(„I Am Legend“ directed by Francis Lawrance, 2008)

Gibt es nicht schon genug Zombie-Filme? Nachdem ich die gut 100 Minuten des neuen Francis Lawrence-Streifens gesehen habe lautet die Antwort ganz klar Nein! Das scheinbar abgedroschene Thema erlebt hiermit sein x-tes Revival. Mal abgesehen von den ganzen Horror-Remakes die gerade den Markt überschwemmen, versucht man hier aber etwas Neues zu schaffen. Der Regisseur konnte mich damals mit Constantine zwar nicht gerade vom Hocker hauen, dafür überzeugt mich sein letzter Streich aber umso mehr.

Die Story selbst schmeckt anfangs ziemlich nach Dejavu, doch nach und nach entwickelt sie sich zu einem eigenständigen Werk. Ein scheinbar unheilbarer Virus ist über New York hergefallen. Die Wissenschaftler glaubten anfangs einen Wirkstoff gegen Krebs erfunden zu haben, im Nachhinein erwies sich der „KV-Virus“ aber als letale Fehleinschätzung. In kürzester Zeit wird die amerikanische Weltmetropole mit dem Schädling infiziert, die Militärs sehen sich gezwungen die Stadt abzuriegeln um die Krankheit in den Griff zu bekommen, doch vergebens. Dies alles erfährt der Zuschauer aber nur tröpfchenweise, denn Dreh und Angelpunkt ist Robert Neville (Will Smith), ein brillanter Wissenschaftler der Army, der mittlerweile der anscheinend letzte Überlebende in einem ausgestorbenen und verwilderten Big Apple ist. Gemeinsam mit seinem treuen Schäferhund Sam, versucht er fieberhaft ein Gegenmittel zu finden. Tagsüber kann er sich frei bewegen, sobald aber die Sonne am Horizont verschwindet, wird es höchste Zeit seine befestigte Wohnung aufzusuchen. In der Nacht treiben nämlich die mutierten und höchst aggressiven Infizierten ihr Unwesen. Als Robert eines Tages in eine seiner eigenen „Zombie-Falle“ tappt und sich bis tief in die Nacht nicht befreien kann, scheint alles verloren zu sein: nachdem er den schmerzlichen Verlust seines Hundes hinnehmen musste und sich in eine aussichtslose Lage manövriert hat, erhellt plötzlich ein starkes UV-Licht die dunkle Nacht, das die Bestien zurückschrecken lässt. Dachte Robert bisher, dass er alleine in New York ist, so wird er nun eines besseren belehrt…

In der Tat nichts Innovatives, aber wie eingangs erwähnt weist der Film so einiges an Eigenständigkeit auf. Will Smith spielt seine Rolle überzeugend, auch wenn natürlich die (Hollywood-typischen) pathetischen Momente nicht fehlen. Die musikalische Untermalung fehlt hingegen (fast) komplett und unterstreicht somit die gähnende Leere der Großstadt. Lediglich in Roberts Apartment ertönen des öfteren Reggae-Tunes von Bob Marley. Kein Zufall, denn der großartige, jamaikanische Künstler starb 1981 wegen Hautkrebs. Auch der Titel selbst ist eine klare Hommage an das „Legend“-Album, eine der meistverkauftesten Reggae-Compilations.
Das Ganze ist auf jeden Fall einen Blick wert, auch wenn mich persönlich die atemberaubenden Bilder eines toten New Yorks mehr interessiert haben, als der „nette“ Plot nebenher.

I Am Legend
3.91 (78.18%) 22 Artikel bewerten

I Am Legend
Interessanter Film mit tollen Bildern der die Zombie-Thematik mal etwas anders angeht
7von 10

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6 Responses

  1. felix

    Ich finds vor allem großartig, dass es ein Schauspieler schafft 100 Minuten lang zu unterhalten. Ein Film, der bewusst weitesgehend auf Kommunikation und Interaktion zwischen mehreren Darstellern verzichtet, ist gewagt. Will Smith als Alleinunterhalter macht da einen sehr guten Job finde ich.

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  2. parker

    Die Brücke zu Marley finde ich gewagt.

    „Constantine“ fand ich extrem geil, sowohl schauspielerisch als auch Plot und Effekte. Mal sehn ob das der „Fresh Prince“ toppen kann ( Ich finde ja er hätte in Bel-Air bleiben sollen ).

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  3. Breakout

    Mich hat der Film ebenfalls total unterhalten. Und das trotz der Tatsache, die ja bereits erwähnt wurde, dass die Story an und für sich nichts wirklich revolutionäres ist, dass sie sogar einfach schon oft dagewesen ist. Aber macht ja nichts, wenn es eine gute Story ist. 😉
    Und auch über die Logikfehler lässt sich hinwegsehen.

    Ich kann mich felix anschließen, ich bin total beeindruckt von Will Smiths schauspielerischer Leistung. Und so plump es wirkt, wenn er Shrek nachspricht, muss ich immer wieder lachen. Der Film lebt völlig von seinem Hauptdarsteller. Aber das genügt ihm, um gut zu sein.
    Hinzu kommen die klasse Bilder von einem menschenleeren und stillen Manhattan. Das ist so konträr in sich, dass das Bild einfach nur beeindruckt.

    Was mich hingegen stört, das ist die mehr oder weniger offensichtliche Durchdringung des Films mit religiös-christlichen Motiven. Schon am Anfang ist ständig von Gott und Glauben die Rede und wenn am Ende sich die Tore des menschlichen Refugiums öffnen und die Ankunft des Impfstoffs sich vermengt mit dem Anblick einer weiß strahlenden Kirche mit tönenden Glocken, in die die Bevölkerung strömt, dann empfinde ich das nur als religiöse Propaganda. Denn das hat nichts mit der Handlung des Films oder einer regulären Hintergrundausstattung zu tun, dazu ist es einfach viel zu auffällig platziert.

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  4. Der kleine Candide

    Ich möchte mich zu Breakouts Äußerung bezüglich Religion nicht weiter aus dem Fenster lehnen als wie ich es schon mit der Marley-Parallele gemacht habe, aber untermauert dieses Faktum nicht meine Vermutung?

    Rastafari

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  5. Ijon Tichy

    Durchaus unterhatlsamer Mainstream-Streifen.
    Will Smith wird mir hier aber zu sehr in den Himmel gelobt.
    Dass ein Schauspieler (der dafür mehrere Millionen bekommt) ersehe ich ganz und gar nicht als außerordentliche Leistung. Jeder Theaterschauspieler leistet mindestens das gleiche oder mehr.
    Die Zombies waren für meinen Geschmack zu überzeichnet.
    Wirklich schlimm war allerdings der militaristische und patriotische Schluss. Der aufopfernde Heldentod bedient wieder mal den 10-Jährigen (in uns).
    Alles in allem trotzdem ein netter Blockbuster.

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  6. Gast

    Ein gut gemachter Film mit einem tiefgründig, biblischen Inhalt.
    Besonders gefiel mir die Hauptperson, (welche von Will Smith sehr gut umgesetzt wird.)
    Ja, es gibt doch noch gute Schauspieler 🙂

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