(„The Spirit“ directed by Frank Miller, 2008)

The SpiritSeit der Streifen angekündigt wurde, habe ich sehnlichst darauf gewartet. Die schlechten Kritiken und auch die miesen Besucherzahlen stempelten das Ganze sehr schnell zum Flop ab und machten meine Hoffnungen zunichte dass er im hiesigen Kino überhaupt gezeigt wird. Die unisono erklingenden Warnungen veranlassten mich deshalb auch erst gar nicht in die nächste größere Stadt zu fahren um „The Spirit“ auf der großen Leinwand zu erleben. Genau deshalb sollte jetzt die UK-DVD herhalten.
Der erste Film also den Frank Miller, der vergötterte Comic-Autor und Erfinder von Meilensteinen wie „Sin City„, in Alleinregie führte und ich möchte gleich vorausschicken, dass die negativen Kritiken größtenteils sicherlich angebracht sind. Keine Frage, auch diesmal transportiert Miller seinen gewohnten Zeichenstil gekonnt auf den Bildschirm, doch ganz im Gegensatz zu „Sin City“ fehlte mir hier die Dynamik. Der Regisseur beweist zwar ein Händchen für visuelle Raffinessen zu haben, doch funktionieren die statischen Stillleben eben nur in einem Comicbook und nicht im Film. Inwiefern Miller den Spirit von Will Eisner – der die Vorlage bereits im Jahre 1940 geliefert und damit Geschichte geschrieben hatte – getroffen hat, kann ich nicht beurteilen, da ich nie in den Genuss von dessen Comicstrip gekommen bin. Was ich allerdings kenne ist die nicht vor allzu langer Zeit veröffentlichte Remake-Serie von Darwyn Cooke für die der kanadische Autor auch den Eisner-Award und Lobhudelei im höchsten Maße erhalten hatte. Im Vergleich dazu finde ich Miller’s Charaktere und Atmosphäre durchaus gelungen, woran der Film scheitert ist allerdings die doch recht schwache Story und die teilweise so richtig miesen Schauspielleistungen.
Was den Plot angeht, so liegt der Hauptgrund sicherlich daran, dass die Original-Storys sehr kurz gestaltet sind, eben eine Strip. Will Eisners Genialität soll ja die gewesen sein, dass er es schaffte in einer knappen Geschichte so viel Spannung, Atmosphäre und Abenteuer zu packen und gleichzeitig das Medium total revolutionierte. Daraus einen ca. 100 Minuten langen Film zu basteln war sicherlich eine Herausforderung die leider in die Hosen ging. Meine Überlegung geht daher in die Richtung warum man nicht mit dem Gedanken einer TV-Serie gespielt hat…
Was die Darsteller angeht gibt es allerdings nur wenig Ausreden. Die Femme fatale und m.E. ansonsten äußerst talentierte Scarlett Johansson als Silken Floss geht beispielsweise total unter, sie wurde einfach nicht richtig bzw. zu wenig eingesetzt. Eva Mendes, die den größten weiblichen Part übernehmen durfte, fand ich als Sand Saref zum Einschlafen langweilig. Fairerweise muss ich aber hinzufügen, dass ich sie sonst auch nicht unbedingt gern auf der Leinwand sehe und von daher bereits etwas einvernommen ihr gegenüber bin. Meine große Hoffnung war von Anfang an Samuel L. Jackson als durchgeknallter Oberfiesling Octopus, doch auch hier gab es lediglich mediokre Unterhaltung mit zu vielen Abstrichen. Gabriel Macht als der Hauptdarsteller Denny Colt aka The Spirit war aber wohl der größte Fehlgriff. Er wirkte auf mich wie ein schlechter Witz und nicht wie der coole und lässige Comic-Charakter dem die Frauen zu Füßen liegen und den ich durch den bereits zitierten Darwyn Cooke kennen lernen durfte.
Der ebenfalls für das Comicheft kennzeichnende und unkonventionelle Humorfaktor wurde zwar übernommen und konnte mich teilweise auch echt zum Lachen bringen (man denke da zum Beispiel an Sam Jackson in SS-Uniform) doch auf die Gesamtlänge betrachtet ging auch dieses Experiment daneben.
Besonders ins Auge gestochen ist mir ansonsten noch die Hommage an Steve Ditko (Ditko’s Speedy Express, die Aufschrift auf dem Lieferwagen von Floss), dem ersten Zeichner und Miterfinder von Spider-Man und einer der einflussreichsten Artists in dieser Branche. Überhaupt nicht aufgefallen ist mir hingegen die Musik von David Newman, die mir so vorkam als sei sie so gut wie nicht präsent.
Was bleibt ist ein recht fades und enttäuschendes Kinoerlebnis das auch nicht der Abspann, der mit wahnsinnig genialen Zeichnungen von Frank Miller aufwartet, lindern kann. Würde ich das originale Comicbook kennen würde ich mich vielleicht noch mehr ärgern, so allerdings bleibt „The Sprit“ für mich ein Film der mich für kurze Zeit ablenken konnte, mehr aber auch nicht.
Eines sollte übrigens jeden im voraus klar sein: mit „Sin City“ hat das Ganze herzlich wenig am Hut. Die Optik hatte im Vorfeld wohl bei vielen diese Hoffnung geweckt und die bittere Enttäuschung war somit vorprogrammiert.

The Spirit
4.08 (81.6%) 25 Artikel bewerten

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5 Responses

  1. Parker

    Ah. Hab die Werbung dazu gesehn und dachte, dass es die nächste Staffel von SinCity wäre. Das der Film dann aber auch bei uns gelaufen wäre habe ich nicht mitgekriegt.

    Nach deiner Rezension hab ich aber auch nicht sonderlich Bock drauf. Millers Comics sind wirklich gut, aber offenbar hat er sich hier übernommen.

    Danke für das ehrliche Review!

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  2. Candide

    Den Fehler den Film mit „Sin City“ zu verwechseln haben sicherlich viele gemacht, deshalb auch meine Warnung.
    Man verpasst nicht viel wenn man ihn nicht gesehen hat, der einzig richtige Grund wäre vielleicht noch die wirklich interessanten Bilder die eben ziemlich nach Millers Zeichenart ausschauen und den bereits im Review erwähnten Abspann (Frank Miller’s Spirit auf Papier ist erste Sahne).

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  3. Candide

    Nunja, jeder feiert eben mal sein Debut. Bei „Sin City“ war er ja auch bei der Regie beteiligt und konnte diesmal sicherlich auf jede Menge Hilfe zählen.
    Durch seine Erfahrung als Comic-Autor hat er ja doch eine gewisse Ahnung vom Geschichten erzählen und dass seine visuellen Ideen toll sind brauchen wir glaub ich hier auch nicht zu diskutieren.

    Schreibe Miller also noch nicht ganz ab was eventuelle neue Filme angeht. Als Comic-Geek wünsche ich mir allerdings lieber wieder etwas in diesem Sektor von ihm.

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  4. Ijon Tichy

    Schwache Comic-Verfilmung, die bei weitem nicht an die Vorlage herankommt.
    Zurecht hast du den Hauptdarsteller als Hauptschwachpunkt herausgestellt.
    Denn die Ästhetik ist ähnlich wie bei „Sin City“ sehr wohl auf dem höchsten Stand.
    Dass Miller die Verfilmung übernommen hatte, war nicht von vornherein zum Scheitern verurteilt.
    Der Film unterhält letztlich nur streckenweise. Die meiste Zeit bedauert man allerdings die wertvolle Zeit, die dabei verloren gegangen ist.

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