(„十三人の刺客“ directed by Takashi Miike, 2010)

Etwa vier Jahre ist es nun her, dass Sukiyaki Western Django erschienen ist, doch wer glaubt der unermüdliche Takashi Miike hätte in dieser Zeit geschlafen irrt gewaltig. Nicht weniger als sechs Spielfilme brachte der Japaner in dieser kurzen Zeit auf die Leinwand, doch nur sein aktuellster, 13 Assassins, erlange anscheinend wieder größeres Interesse bei uns im Westen und ist nun auch auf Blu Ray und DVD erschienen.

Wie dem auch sei, Miike gilt als einer der angesehensten und aktivsten Filmemacher unserer Zeit und deckt eine immense Palette an Thematiken ab. Es fällt von daher schwer sein Gesamtwerk stur irgendwo einzuordnen oder gar einzelnen Genres zuzuweisen. Ohne jeden Zweifel ist er vor allem wegen des oft sehr hohen Gewaltpegels seiner Filme bekannt, eine Tatsache die man nicht von der Hand weisen kann und vielen wohl auch nicht bekommt, die aber auch nicht überbewertet werden sollte. Seine Filme wirken fast immer detailversessen, authentisch aber zugleich bizarr und überzogen.

Mit 13 Assassins erweckt Takashi Miike das Samurai-Zeitalter erneut zum Leben doch er erfindet das Rad keineswegs neu sondern modernisiert das Ganze, natürlich in Hochglanzoptik. Es ist ein Remake des gleichnamigen und 1963 entstandenen Films von Eiichi Kudo und erzählt die Story von – wie sollte es auch anders sein – dreizehn Samurais die die Schreckensherrschaft von Graf Naritsugu Matusdaira (Gorô Inagaki), dem perversen und sadistischen Halbbruder des Shogun, beenden wollen.

Unter der Führung von Shinzaemon Shimada (Chiezo Kataoka) wird ähnlich wie in Die sieben Samurai zunächst eine Truppe aus ehrenwerten Männern geformt um dann gegen den Schurken in den Krieg zu ziehen. Grob betrachtet bleibt der Handlungsablauf mehr oder weniger derselbe wie beim Epos von Akira Kurosawa, der eklatante Unterschied ist allerdings, dass hier nicht gegen irgendwelche Bösewichte sondern vielmehr im Lone Wolf & Cub Stil, sozusagen gegen die Regierung vorgegangen wird, was Miike übrigens dazu nutzt ein paar marxistische Plattitüden von sich zu geben.

Man sollte das Ganze aber vielleicht nicht so politisch betrachten, sondern sich einfach von der wirklich atemberaubenden Optik und dem exzellent inszenierten Endkampf fesseln lassen. Das japanische Mittelalter wurde sehr präzise wiedergegeben und streckenweise hatte ich das Gefühl einen Kurosawa in HD zu sehen. Ich hatte eigentlich in jeder Sekunde der insgesamt ca. 2 Stunden Laufzeit mit einer Überraschung gerechnet, etwa eine makabere und unerträgliche Szene oder einfach nur eine schrille Figur die so überhaupt nicht zur dargestellte Epoche passt, doch Miikes Film offenbart sich in dieser Hinsicht als äußert herkömmlich, ja fast schon wie Mainstreamkino.

Wer ein Faible für Samurais hat oder Fan dieses ausgezeichneten Filmemachers ist sollte sich dieses Abenteuer nicht entgehen lassen. Das Bild und Ton der gesehenen Blu Ray brauchen sich wahrlich nicht zu verstecken, lediglich bei den Extras hätte man außer den Programmtipps des Verleihs noch was hinzufügen können. Das vorhandene Wendecover verhindert übrigens, dass das FSK-Logo dieses tolle und so im Film nicht vorkommende Bild „ziert“.

13 Assassins ist seit 7. Juni auf Blu Ray und DVD erhältlich

13 Assassins
3.67 (73.33%) 3 Artikel bewerten

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2 Responses

  1. projekt2501

    Der Film ist schwer und sperrig.
    Die vielen Namen und Orte, die ermüdenden Beschreibungen und Erklärungen der Situation…danach erfolgt ein Abschlachten, das zusehens sein Ziel verliert. Brutal ohne zu explizit oder Splatter zu sein, aber auch ohne damit in irgendeine Richtung zu weisen.
    Irgendwie ist das Ende schön, aber es blickt auf nichts Bewegendes zurück. Es wird nicht emotional aufgeladen. Die merkwürdigen Charaktere kommen nicht nah. Der Film bleibt zu sehr im Historischen, an dem sich Miike vielleicht verhoben hat. Statt die durchaus vorhandenen Konflikte der Figuren auszuarbeiten, bleibt alles so unterkühlt wie die japanische Mimik. Dafür ist die Gestik oftmals überdreht.

    Sinnlos wie Seppuku/Harakiri selbst bleibt der Tod vieler Figuren. 13 assassins versucht dem auch keinen Sinn abzugewinnen, was wohl Absicht ist. Vielleicht handelt es sich, ähnlich dem Spätwestern, um einen Spätsamuraifilm, der seine Helden anachronistisch verankert und die Sinnlosigkeit der Fortführung ihrer Existenz herauskehrt. Dieser melancholisch-poetische Blick auf die Glorie und Brutalität vergangener Tage, die zuletzt nur noch dem sadistischen und gewallttäigen Fürsten gefallen, ist vielleicht die bemerkenswerteste Leistung von 13 Assassins, der sonst eher schwer zu schlucken ist.

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