Constantine

Constantine

Inhalt / Kritik

„Constantine“ // Deutschland-Start: 17. Februar 2005 (Kino) // 14. Juli 2006 (DVD/Blu-ray)

Tut mir Leid, auch beim dritten mal kann mich der Film von Francis Lawrence nicht überzeugen. Warum ich ihn dann bereits zum dritten mal sehe? Ganz einfach: ich habe mich nun in die Comicwelt von John Constantine eingelesen und kann nun behaupten, den Charakter etwas besser zu kennen. Er wurde zwar von Alan Moore auf den Seiten von Swamp Thing erschaffen, bekam aber bald seine eigene Serie namens Hellblazer. Von dieser habe ich bisher den ersten Zyklus von Jamie Delano (#1-#25) gelesen und bin vollauf begeistert.

Der Kinostreifen mit Keanu Reeves in der Hauptrolle enttäuschte mich aber leider sehr. Es sind nicht mal so Kleinigkeiten wie etwa die dunkle Haarfarbe von Reeves (der Comic-Charakter ist strohblond) oder etwa die Tatsache, dass John Constantine eigentlich kein Amerikanerm sondern Engländer ist und im London der 80-90er und nicht etwa im Los Angeles der Neuzeit agiert, sondern viel mehr ist es so, dass meiner Meinung nach der Charakter total verfälscht wurde. Constantine wurde zu einem billigen Dämonenjäger, einem plumpen Exorzisten herabgestuft, der im Film zwar auch coole Sprüche zu klopfen möchte, allerdings kläglich scheitert. Sogar die Kettenraucherei von John musste mit diversen Anspielungen kritisiert werden, auch wenn Keanu Reeves in ca. 120 Minuten Laufzeit zugegebenermaßen doch recht viel qualmt.

Der John Constantine, den ich kenne, reist durch ein Großbritannien das unter dem Regime der Regierung von Thatcher zu leiden hat und ausgesaugt wird. Den Charakter, den ich kenne, streift durch ein düsteres, dreckiges und durch Armut und Depression geprägtes England. Neoliberalismus, Atomkraftwerke, Rassismus, Angst und Verzweiflung, dies sind die Themen die mich bei Hellblazer ansprechen. John ist keineswegs ein Exorzist, der von Haus zu Haus rennt, um die bösen Geister zu vertreiben, und schon gar nicht ist er mit einer goldenen, lächerlichen Schrotflinte mit (Faden)kreuz ausgestattet.

Natürlich kommen auch Dämonen und Geister im Comic vor, allerdings sind dies nicht wenig oft Anspielungen auf gesellschaftliche Probleme und Metaphern. Seine Reisen lassen Realität und Vorstellung verschmelzen, das Paranormale ist vorherrschend und oft ist dem Leser selbst nicht ganz klar, in welcher Welt er sich gerade befindet. Die Story des Filmes hingegen ist sehr linear und einfach gestrickt. John Constantine wird von Detective Angela Dodson (Rachel Weisz) aufgesucht, da ihre Zwillingsschwester angeblich Selbstmord begangen hat. Angela will dies nicht glauben, sie und ihre Schwester haben nämlich eine ähnliche Gabe wie John: Sie sind in der Lage Dämonen zu sehen.

Nachdem John ihr erklärt hat, dass es in Wahrheit einen überdimensionalen Wettbewerb zwischen Gott und Satan gibt, in dem es nur darum geht, wer von den beiden am meisten Seelen auf seiner Seite vorweisen kann, machen sie sich auf, um den mysteriösen Tod ihrer Schwester zu untersuchen. Bald kommen die beiden gemeinsam mit Johns jungen Gehilfe Chas Kramer (Shia LaBeouf) dahinter, dass der Sohn Luzifers, Mammon, in ihre Welt vordringen will, um die in der Bibel ungeschriebene Apokalypse des Teufels einzuleiten. Es ist wohl unnötig zu erklären, dass John dies verhindern und die bösen Dämonen und die ungehorsamen Engel wieder in ihre jeweilige Dimension befördern wird…

Der Film basiert angeblich sogar auf eine Geschichte aus dem Comic, leider kann ich dies (noch) nicht bestätigen. Wer sich ernsthaft mit dem Comic-Charakter befassen möchte, sollte sich die hier gratis erhältliche Erstausgabe von Vertigo DC durchlesen. Ich denke diejenigen, die bisher nur den Film kannten, werden bald merken, welche Unterschiede es zwischen Papier und Leinwand gibt und warum ich der Verfilmung so kritisch gegenüber stehe. Vielleicht sind meine Vorwürfe am Streifen auch zu hart, denn prinzipiell basiert er ja nur auf das Comic und möchte nichts anderes als unterhalten. Für viele dürfte dies auch vollkommen ausreichend sein, für Kenner der Vorlage (ich weiß ich wiederhole mich) allerdings wird das Ganze wie ein schlechter Witz wirken.

Was übrigens den Soundtrack angeht, muss ich sagen, dass mir nur Sober von Tool hängen geblieben ist.

Credits

OT: „Constantine“
Land: USA
Jahr: 2005
Regie: Francis Lawrence
Drehbuch: Kevin Brodbin, Frank Cappello
Musik: Brian Tyler, Klaus Badelt
Kamera: Philippe Rousselot
Besetzung: Keanu Reeves, Rachel Weisz, Shia LaBeouf, Tilda Swinton, Pruitt Taylor Vince, Djimon Hounsou

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