(„The Men Who Stare At Goats“ directed by Grant Heslov, 2009)

Bob Wilton (Ewan McGregor) ist Reporter eines kleinen Lokalblattes. Nachdem ihm seine Frau (Rebecca Mader) wegen eines anderen Mannes verlassen hat, beschließt er in den Irak zu fliegen um über die dortigen Kriegsgeschehnisse zu berichten.  Dort angekommen stößt er per Zufall auf Lyn Cassady (George Clooney) einem Mitglied der früheren New Earth Army, einer amerikanischen Militäreinheit die im Feld der Parapsychologie experimentierte. Lyn verrät dem Journalisten interessante Details und schildert ihm ausführlich die erhaltene Kampfausbildung unter Bill Django (Jeff Bridges). Die New Earth Army operierte in den 80ern und brachte die sogenannten Jedi-Krieger hervor. Diesen Supersoldaten war es angeblich unter anderem möglich allein mit ihrer mentalen Kraft Einfluss auf ihre Umwelt zu nehmen, Lyn Cassidy war der Beste von ihnen.

Bill hatte zwar zuvor in den USA schon einmal eine ähnliche Geschichte gehört, hielt sie damals aber für das Gefasel eines paranoiden Verrückten. Nun wittert er aber eine Enthüllungsstory, die eine gänzlich neue Seite der mächtigsten Armee der Welt ans Tageslicht fördern soll. Als Lyn schließlich auch noch zugibt dass er derzeit an einer geheimen Operation arbeitet weicht Bob ihm nicht mehr von der Seite. Männer die auf Ziegen starren ist ein durchaus interessantes Werk, das allerdings ein wenig daran krankt dass (aktuelle) politische Debatten zwar angerissen, dann aber nur halbherzig behandelt werden. Da werden z.B. private Sicherheitsfirmen oder gierige Geschäftsmänner die im Irak operieren kurz eingeblendet nur um das Thema dann aber wieder nichtssagend fallen zu lassen.

Grant Heslov, der sich auf  eine real existierende US-Einheit bezieht (First Earth Battalion) und seine Story auf das gleichnamige Buch des Autors Jon Ronson basiert, zeigt zu oft den moralischen Zeigefinger ohne eine Erklärung abzuliefern und verliert sich gegen Ende mit seiner Geschichte wortwörtlich in der Wüste, was leider das Gesamtbild der ansonst sehr herrlich überzogenen Geschichte trübt. The Men who stare at goats, komprimiert und betrachtet als Unterhaltungsfilm, positioniert sich aber dennoch etwas über dem Durchschnitt.

Im Starensemble gefällt vor allem Jeff Bridges aber auch der hier durchaus witzige Clooney ist es Wert gesehen zu werden. McGregor wirkt hingegen ein bisschen wie ein zweitklassiger Lückenfüller; Spacey’s Figur wurde mir einfach zu wenig genutzt was den genialen Schauspieler leider auf die hinteren Ränge befördert. Die Art und Weise wie Heslov seine Story vorantreibt, der trockene Humor und die Szenebilder erinnerten mich an die Coen-Brüder, was aber wohl auch daran liegt dass Bridges seine coensche Paraderolle, den Dude, ein wenig aufblitzen lässt.

Den großen Coup landet der Regisseur dann aber ganz einfach deshalb nicht weil die Satire über den Irak nur bedingt greift und der Film eher zu einer Komödie mit beachtenswerten Nuancen verkommt. Zu oft verfällt er in einem zu ernsten Ton anstatt dem Narrenhaus einfach freien Lauf zu lassen, schade aber dennoch kein Grund einen Kinobesuch auszuschlagen.  Trotz des Unterhaltungswertes sollte man dennoch eine Vorliebe für skurrile Filme mit derartigem Humor mitbringen, dann – und nachdem die anfängliche Enttäuschung etwas abgeklungen ist – wird man nämlich auch diesen Streifen sofort in sein Herz schließen egal ob man nun inhaltlich hätte mehr rausholen können oder nicht.

Männer die auf Ziegen starren
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3 Responses

  1. C.H.

    Die Art und Weise wie Heslov seine Story vorantreibt, der trockene Humor und die Szenebilder erinnerten mich an die Coen-Brüder, was aber wohl auch daran liegt dass Bridges seine coensche Paraderolle, den Dude, ein wenig aufblitzen lässt.

    Und ich hätte nichts dagegen gehabt, wenn man Bridges und Clooney zwei Stunden übers Ausbildungscamp hätte tanzen lassen. Einfach mal schön die gesamte Zeit mit der Ausbildung und dem Fall der Jedis beschäftigt, und die ganze Angelegenheit wäre eine richtig runde Sache geworden…

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  2. Candide

    C.H. :
    Einfach mal schön die gesamte Zeit mit der Ausbildung und dem Fall der Jedis beschäftigt, und die ganze Angelegenheit wäre eine richtig runde Sache geworden…

    Ja, wäre mit Sicherheit auch eine gute Sache gewesen. Wie gesagt: weniger anreißen und mehr ins Detail gehen wäre hier wohl die bessere Wahl gewesen.

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  3. Ijon Tichy

    Ich finde, dass der Film vor allem im letzten Drittel (besonders das Ende) dann doch gegen die Wand fährt. Alles andere hat Candide ja bereits in seiner treffenden Rezension geschrieben.

    Clooney zwischen „Three Kings“ und „O Brother where art thou“ oder Jeff Bridges wie in „Big Lebowski“ sind eindeutig die Lichter eines durchwachsenen Streifens, der insgesamt zuviel Schattenseiten hat.

    Anschauen kann man ihn schon einmal, aber bei den Namen und dem Potential darf und kann man mehr erwarten, weshalb ich meinen DVD-Kauf im nachhinein doch bereue, wobei im Bonusmaterial ein sehenswertes Feature über das echte First Earth Batallion enthalten ist.

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