(„Wu du tian luo“ directed by Yuen Chor, 1976)

Im Todesnetz der gelben SpinneIch bin nicht sonderlich bewandert in der Shaw-Brothers-Welt. Die meisten Filme die in dieser legendären Schmiede gedreht wurden habe ich per Zufall in meiner Kindheit und Jugend im Fernsehen gesehen. Ich hatte mir schon 2003, als Uma Thurman in  „Kill Bill“ die Kinocharts stürmte, fest vorgenommen mich hier wieder aktiver zu verhalten aber die Masse an Filmen die in den Hong Konger Studios aufgenommen wurden und nun über DVD den Markt überschwemmen, würden nicht nur meinen Geldbeutel sprengen sondern bedürfen auch viel Zeit und Liebe.
Dennoch ist es mir neulich gelungen (erneut im Free-TV…ich glaub ich muss endlich von diesem Trip runter) einen Vertreter dieser besonderen Kunstform in seiner Gänze zu sichten. Genauer gesagt waren es 87 Minuten Laufzeit deren einzigartiges Flair mich wieder in meine Kindheit zurückversetzt haben. Nun mag man vielleicht sofort kritisieren dass diese Flicks aufgrund ihrer Brutalität und Gewaltdarstellung nicht in die Hände von Kinder gehören, doch die märchenhaften Kulissen und grellen Farben waren (zumindest für mich) als kleiner Bub ein wahnsinniges Erlebnis das meine Phantasie sehr förderte. Aber genug der weisen Worte kommen wir zum Kern der Sache:
Eine der mächtigsten Waffen in ganz China, die „Spinne der fünf Gifte“ des Fünf-Gifte-Clans (sehr innovativ 😉 ), ein mysteriöses Tier das dem Besitzer unheimliche Macht verspricht, wurde aus Sicherheitsgründen gut versteckt. Die Spinne befindet sich in einem alten Shaolin-Kloster in einer Art Lade die einem Lampenschirm ähnelt. Diesen Ort kennt allerdings nur der Clan-Anführer (Wong Hap) höchstpersönlich.
Es dauert nicht allzu lange und schon entbrennt ein erbitterter Kampf um die Spinne zwischen zwei Clans, den Snakes und den Scorpions. Dem skrupellosen Anführer des Snake Clans Liu Shen (Loh Lieh) gelingt es durch sein hinterlistiges Spiel und einer wertvollen Verbündeten – die Frau des Giftclan-Bosses (Angela Yu Chien) – tatsächlich die Five-Poison-Spinne zu finden und erhofft sich damit die Boxerwelt endlich dominieren zu können. Sein gefährlichster Widersacher wird der „weiße Ritter“ Fei Ying Yang (Yueh Hua) des Wu Dang Clans sein. Er wird entsandt um die Gerüchte des Wiederauftauchens der sagenumwobenen Spinne zu untersuchen. Eine große Hilfe wird ihm dabei noch Hong Susu (Ching Li) die attraktive Tochter des Fünf-Gifte-Clan-Anführers sein, die selbst auch eine Expertin der Kampfkunst ist.
Wie das Netz der Spinne sind auch die Beziehungen der einzelnen Charaktere sehr dicht verwoben. Zwar handelt es sich hier um einen Martial Arts-Streifen doch der Plot ist ziemlich komplex aufgebaut bei dem sogar Dialoge und ruhige Szenen gegenüber den Fights – die wie immer eine Augenweide sind – überwiegen. Hinzu kommen noch psychedelische Effekte und die bekannten und geliebten Soundeffekte (genial ist beispielsweise der „Alarm-Ton“ wenn die Spinne im Bild auftaucht).
Ein durchaus solider Eastern der sehr fantasylastig ist aber auch gute Kämpfe bietet. Die brutale Kraft der Spinne wird durch heute mittlerweile billig wirkende Effekten unterstrichen und sorgt beim einen oder anderen sicherlich auch für einen Schmunzler. Ohne das Original zu kennen fand ich die deutsche Synchronisation gar nicht mal so schlecht und durchaus passabel.
Es gibt bestimmt viel tollerer und bessere Shaw-Brothers-Flicks aber da ich schon lange nicht mehr das Vergnügen hatte war ich sogleich beim erscheinen des Logos mit zugehörigem Sound sofort hin und weg. Der Versuch einer neutralen Bewertung kommt hier daher erst gar nicht in Frage und ein Kenner  könnte sich vielleicht sogar über meine lobenden Worte wundern. Eines steht jedenfalls fest: man muss dieses Genre schon mögen, andernfalls wechselt der heutige Betrachter wohl oder übel sofort kopfschüttelnd den Kanal.

Im Todesnetz der gelben Spinne
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