(„Klaus Kinski – Mein liebster Feind“ directed by Werner Herzog, 1999)

Klaus Kinski - Mein liebster FeindDen Titel hätte Werner Herzog wohl kaum besser wählen können und auch das Cover der DVD spricht Bände. Übrigens handelt es sich hier um eines von Herzogs Lieblingsbildern. Dies und vieles mehr verrät der deutsche Regisseur in seiner 95 minütigen Dokumentation über Klaus Kinski die er acht Jahre nach dessen Tod gedreht hat.
Wenn die fünf Spielfilme des Duos Herzog-Kinski äußerlich perfekt erscheinen mögen, so weiß jeder der sich minimal damit beschäftigt hat, dass es hinter den Kulissen nicht immer rosig aussah. Der für seine Wutanfälle und unzählige Vertragsbrüche bekannte Kinski machte es auch seinen langjährigen Bekannten Herzog fast nie leicht. Ich würde ihre Beziehung nicht als Freundschaft definieren und doch lässt uns der Regisseur durchblicken dass irgendwie doch eine tiefe Verbundenheit vorherrschte, ähnlich einer brüderlichen Hass-Liebe.
Nachdem uns Herzog sein altes Wohnhaus präsentiert in dem auch Kinski aufwuchs und Stunden damit verbrachte vor dem Spiegel Sprachübungen zu machen, nimmt er den Zuschauer auf eine Reise nach Peru mit, wo er anhand der Originaldrehplätze seine Erinnerungen vor allem zu „Aguirre – Der Zorn Gottes“ und „Fitzcarraldo“ rekonstruiert. Immer wieder werden seine Worte von Filmausschnitten aber vor allem durch höchst interessante Aufnahmen zu den Dreharbeiten selbst unterbrochen. Der Betrachter bekommt Kinski in voller Pracht präsentiert wie er leibt und lebte. Ohne ihn zu diffamieren oder lästernd zu wirken, schildert uns Werner Herzog wie schwierig es war mit einen Egozentriker par exellence wie es Kinski war zusammenzuarbeiten. Die ständigen Tobsuchtanfälle, die Panik die er vor dem Dschungel hatte oder auch Mordpläne die einige Indianer hegten die als Statisten in „Fitzcarraldo“ von Kinskis Person terrorisiert waren, brachten mich nicht nur einmal zum schmunzeln. Andererseits verleiht Herzog seine Anekdoten meistens einen sehr ernsten Ton und unterstreicht auch nochmals dass auch er dran und drauf war „den Klaus“ umzubringen. Gegen Ende von „Aguirre“ sah er sich sogar gezwungen seinen Hauptdarsteller mit einem Gewehr davon abzuhalten abzureisen und somit einen Vertrag einmal mehr zu brechen.
Herzog spricht dann auch mit anderen Kollegen und Schauspielern wie Eva Mattes oder Claudia Cardinale, wobei es auffällt dass vor allem diese beiden, die jeweils einen weiblichen Part neben Kinski spielten, Kinski als sehr lieblichen und zärtlichen Mann beschreiben. Eine Facette die Werner Herzog nur sehr selten vom Blondschopf zu spüren bekam, in der Regel gab er ihm nämlich lieber Hinweise wie die Aufnahmen auszusehen hätten und welche Mitarbeiter zu entlassen wären.
Wie seine langsame und beruhigende Redensart erscheint Herzog auch damals in den 70-80ern als Regisseur nie die Nerven zu verlieren. Wenn Kinski tobte, die Indianer sich erschrocken abwandten und der Rest der Crew entweder terrorisiert war oder sich vor lachen den Bauch hielt, bewahrte er (zumindest in den Aufnahmen die man sieht) immer eine Gelassenheit, die wie Herzog erklärt, für die Indios noch furchteinflößender als Kinskis Geschrei war. Vermutlich war es genau diese extrem unterschiedlichen Charaktere, dieses Yin-Yan, das Geheimnis ihres Erfolgs und so muss auch Herzog zugeben dass die beiden Persönlichkeiten kombiniert eine hoch explosive Mischung ergaben.
Insgesamt fand ich die Dokumentation sehr objektiv gehalten. Herzog versucht anhand Zeugen und Bild- bzw. Tonmaterial eine möglichst ungefiltertes Abbild zu schaffen, lässt allerdings auch nicht Dinge aus die Kinski zu Lebzeiten zur Weißglut gebracht hätten. So wirkt seine immer wieder in Spiel gebrachte Naturverbundenheit wie ein reiner PR-Trick, überhaupt verstand es Kinski sich ein bewusstes Image zu schaffen, seine Besessenheit scheint also nicht im Film halt gemacht zu haben. Die Perfektion und Professionalität die er allerdings an den Tag legte wird bis heute von allen Befragten bezeugt und hervorgehoben. Auch wenn er am Set schlicht gesagt ein egomanisches Arschloch war der jeden und alles kritisierte und vollkommen durchdrehte wenn er nicht im Mittelpunkt stand, muss selbst Beat Presser – Herzogs Fotograf bei einigen seiner Filme – zugegeben dass Kinski mit seinen Vorwürfen eigentlich immer richtig lag.
Dass später der Ausnahmeschauspieler in seiner Biographie über Herzog sehr abfällig und beleidigend schreibt, scheint diesen nicht wesentlich zu kümmern aber ob ihm Kinski seit seinem Tod im Jahre 1991 fehlt kann er sich dann allerdings nicht so Recht entscheiden. Sicher sei nur dass Klaus sein Talent vergeudet hatte und bereits während „Cobra Verde“ wie ein verglühter Komet wirkte.

