(„天空の城ラピュタ“ directed by Mayao Miyazaki, 1986)

Lorenz Mutschlechner

Nur zwei Jahre nach dem gelungenen Nausicaä legte das Studio Ghibli mit Das Schloss im Himmel einen weiteren Animationsfilm der Extraklasse nach. Wiederum ist es Autor und Regisseur Hayao Myiazaki der erneut eine ausgeprägte Phantasie beweist, mit seiner knallbunten Übertriebenheit gleichzeitig aber auch immer sehr naturverbunden wirkt. So spielen ganz ähnlich wie bei Nausicaä auch hier wiederum die Elemente, allen voran mal wieder der Wind, eine wichtige Rolle.

Pazu, der als Lehrling bei den Bergwerken seines Dorfes arbeitet, macht eines Nachts die Bekanntschaft mit Sheete die wortwörtlich vom Himmel gefallen ist. Das Mädchen, dessen Luftschiff in der Eröffnungsszene von Piraten zerstört wurde, konnte den Sturz scheinbar nur aufgrund eines mysteriösen Kristalls überleben, den sie um den Hals trägt. Die beiden Kinder können ihre neu gemachte Freundschaft aber nur sehr kurz genießen, denn die Freibeuter (dessen Anführerin die urkomische „Mama“ Dola ist) haben den Aufenthaltsort von Sheete ausfindig gemacht und lassen durchblicken, dass sie nicht das Luftschiff kentern, sondern ihr blau schimmerndes Amulett haben wollen. Die Ereignisse überschlagen sich regelrecht als sich schließlich auch noch die Armee einmischt die mit Muska einen ebenso zweifelhaft wie geheimnisvollen Berater an der Seite hat.

Miyazaki gönnt dem Zuschauer keine Atempause, es bleibt wenig bis gar keine Zeit um die liebevolle und detaillierte Welt genauer zu betrachten geschweige denn sich mit dem gezeigten Öko- und Sozialsystem näher zu befassen. Während Nausicaaä noch eher gemächlich dahinplätscherte und bemüht war dem Publikum eine ganz bestimmte Thematik ans Herz zu legen, hat Das Schloss im Himmel einen schnellen, actionorientierten und auch etwas sprunghaften Erzählrhythmus der für jemanden der kaum oder gar keine Anime kennt, womöglich etwas befremdend wirkt. Die Animationen wirken nach 25 Jahren (!) überhaupt nicht veraltet sondern sind immer noch ganz große Klasse. Die Hochglanzbilder der nun veröffentlichten deutschen Blu Ray-Edition zeigen eindrucksvoll, dass damals wie heute die asiatische Animationsindustrie seiner Zeit einfach voraus war.

Das Schloss im Himmel ist ein gelungener Mix aus Action und Abenteuer verpackt in einer wirklich grandiosen Optik. Es macht auch als Erwachsener unheimlich viel Spaß gemeinsam mit den Figuren das Geheimnis hinter dem blauen Kristall zu lüften und sich dabei die phantastischen Ideen und visuellen Raffinessen von Miyazaki auf der Zunge zergehen zu lassen.

Oliver Armknecht

Zurück an den Start: Im siebten Teil unseres fortlaufenden Studio-Ghibli-Specials wird es Zeit, sich einmal ein wenig mit den Anfängen der japanischen Animationskünstler auseinanderzusetzen, genauer dem ersten Film des Studios überhaupt. Moment, aber was ist mit Nausicaä aus dem Tal der Winde? Es stimmt, dass das Fantasyabenteuer bereits 1984 – und damit zwei Jahre früher – entstand. Das Studio wurde offiziell jedoch erst 1985 eröffnet, Das Schloss im Himmel damit der erste „echte“ Ghibli. Doch gleich, ob man ihm dem Titel nun zuspricht oder seinem Vorgänger den Vorzug gibt, bedeutend ist der Film auf alle Fälle und zwar als Bindeglied von den Früh- zu den Spätwerken: Viele Merkmale der früheren Filme von Hayao Miyazaki sind auch hier zu finden, gleichzeitig nimmt er Themen vorweg, die später noch eine große Rolle spielen werden.

