(„Queimada“ directed by Gillo Pontecorvo, 1969)

Mitte des 19. Jahrhunderts wird der britische Agent Provocateur Sir William Walker (Marlon Brando) zur karibischen Insel Queimada abgesandt. Er soll dort für Unruhe sorgen und der portugiesischen Vorherrschaft ein Ende bereiten.
Die Royal Sugar Company hat es auf die üppigen Zuckerrohrplantagen abgesehen, die dank der verschleppten, afrikanischen Sklaven äußert preiswert betrieben werden können und somit auch hohe Margen abwerfen.

Sir Walker wendet sich zunächst an die hiesigen Aristokraten denen er bald eine Loslösung von Portugal schmackhaft macht indem er auf die immense Steuerlast verweist und an ihre eigene, mittlerweile nicht mehr portugiesische Identität appelliert. Danach sind die ausgebeuteten Arbeitskräfte an der Reihe. Mit seinem Charisma gelingt es ihm sie auf seine Seite zu ziehen bzw. sie in den Glauben zu wiegen er interessiere sich tatsächliche für ihre Freiheit. Der einzige Weg diese zu erreichen wäre demzufolge ein bewaffneter Aufstand. Mit Josè Dolores (Evaristo Márquez) findet der Engländer sehr schnell ein bereitwilliges Opfer der die Sklaven anführen soll.

Der Streifen erstreckt sich über einige Dekaden in denen die politische Entwicklung der fiktiven Antilleninsel beobachtet werden kann. Wer also nichts mit Politkino anfangen kann, sollte diesen Film tunlichst meiden. Allen anderen offeriert Gillo Pontecorvo ein interessantes Machwerk mit deutlich antiimperialistischer Tendenz in der Marlon Brando, der einzige wirkliche Star im Film, nicht nur brillieren sondern sich als charmanter Fiesling austoben darf. Begleitet wird Brando übrigens von einem durchschnittlichen Soundtrack von Ennio Morricone, dessen Haupttheme aber wunderbar zu den Bildern passt.

Wie bei vielen anderen Filmen dieser Zeit dringen auch bei Queimada die damaligen politischen Zustände – 68-Bewegung, Vietnamkrieg – durch und obwohl die Story historisch angesetzt ist fehlte und fehlt es ihr nicht an Aktualität. Ein egoistischer und mit eiserner Hand regierender, womöglich nicht allzu heller Tyrann ist eben lukrativer fürs Geschäft als etwa eine Regierung die verschiedene Interessen – womöglich sogar zur Abwechslung mal die der Bürger – vertritt. Umso besser ist es dann natürlich wenn man maßgeblich daran beteiligt war jenen Despoten an die Macht zu putschen und ihn anschließend zum persönlichen Schoßhündchen gemacht hat.

Der Film ähnelt in seiner Machart dem gut zwanzig Jahre später erscheinende Cobra Verde von Werner Herzog. Auch dort geht es um eine Zuckerplantage und auch dort werden sich schließlich die afrikanischen Sklaven erheben. Herzog hat allerdings einen weniger politischen Weg eingeschlagen sondern hingegen der Hauptfigur mehr Profil und Tiefe verliehen. Interessant ist übrigens auch die Tatsache, dass Queimada zunächst eine spanische Kolonie sein sollte, auf Druck des damaligen Franco-Regimes wurde diese Idee aber schließlich wieder fallen gelassen.

Leider handelt es sich bei dieser neuen DVD-Veröffentlichung um eine gekürzte Fassung, es fehlen gut 20 Minuten Filmmaterial. Auch die Bildqualität lässt dabei zu wünschen übrig. Die DVD wirkt keineswegs wie ein zeitgemäßes Produkt sondern wie B-Ware eines Discounters und bietet auch keine weiteren Extras. Schade, denn der Film hätte wahrlich ein besseres Release verdient gehabt.

Queimada – Insel des Schreckens erscheint am 16. Juni auf DVD



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Queimada – Insel des Schreckens
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