(„Constantine“ directed by Francis Lawrence, 2005)

Tut mir Leid, auch beim dritten mal kann mich der Film von Francis Lawrence nicht überzeugen. Warum ich ihn dann bereits zum dritten mal sehe?
Ganz einfach: ich habe mich nun in die Comicwelt von John Constantine eingelesen und kann nun behaupten den Charakter etwas besser zu kennen. Er wurde zwar von Alan Moore auf den Seiten von „Swamp Thing“ erschaffen, bekam aber bald seine eigene Serie namens „Hellblazer„. Von dieser habe ich bisher den ersten Zyklus von Jamie Delano (#1-#25) gelesen und bin vollauf begeistert.
Der Kinostreifen mit Keanu Reeves in der Hauptrolle enttäuschte mich aber leider sehr. Es sind nicht mal so Kleinigkeiten wie etwa die dunkle Haarfarbe von Reeves (der Comic-Charakter ist strohblond) oder etwa die Tatsache, dass John Constantine eigentlich kein Amerikaner sondern Engländer ist und im London der 80-90er und nicht etwa im Los Angeles der Neuzeit agiert, sondern viel mehr ist es so, dass m. E. der Charakter total verfälscht wurde.
Constantine wurde zu einem billigen Dämonenjäger, einem plumpen Exorzisten herabgestuft, der im Film zwar auch coole Sprüche zu klopfen möchte, allerdings kläglich scheitert. Sogar die Kettenraucherei von John musste mit diversen Anspielungen kritisiert werden, auch wenn Keanu Reeves in ca. 120 Minuten Laufzeit zugegebenermaßen doch recht viel qualmt.
Der John Constantine den ich kenne, reist durch ein Großbritannien das unter dem Regime der Regierung von Thatcher zu leiden hat und ausgesaugt wird. Den Charakter den ich kenne streift durch ein düsteres, dreckiges und durch Armut und Depression geprägtes England. Neoliberalismus, Atomkraftwerke, Rassismus, Angst und Verzweiflung dies sind die Themen die mich bei „Hellblazer“ ansprechen. John ist keineswegs ein Exorzist der von Haus zu Haus rennt um die bösen Geister zu vertreiben und schon gar nicht ist er mit einer goldenen, lächerlichen Schrotflinte mit (Faden)kreuz ausgestattet.
Natürlich kommen auch Dämonen und Geister im Comic vor allerdings sind dies nicht wenig oft Anspielungen auf gesellschaftliche Probleme und Metaphern. Seine Reisen lassen Realität und Vorstellung verschmelzen, das Paranormale ist vorherrschend und oft ist dem Leser selbst nicht ganz klar in welcher Welt er sich gerade befindet. Die Story des Filmes hingegen ist sehr linear und einfach gestrickt finde ich.
John Constantine wird von Detective Angela Dodson (Rachel Weisz) aufgesucht da ihre Zwillingsschwester angeblich Selbstmord begangen hat. Angela will dies nicht glauben, sie und ihre Schwester haben nämlich eine ähnliche Gabe wie John: sie sind in der Lage Dämonen zu sehen.
Nachdem John ihr erklärt hat, dass es in Wahrheit einen überdimensionalen Wettbewerb zwischen Gott und Satan gibt in dem es nur darum geht wer von den beiden am meisten Seelen auf seiner Seite vorweisen kann, machen sie sich auf um den mysteriösen Tod ihrer Schwester zu untersuchen. Bald kommen die beiden gemeinsam mit Johns jungen Gehilfe Chas Kramer (Shia LeBeouf) dahinter, dass der Sohn Luzifers, Mammon, in ihre Welt vordringen will um die in der Bibel ungeschriebene Apokalypse des Teufels einzuleiten.
Es ist wohl unnötig zu erklären, dass John dies verhindern und die bösen Dämonen und die ungehorsamen Engel wieder in ihre jeweilige Dimension befördern wird…
Der Film basiert angeblich sogar auf eine Geschichte aus dem Comic, leider kann ich dies (noch) nicht bestätigen. Wer sich ernsthaft mit dem Comic-Charakter befassen möchte sollte sich die hier gratis erhältliche Erstausgabe von Vertigo DC durchlesen. Ich denke diejenigen die bisher nur den Film kannten, werden bald merken welche Unterschiede es zwischen Papier und Leinwand gibt und warum ich der Verfilmung so kritisch gegenüber stehe.
Vielleicht sind meine Vorwürfe am Streifen auch zu hart denn prinzipiell basiert er ja nur auf das Comic und möchte nichts anderes als unterhalten. Für viele dürfte dies auch vollkommen ausreichend sein, für Kenner der Vorlage (ich weiß ich wiederhole mich) allerdings wird das Ganze wie ein schlechter Witz wirken.
Was übrigens den Soundtrack angeht, muss ich sagen, dass mir nur „Sober“ von Tool hängen geblieben ist.

