(„Invictus“ directed by Clint Eastwood, 2009)

Clint Eastwoods Filme können mich eigentlich immer von der ersten Minute weg fesseln, da machte Invictus auch keine Ausnahme. Der Mann begeisterte mich im Vorjahr gleich mit zwei tollen Streifen, Gran Torino und Der fremde Sohn, doch von einer Ruhepause scheint die mittlerweile 80 jährige Filmlegende nichts zu halten. Anfang des Jahres hatte ich leider die italienische Kinoaufführung verpasst und für die Deutsche dann keine Gelegenheit mehr bekommen, nun durfte ich endlich und passend zur Fußball WM in Südafrika, das Ganze dank Disc-Release auf heimischen Bildschirm nachholen.

Basierend auf einen Roman von John Carlin, widmet sich Eastwood diesmal der Persönlichkeit von Nelson Mandela. Es geht dabei aber weniger um eine ausführliche Biographie, sondern man konzentriert sich auf die Rugby WM im Jahre 1995 die in Südafrika stattfand. Ein Jahr also nach Mandelas (Morgan Freeman) Wahl zum Präsidenten, sieht dieser im Sportereignis eine einmalige Chance das zuvor durch die Apartheid gespaltene Land zu einen. Die Rugbynationalmannschaft des afrikanischen Staates, die sogenannten Springboks, sind nicht gerade das was man ein Gewinnerteam nennen würde. Viel wichtiger ist aber ihr politischer Status. Während offiziell eine neue Flagge eingeführt wurde, spielen die Boks immer noch in den alten Farben, singen die von der schwarzen Mehrheit verschmähte Nationalhymne und sind so, der über lange Jahre hinweg unterdrückten Gesellschaftsschicht, natürlich ein Dorn im Auge.

Bis auf Chester, besteht die Mannschaft ausschließlich aus weißen Spielern und wird durch Kapitän François Pienaar (Matt Damon) angeführt. Pienaar wird es später sein der als Schnittstelle zwischen Präsident und Sportmannschaft fungieren wird. Bis es aber soweit ist, hat Mandela viel Überzeugungsarbeit vor sich, schließlich sorgen seine politischen Entscheidungen für viel Unmut und stoßen vor allem bei der schwarzen Bevölkerung auf Ablehnung.

Anders als wohl mancherorts erwartet befindet sich der charismatische Politiker auf keinem Rachefeldzug gegen seine ehemaligen Peiniger sondern steht für Vergebung und Einigung ein. Nicht gerade selbstverständlich, wenn man bedenkt dass Mandela eine dreißigjährige Haft hinter sich hat, in der er übrigens immer wieder Kraft aus dem Gedicht Invictus von William Ernest Henley schöpfen konnte. Diese Poesie wird dann nicht nur zum Titel des Film sondern auch das Leitmotiv der Boks sein, die es gegen alle Erwartungen tatsächlich schaffen den WM-Sieg einzufahren. Viel wichtiger als der Sporterfolg ist aber natürlich der Kraftakt Mandelas, der das Event sozusagen als Katalysator um seinen Land Aufschwung zu verleihen zu nutzen wusste.

In den etwas mehr als zwei Stunden wechselt Eastwood angenehm oft zwischen Rubgy-Action und ruhigeren Parts hin und her, so dass nie das eine oder andere überwiegen. Neben der soliden Leistung von Damon, was an dieser Stelle als Kompliment zu betrachten ist denn nicht immer kann ich seiner Präsenz Gutes abgewinnen, brilliert ein Morgan Freeman in Bestform. Wenn er in den letzten Jahren recht unspektakuläre Rollen in zweiter Reihe übernahm (ich denke da z.B. an Wanted oder Nolans Batman), verdankt Invictus seinen Erfolg zum großen Teil mit Sicherheit seinem Schauspiel. Er geht in seiner Figur vollends auf und kopiert Mimik und Gestik des Friedensnobelpreisträgers und ehemaligen Präsidenten hervorragend.

Natürlich bietet dieser Film einen perfekten Nährboden für patriotische Plädoyers, die wie wir alle wissen, Eastwood ja sehr gerne in seinen Werken einbaut. Auch wenn es während des Films so vorkommt als hätte es der gute Clint diesmal ein klein wenig übertrieben, so muss ich zugeben, passte am Ende einfach alles. Invictus platziert sich im diesjährigen Kinojahr ganz klar irgendwo an der Spitze der Topfilme und übertrifft für mich persönlich knapp Gran Torino.

Genau wie dort ist auch diesmal wieder Eastwoods Sohn Kyle für die Musik verantwortlich und schafft einen ausgesprochen schönen Soundtrack, der neben den ergreifenden Bildern, nochmals für einen Extraschub an Gefühlen sorgt.Eastwood beweist also das politische Themen nicht zwingend trocken gehalten werden müssen um eine Daseinsberechtigung zu haben. Er baut um Freeman’s Glanzleistung einen fesselnden Streifen, der mit von ihm gewohnter, handwerklicher Präzision über die gesamte Dauer zu entzücken vermag. Die sauberen und perfekt montierten Bilder machen übrigens auch nicht halt wenn er das Geschehen auf dem Sportrasen festhält, was letztendlich selbst die Rugbyspiele zu einem optischen Leckerbissen werden lässt.

Invictus – Unbezwungen erst jetzt gesehen zu haben, ist eigentlich unverzeihlich, für mich eindeutig ein Kinohighlight des Jahres, das man unbedingt gesehen haben sollte.

Invictus – Unbezwungen
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