Klaus Kinski – Mein liebster Feind
3.88 (77.6%) 25 Artikel bewerten

Eine Antwort

  1. Parker

    Hab die Doku jetzt auch endlich gesehn und fand sie sehr gut. Einer der besten Portraits an die ich mich erinnern kann.

    Trotzdem finde ich ganz und gar nicht, dass Werner Herzog objekt bleibt. Er stellt sich viel mehr ins Rampenlicht und gibt sich als das eigentliche Mastermind, das die Bestie Kinski zügelte und lenkte. Nicht sehr ehrenvoll aber menschlich.

    Auch wenn Herzog es im Film leugnet, doch Kinski hatte recht wenn er sagte Herzog sei wahnsinnig. Das bewies dieser doch ständig mit seinen irren Ideen und Projekten auf die sich kein anderer Regisseur jemals eingelassen hätte.
    Herzig ist ausserdem genauso selbstverliebt und kindisch, wie er es Kinski vorwirft. Er führt mit „Mein liebster Feind“ an vielen Stellen den Kampf weiter den er mit Kinski ausgefochten hat, beispielweise wenn er den genialen Schaupielerals dumm oder feig bezeichnet. Oder aber auch als er ihn mit Hollywood gleichsetzt nur weil Kinsky eine Großbildaufnahmen der Landschaft wollte, um somit die „Natur für den Film auszubeuten“ (O-Ton Herzog). Ziemlich kontroverse Aussage für einen Regisseur der eine Schneise in den Dschungel schlagen lässt um ein Schiff über einen Berg zu transportieren.

    Kinski ist und bleibt einzigartig, und sogar ein Werner Herzog schaffte es nicht ihn in ein wirkilch passendes Portrait zu pressen. Schade, dass der Mann „verglüht“ ist und bis zum Schluss keine Ruhe gefunden hat. So genial er als Schauspieler war, als Mensch ist Kinski nur zu bedauern und löst bei mir eine unbehagliche Sehnsucht aus ihm irgendwie helfen zu wollen, es aber niemals zu schaffen. Ich hoffe er hat Jesus letzendlich doch noch verstanden.

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