Constantine
4 (80%) 4 Artikel bewerten

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5 Responses

  1. Der kleine Candide

    Als ich den Film das erste mal gesehen habe, kannte ich die Comics auch noch nicht. Ehrlich gesagt, war es damals schon nicht mein Fall und jetzt wo ich die Vorlage kenne noch weniger.
    Wenn du Lust hast, kannst du dir ja mal die erste Ausgabe (siehe Verlinkung im Artikel) durchlesen und dir deine Gedanken machen.
    Wie gesagt: am meisten stört mich, dass John Constantine total abgewandelt und zu einem „Ghostbuster“ degradiert wurde.
    Man merkt zwar, dass teilweise auch kritische Passagen enthalten sind aber schlussendlich bleibt der Streifen ein Fantasy-Actioner.

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  2. C.H.

    Ich finde den Film völlig Ok, aber ich kenne auch die Comics nicht . Ist vielleicht von Vorteil 😉 Auf jeden Fall ist der Streifen unterhaltsam, und das ist dann, zumindest für mich, in diesem Fall schon mal völlig ausreichend.

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  3. Martin Schelzig

    Ich wurde aufmerksam auf Constatine, weil ich ein großer NIN und Maynard James Keenard Fan bin. Die beiden hatten zusammen im Rahmen des aufgegeben ‚Tapeworm‘ Projekts einen Song geschrieben (Passive). Dieser schaffte es zum einen doch auf ein APC-Album, zum andern in den Soundtrack des besagten Films. Ich fand ein Video auf Youtube, und dachte, es sei eine Fanart-Adaption, wie der sehr gelungene Fanart-Clip zu „You don’t know me“ von Apparat mit Bildern aus dem Film „Octane“. – Ja, aber wie fand ich nun den Film? Auch hier der Einstieg über die Musik. Kunst scheitert meistens dann, wenn sie gewollt wird. Der Song „Passive“ läuft, als Constantine das erste Mal im Film die Bar zu Midnite durchquert. Sie dient dazu, um den Schaulauf der „Coolness“ Constantines zu untermalen. Constantine soll einen furchtlosen, durch nichts aus der Fassung zu bringenden und gleichzeitig gezeichneten Charakter darstellen. Und irgendwie ist das doch zu dick aufgetragen, zu plakativ. Es ist interessant eine solche Figur in einem solchen Film mit Keanu Reeves zu besetzen, der zumindest für mich immer der Erwachte Grübelstar „Neo“ aus Matrix bleiben wird, zumindest wenn Phantastik und Special Effects ins Spiel kommen. Nur manchmal gelingt es Reaves nicht diese Spannung aufrechtzuerhalten und dann wirkt die Rolle doch zu groß für ihn.
    Den Plott fand ich recht turbulent und bis zum letzten Drittel des Films nicht vorhersehbar. Auch fand ich den Film extrem spannend. Man wusste zwar, wann „Böses“ im Anzug war, aber wie und in welcher Form es dann „zersplattert“ wurde, war nicht vorhersehbar. Auch der Fall Gabriels kam für mich doch unerwartet. (Vielleicht weil ich von der Besetzung etwas irritiert war – die Dame kennt man doch aus Vanilla Sky als Empfangsdame der Lucid Dream-Agentur…)
    Vielleicht hätte man den Film stimmungsvoller machen können. Unterhaltsam fand ich ihn, aber bleiben wird nicht viel.
    Danke für den Comic-tipp!

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  4. Martin Schelzig

    Hi Lorenz!
    Hab den Comic schon runtergeladen, aber ich komm nicht zum Lesen…Wenn ich das dann doch mal mache, schreib ich dir natürlich! Viele Grüße und danke für den Kommentar!

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