(„Tamara Drewe“, directed by Stephen Frears, 2010)

Tamara Drewe ist eine in England sehr bekannte und beliebte Comicserie, die nun von Stephen Frears in einem Film verarbeitet wurde. Nach Werken wie dem Kostümfilm Gefährliche Liebschaften, dem Western The Hi-Lo Country oder dem politischen Porträt der Adelsfamilie in Die Queen ist Frears’ neuer Film einer der wenigen Ausflüge in das rein komische Fach, das Frears wie alle anderen Genres meisterhaft zu beherrschen scheint. Stilsicher, pointiert und mit einem exakten Gefühl für Timing lässt er Tamara Drewe zu eine der erfrischendsten, komischsten und sympathischsten Komödien des Kinojahres 2010 werden.

Frears neuer Volltreffer spielt in Ewedown, einem kleinen englischen Kaff, indem es nur eine Handvoll Einwohner zu geben scheint. In der ländlichen Idylle leben und arbeiten ein paar Schriftsteller, die mehr oder weniger erfolgreich versuchen, in dieser ruhigen Atmosphäre ein literarisches Meisterwerk zu schaffen. Mit der Idylle ist es bald vorbei, als Tamara Drewe (Gemma Aterton) plötzlich in das Dorf zurückkehrt, in dem sie aufgewachsen ist. Aufgrund einer voluminösen Nase damals von allen verspottet, hat sich Tamara von einem hässlichen Entlein zum schönen Schwan entwickelt und verdreht allen Männern im Dorf den Kopf. Als sie eine Affäre mit dem Rockstar Ben (Dominic Cooper) beginnt, löst sie mehr oder weniger freiwillig eine Reihe von Verwicklungen aus, die ins Chaos führen. Auslöser für die folgenden Dramen um Eifersucht und Stolz sind aber zwei gelangweilte Schülerinnen, von denen eine auf Tamaras Geliebten Ben „abfährt“ und alles daran setzt, die beiden Turteltauben auseinander zubringen, um selbst mit Ben glücklich sein zu können.

Das größte Plus des Films sind sicherlich die verschrobenen, schrulligen Charaktere, allesamt Karikaturen ihrer selbst, so etwa die maskuline Autorin von Lesbenkrimis, der erfolgreiche Krimiautor, der stets seine Frau betrügt oder der erfolglose Professor mit Schreibblockade. Würde dieser Film komplett auf seine Witze verzichten, würden diese Figuren nach wie vor einen höchst unterhaltsamen Spaß garantieren, da es unheimliche Freude bereitet, ihnen zuzuschauen und bei ihren Unternehmungen folgen zu können. Bei Tamara Drewe ist nun doppelter Spaß garantiert, da das Drehbuch mit sarkastischen, lakonisch-britischem Humor und pointierten One-Linern von Beginn bis zum Ende aufwartet. Frears – und auch die großartigen Schauspieler – haben ein exaktes Gefühl für Timing, das dazu führt, dass jeder Gag perfekt funktioniert und man aus dem Schmunzeln und herzhaftem Lachen nicht herauskommt.

Die Geschichte ist originell, höchst unterhaltsam, treffsicher, sardonisch, auf britische Weise sehr böse, die Charaktere einzigartig, der ganze Film voll gepackt mit skurrilen Ideen und die Witze funktionieren deshalb so gut, weil sie nicht vorhersehbar oder albern sind. Den Comics ist es zu schulden, dass der gesamte Plot bald etwas konstruiert anmutet, doch all die positiven Aspekte dieser großartigen Komödie lassen dies schnell vergessen. Eine erfrischende Komödie, die man sich nicht entgehen lassen sollte!

Immer Drama um Tamara
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Immer Drama um Tamara
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