waffe, welche die Welt jemals gesehen hat und die aussieht wie ein Korkenzieher (wahrscheinlich ist es ein Korkenzieher), mit dem man Menschen töten kann, sticht man ihnen dieses Gerät in einen ganz bestimmten Punkt des Körpers. Man wird nämlich um das Morden nicht herumkommen, wenn man eine Handvoll Töchter reicher Männer entführen will. Warum diese fünf so unterschiedlichen und doch kaum auseinanderzuhaltenden Mädchen gemeinsam eine Yacht besteigen, um alleine irgendwo hin zu segeln, spielt dabei keine Rolle. Weit kommen sie jedoch ohnehin nicht, denn bereits in der ersten Nacht wird ihre Yacht überfallen. Die Entführer – mittlerweile sind es drei – schleichen sich an Deck und als der Brutalste von ihnen mit seinem Korkenzieher in eine Kabine schleicht, um dort mehrere sich im Schlaf befindende Matrosen schnell und lautlos zu „erstechen“ hat das etwas absurd Komisches.

Als die unbeliebte Crew beiseite geschafft ist, werden die Gefangenen (Szenerie-Wechsel von Nacht zum Tag) auf Deck gebracht – natürlich splitternackt – und fotografiert. Derweil hat die Regierung Wind davon bekommen, dass eine Yacht vom Kurs abgekommen ist und dort etwas Seltsames vor sich gehen muss. An einem sonnigen Tag wird ein Colonel von seinem Tennisplatz gerufen, um der Sache nachzugehen. Das tut er binnen weniger Minuten und entsteigt – sie müssen es gesehen haben, um es zu glauben – dem Hubschrauber über der Yacht in voller Tennis-Montur. Obwohl das nicht unbedingt gegen seine Kompetenz spricht, kann er auf dem Schiff nur noch den Tod der Besatzung feststellen – die entführten Mädchen sind längst weggeschafft worden. Eine von ihnen soll eine Nachricht der Entführer über eine Videobotschaft vorlesen, die anschließend nach Paris geschickt wird. Die Entführer verlangen, dass ihre Botschaft von allen Fernsehsendern in zahlreichen Ländern ausgestrahlt wird. An dieser Stelle hält sich Premingers Film mit diplomatischer Langweiligkeit auf, denn die USA weigern sich zunächst, das Video auszustrahlen. Was nun? Natürlich hat all das politische Gründe und man versucht, den Präsidenten des mächtigen Landes vom Gegenteil zu überzeugen.

Derweil wurde auch Agent Martin (Peter O’Toole) auf den Plan gerufen, der die Entführer und vor allem auch die Entführten ausfindig machen soll. Letztere machen sich derweil in ihrem Gefängnis ein schönes Leben, als befänden sie sich in einem Feriencamp. Als Geisel hat man schließlich auch kaum etwas Besseres zu tun, als die Behausung zu putzen oder sich um seine Nagelpediküre Gedanken zu machen – und wenn man sich ganz besonders langweilt, trällert Kim Catrall in ihrem Spielfilmdebüt eine flotte Hymne und alle Sorgen sind vergessen. Da die erste Forderung der Entführer erfüllt wurde, wird ein Mädchen aus der Gefangenschaft entlassen. Tatkräftig versucht sie, Agent Martin in dessen Mission zu unterstützen und der charmante Mann findet sich in diesem wirren Verfolgungsspiel nicht nur in Hamburg oder Berlin wieder, sondern auch bei einem israelischen Führer, der von einem beschämend schlechten Richard Attenborough gespielt wird. Warum Agent Martin nun maskiert mit diesem Mann Tee trinkt, können wir bestenfalls erahnen, denn nach einiger Zeit wirkt „Unternehmen Rosebud“ aufgrund frustrierender Ungereimtheiten wie eine unfehlbare Schlaftablette, die man nie hätte zu sich nehmen dürfen.

Darüber hinaus wirft dieses Werk zahlreiche weitere Fragen auf, wie etwa die, weshalb eine Berliner Verkäuferin Peter O’Toole in Englisch begrüßt, ohne zu wissen, welche Nationalität er besitzt. Aber das sind Kleinigkeiten im Vergleich zu diesem vollkommen verworrenem Wollknäuel, das nicht nur unmotiviert in Szene gesetzt wurde und mit grausam schlechten Schauspielern besetzt wurde, die ihre Dialoge auf Knopfabdruck aufsagen (oder es zumindest versuchen), sondern zudem noch mit einem sinnlosen, unfokussierten Kameraarbeit zu kämpfen hat, die nie so richtig weiß, was sie eigentlich einfangen will. „Unternehmen Rosebud“ ist unlogisch und konstruiert sowie mit seinen 120 Minuten Laufzeit mindestens 119 Minuten zu lang. Ärgerlicherweise wartet auch die neue DVD von EuroVideo (seien Sie beruhigt, es gibt noch Meisterwerke der Filmgeschichte, die auf eine deutsche DVD-Auswertung warten) mit keinerlei Untertiteln auf, dafür sind zumindest Bild- und Tonqualität akzeptabel. Ist das ein Grund, sich dieses neue Produkt zu kaufen? Ich glaube nicht.

Unternehmen Rosebud erscheint am 11. August auf Blu Ray und DVD



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Unternehmen Rosebud
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