(„Sukiyaki Western Django“ directed by Takashi Miike, 2007)

Ich hatte mich schon länger darauf gefreut und nun war es endlich soweit. Einer der aktuellsten Takashi Miike-Streifen mit Quentin Tarantino in einem durchgeknallten Asia-Western? Was braucht man mehr? Man möchte meinen nichts, doch nach ca. 2 Stunden Laufzeit war ich doch etwas enttäuscht vom Großmeister. Keine Sorge, auch diesmal beweist der Japaner wieder welches Potenzial in ihm steckt aber die Story fand ich für seine Verhältnisse hier fast zu linear und vorhersehbar. Vermutlich war das aber bewusst so gewählt, denn schließlich ist das Ganze wie der Titel bereits verrät unter anderem eine Hommage an den Spaghetti-Western mit viel Stil, typisch- japanischen Freak-Charakteren und schrillen Farben.

Es ist schon eine Weile her dass ich meinen letzten Miike-Flick hinter mir habe und eigentlich dachte ständig es müsse bald etwas Grauenhaftes und Unerwartetes passieren, doch dem war nicht so. Sukiyaki Western Django beginnt mit der Ankunft eines namenlosen Outlaw (Hideaki Ito) und endet mit einem pathetischen Showdown mit dem dazugehörigen wie obligatorischen Schneefall. Nicht etwa weil es Sinn macht dass nach ca. 1 Minute die staubtrockene Wüste in fast 1 Meter Schnee versinkt, sondern weil es schlicht gesagt einfach cool wirkt. Der Hauptplot erzählt also von einem Gunman der in ein verschlafenes Goldgräberstädtchen namens Yuta ankommt. Dort hausen seit einiger Zeit zwei blutdürstige und goldgeile Clans, die Heike von Kiyomori (Koichi Sato) und die Genji unter der Führung von Yoshitsune (Yusuke Iseya). Die Banden sind leicht voneinander trennbar, bevorzugen die zuerst ins Dorf eingedrungenen Heike doch die Farbe Rot, die Genji’s hingegen unschuldiges Weiß. Ihr gemeinsames Ziel ist der sagenumwobene Schatz der sich ganz in der Nähe befinden soll. Der Neuankömmling erweist sich schnell als tödlicher Scharfschütze und soll sich nun für eine der beiden Gangs entscheiden. Die Heike können sich bereits mit der „Mitgliedschaft“ des hiesigen Sheriffs (Teruyuki Kagawa) rühmen die Genji’s hingegen haben mit Shizuka (Yoshino Kimura) eine äußerst attraktive Brünette für den Gunslinger bereitgestellt…

Die Story ist durchaus interessant, das Hauptaugenmerk liegt aber vor allem an der Ästhetik und den schrägen Charakteren. Der Film wurde vom Gempei-Krieg inspiriert Miike transportiert aber das Ganze in einem Far West. Die Performance seiner Akteure ist dabei genial und die Bilder überwältigend. Vor allem die furiose Killerin Benkei (Renji Ishibashi) hat es mir dabei angetan. Den eindeutigsten Verweis auf den legendären Django von Sergio Corbucci dürfte wohl auch niemand übersehen haben, wenn Kiyomori eine Gatling aus einem Sarg zieht und damit rummarschiert. Lediglich die Art wie er die Waffe führt erinnerte mich eher an den guten alten Sex Machine aus From Dusk Till Dawn als an einen klassischen Western.

Die eingangs erwähnte Enttäuschung rührt lediglich daher, dass für mich hier Miike zum Ersten mal durchschaubar war. Ein Regisseur der mir bisher immer Ungesehenes bieten konnte weicht hier leicht zugunsten der Mainstreamtauglichkeit von seinem unkonventionellen Stil ab. Andererseits sind doch noch zu viele Elemente enthalten die vermutlich einem 0815-Kinobesucher und Free-TV-Viewer hart auf den Magen stoßen werden, vielleicht bin ich in dieser Hinsicht einfach zu abgestumpft. Mal abgesehen von meinem Geplärr ist der Film wärmstens zu empfehlen zumal sich Takashi Miike immer noch seiner Zeit meilenweit voraus ist. Erwähnenswert auch der für den Sound Verantwortliche Graeme Revell, den wohl Tarantino angeschleppt haben dürfte.

Übrigens habe ich mich diesmal entschieden ein japanisches Poster zu nehmen, das leicht abgewandelte und mit Schriften überklebte Cover der gesehenen UK-DVD finde ich persönlich ja überhaupt nicht toll.

Sukiyaki Western Django
4 (80%) 12 Artikel bewerten

Sukiyaki Western Django
8von 10

Über den Autor

Ehemaliger Autor

Eine Antwort

  1. Breakout

    Nachdem ich den Film heute gesehen habe, bleibe ich sehr beeindruckt zurück. Ich bin – zugegeben – kein Kenner oder Liebhaber des Genres aber dieser Streifen hatte in jedem Fall das Vermögen zu unterhalten – durch Story, Charaktere und Anspielungen. Und rein graphisch/optisch natürlich sowieso ein Genuss. Nur ob Gollum so direkt hätte verarbeitet werden müssen, frage ich mich. Teilweise drifteten manche Szenen dann doch in Klamauk ab (z.B. auch die „Menschliches Schild“-Szene).

    Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.