(„The Best Man“ directed by Franklin J. Schaffner, 1964)

Herr Senator,  wollen sie leugnen, dass sie als Student Mitglied einer kommunistischen Zelle waren?
Das war keine Zelle, das war ein Kochkurs.

Franklin J. Schaffner zählt zu den innovativsten Regisseuren. Er begann in den 1950er Jahren als TV-Regisseur und hat schon frühe eine bewegliche Kamera eingesetzt, als diese noch standardmäßig fest eingesetzt wurde. Zu seinen erfolgreichsten Werken zählen Filme wie die Dystopie Planet of the Apes (1968) oder Papillon (1973). Sein Kriegsfilm Patton (1970) erhielt 1971 sieben Oscars, unter anderem  für „Beste Regie“.

Der Präsident der USA Art Hockstader (Lee Tracy) ist todkrank. Zwei liberale Parteigenossen konkurieren nun um dessen Nachfolge: der eiskalte Joe Cantwell (Cliff Robertson) und der integre William Russell (Henry Fonda). Als der Präsident sich öffentlich für Russell ausspricht, schreckt der machthungrige Cantwell im Kampf gegen seinen Konkurrenten auch vor unfairen Methoden nicht zurück, indem er in der Vergangenheit seines Konkurrenten wühlt. Doch auch Russell bekommt belastendes Material gegen Cantwell in die Hand. Nun steht der moralisch zweifelsfreie Politiker vor der Entscheidung das unpolitische Mittel auch einzusetzen, womit er gegen sein festes Prinzip verstoßen würde.

Schaffner inszenierte The Best Man nach nach einem Bühnenstück von Gore Vidal, der auch das Drehbuch verfasste. Seit den 1960er-Jahren zählt Vidal als Polemiker gegen die anti-kommunistische McCarthy-Ära und deren doppelmoralische Scheinheiligkeit. Inhaltlich geht es um die zweifelhaften Mittel, die im Kampf um die Nominierung zum Präsidentschaftskandidat eingesetzt werden. In diesem Punkt besitzt The Best Man eine zeitlose Allgemeingültigkeit, die auch heute noch relevant ist.

Herausragend sind die bissigen und schlagfertigen Dialoge, die aus The Best Man einen äußerst unterhaltsamen und amüsanten Film machen. Die Kamerarbeit von Haskell Wexler wirkt für damalige Verhältnisse recht innovativ, wenn sie den Jubel der jeweiligen Kandidaten-Anhänger aus nächster Nähe, fast schon in einer Handkamera-Ästhetik einzufangen vermag. Dadurch wirken die Anhänger verzerrt, beinahe karikiert, weil ihre teilweise diabolisch funkelnden Augen den Rausch der blinden Gefolgschaft widerspiegeln. Der Nominierungskampf gerät zum bizarren Wahlzirkus.

Die Schauspieler können durchweg überzeugen. Lee Tracy wurde für seine Nebenrolle zurecht für den Oscar nominiert. Fonda gibt wie in 12 Angry Man den moralisch Überlegenen und Standhaften in überzeugender Weise und Robinson mimt den skrupellosen Karrieristen in beängstigend glaubhafter Art. Auch Vidal hat einen Cameo-Auftritt: als ein Delegierter.

The Best Man versagt in Hinsicht einer objektiven Auseinandersetzung mit den Themenfeldern „Macht“ und „Politik“. Er thematisiert auf kompromissbereite Weise, wie man in diesen festgezurrten Kategorien dennoch Haltung bewahren kann. Abgesehen davon bietet der Film jedoch durch pointierte Dialoge und überzeugende Schauspieler 98 Minuten gute Unterhaltung.

Der Kandidat erscheint am 11.08 auf DVD

Der Kandidat (1964)
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