Zum einen sind die Gemeinsamkeiten zu Miyazakis erstem Spielfilm Das Schloss von Cagliostro nicht zu übersehen. Das betrifft vor allem den ähnlich gelagerten Humor, der sich eher an ein jüngeres Publikum richtet und an typische Samstagnachmittagcartoons erinnert. Die Charakterzeichnungen wiederum wurden sichtlich durch die Zeichentrickklassiker Heidi und Marco beeinflusst, an denen Miyazaki mitgearbeitet hatte. Und auch die Kombination aus einem viktorianischen Setting und den Science-Fiction-Elementen kennt man aus der Serie Sherlock Hound – auch hier hatte der Animationskünstler mitgewirkt.Das Schloss im Himmel Szene 3

Inhaltlich hingegen griff der Japaner einiges auf, das er später noch stärker ausarbeiten sollte: Der Kampf zwischen Mensch bzw. Wissenschaft und Natur, die verheerenden Folge von Kriegen, die Verurteilung von Machtmenschen – all das wird zum zentralen Thema in Prinzessin Mononoke oder auch Das wandelnde Schloss. Doch ganz so düster wie dort wird es hier noch nicht. Das zeigt sich auch an den beiden Hauptfiguren, den Kindern Pazu und Sheeta. Pazu ist ein kleiner Waisenjunge, der eines Tages sieht, wie das dunkelhaarige Mädchen vom Himmel schwebt. Grund für deren Levitationskräfte ist ein leuchtender Stein, den Sheeta um den Hals trägt unter hinter dem nicht nur eine Bande von Piraten, sondern auch die Armee her ist. Schließlich soll dieser Stein der Schlüssel sein zu einem legendären Ort: die fliegende Insel Laputa.

Schon in „Gullivers Reisen“ hatte es ein gleichnamiges Eiland hoch im Himmel gegeben und so wie Jonathan Swift nutzte Miyazaki fantastische Elemente als Vehikel für seine Gesellschaftskritik. Auffällig ist, dass auch hier schon die Unterscheidung zwischen Gut und Böse bewusst in der Schwebe gehalten wird. Ähnlich wie die Hexe aus dem Niemandsland in Das wandelnde Schloss oder der Vater in Ponyo – Das große Abenteuer am Meer wird in Das Schloss am Himmel mit der Piratenanführerin eine Figur zunächst als klarer Widersacher aufgebaut, nur um sie später zu einer liebenswerten Verbündeten zu machen. Aber wie furchterregend kann eine Diebesbande schon sein, wenn der Chef von allen nur „Mama“ genannt wird? Mit denen gehen die beiden Kinder bald durch dick und dünn und stellen sich der übermächtigen Armee entgegen. Das Schloss im Himmel Szene 4

Und so ist Das Schloss im Himmel über weite Strecken auch eine recht klassische Abenteuergeschichte geworden. Erst später, wenn wir Laputa aus nächster Nähe erkunden dürfen, zeigt sich Miyazakis Kreativität und sein Gespür für fantasievolle Szenerien, die er 15 Jahre später in Chihiros Reise ins Zauberland zur Perfektion entwickelt hat. So weit war er 1986 dann doch noch nicht und an vielen Stellen merkt man dem Film auch sein Alter an. Während die Animationen bis heute noch sehenswert sind und die Gebäude mit vielen Details gefallen, sind die Hintergründe dann oft noch recht starr und damit etwas leblos.

Aber auch wenn manches heute etwas altmodisch wirkt, sollte das Ghibli-Debüt in keiner guten Animationssammlung warten. Die flott erzählte Geschichte macht noch heute Spaß, die Charaktere sind liebenswert und die Insel Laputa ein faszinierender Ort. Zeichentrickfans werden deshalb Das Schloss im Himmel auch im Jahre 2013 bestimmt in ihr Herz schließen.

Das Schloss im Himmel ist seit 8. Juli auf Blu Ray erhältlich

Das Schloss im Himmel
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Das Schloss im Himmel
Hayao Miyazakis erster Film fürs Studio Ghibli wirkt aus heutiger Sicht an manchen Stellen vielleicht etwas altmodisch, weist aber schon viele Qualitäten auf, die seine späteren Meisterwerke auszeichneten. Für Sammler und Zeichentrickfans ist "Das Schloss im Himmel" daher gleichermaßen empfehlenswert.
8von 10

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