(„The Road“ directed by John Hillcoat, 2009)

Filme mit postapokalyptischen Szenarios haben anscheinend ihren Reiz noch lange nicht verloren. Während dieses Jahr bereits Denzel Washington in The Book Of Eli durch eine düstere und staubige Landschaft wandern durfte, hat es nun auch der neue Film von John Hillcoat in die hiesigen Kinos geschafft.

Zwei Namenlose, ein Mann (Viggo Mortensen) und sein Sohn (Kodi Smit-McPhee), streifen mit ihrem Einkaufswagen durch das kaum bevölkerte und karge Land. Die Vegetation scheint fast gänzlich ausgestorben zu sein, hin und wieder kracht lediglich ein morscher Baum nieder. Feuerfelder erhellen die dunkle Nacht und Kälte beutelt die beiden Vagabunden, die entweder in selbstgebastelten Zelten oder Autowracks übernachten. Doch nicht nur die Umwelt ist ihnen feindlich gesinnt, von den wenigen Überlebenden Menschen haben sich Räuberbanden gebildet, Kannibalismus war für viele nur eine logische Folge als man keine Tiere mehr vorfand.

Die Ursprünge des Endzeitszenarios das wir vorfinden werden zunächst nicht näher erklärt und auch später erhält man durch die spärlich gestreuten Rückblenden keine wirklichen Infos darüber was tatsächlich passiert ist. Die Flashbacks dienen primär nur dazu um die Ehefrau des Mannes (Molly Parker) darzustellen. Nachdem sie ihren Sohn in einer postapokalyptischen Welt geboren und wenige Jahre aufgezogen hat, verlässt sie eines Nachts ihre Familie, sie erträgt nicht mehr die furchteinflößenden und brutalen Lebensumstände. Seitdem wandern Vater und Sohn nach Süden um so wenigstens der beißenden Kälte des Nordens zu entfliehen.

Zeitweise wirkt Mortensen – vor allem optisch – wie Ogami Itto, der Lone Wolf, der mit seinem Sohn und einen Karren durch eine lebensbedrohliche Welt marschiert und sich diversen Herausforderungen stellen muss. Die den Umständen entsprechend schwierige Vater-Sohn-Beziehung ist dabei aber immer im Vordergrund. The Road setzt weniger auf Action und schlachtet auch nicht menschenfressenden Horrorszenarien bis zum abwinken aus, sondern schafft es den Zuschauer auf einer emotionalen Ebene zu berühren.

Wie schon in seinem vorherigen Film, The Proposition, weist auch Hillcoats neuester Spielfilm öfters Längen auf, der Streifen wird deshalb aber keineswegs fad, sondern man darf sich am visuell wirklich grandios umgesetzten Szenario erfreuen. Mortensen spielt hier wirklich grandios, es ist beachtlich wie er es schafft den Schmerz, die Verdrossenheit und den ständigen Selbstmordgedanken die seine Figur hegt, über die Leinwand in den Kinosaal zu transportieren. Obendrauf gibt es dann noch, den unter der Maske, fast nicht wiederzuerkennenden Robert Duvall und auch Hillcoats Landsmann Guy Pearce darf sich gegen Ende des Films nochmal kurz blicken lassen.

The Road erweist sich als atmosphärisch und optisch makellos, er fesselt von der ersten Minute an und lässt einen nicht mehr los. Im direkten Vergleich zu The Book Of Eli schneidet er bei mir in allen Punkten besser ab. Die Glaubensthematik findet übrigens auch hier ihren Platz, sie wird allerdings nicht so breitgetretenen wie im Hughes-Pendant, oder anders ausgedrückt, John Hillcoat gestaltet dies nicht so penetrant wie etwa seine Kollegen.

Die Story selbst basiert übrigens auf einen Roman von Cormac McCarthy, der auch schon die Vorlage zu No Country For Old Men der Coen-Brüder lieferte. Bei der Musik setzte man wiederum auf Nick Cave, diesmal unterstützt von Warren Ellis (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Comicbook-Autor), die dem Ganzen einen artgerechten Klangteppich verpassen.

Abschließend noch ein kleiner Tipp, den ich selbst erst vor kurzem entdeckt habe und der vor allem Kennern des Videospiels gefallen dürfte: Red Dead Redemption: The Man From Black Water. John Hillcoat dirigierte diesen Kurzfilm zu einem der genialsten Games das mich nach längerer „Videospiel-Abstinenz“ nächtelang bestens unterhalten konnte.

The Road
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