(„Gegen die Wand“ directed by Fatih Akin, 2004)

Wieder einmal einen Tipp bekommen und wieder einmal muss ich ihn weitergeben.
Zahlreiche Preise gab es für den Streifen des deutsch-türkischen Regisseur Fatih Akin und das zurecht wie ich finde. Der 120 Minuten lange Film erzählt das Schicksal einer jungen Türkin die in Hamburg aufwächst. Sibel (Sibel Kekilli) so ihr Name, hat keine Lust einen Mann zu heiraten den ihre Eltern (Demir Gögköl und Aysel Iscan) und ihr großer Bruder (Cem Akin) für sie ausgesucht haben. Sie ist jung und will ein freies Leben führen. Nachdem sie verzweifelt versucht hat sich umzubringen, trifft sie im Warteraum ihres Psychiater (Hermann Lause) auf den ebenfalls suizidgefährdeten Cahit Tomruk (Birol Ünel). Da auch er türkischer Abstammung ist und somit den Ansprüchen ihrer Eltern gerecht würde, beschließt sie kurzerhand ihn zu fragen ob er sie heiraten will. Dabei soll es sich um eine Scheinhochzeit handeln um den autoritären Blicken ihrer Verwandten zu entkommen. Anfangs scheint Cahit nicht einverstanden zu sein, aber als sich Sibel vor seinen Augen die Pulsadern durchtrennt, beschließt er aber der attraktiven Frau den Gefallen zu machen. Cahit lebt alleine in einer heruntergekommenen, kleinen Wohnung, in der man sich erst einmal durch Müllberge durcharbeiten muss. Nachdem das etwas andere Paar geheiratet hat und schon eine Weile zusammenlebt, beginnen sie tatsächlich etwas füreinander zu empfinden.
Sibel möchte sich jedoch nicht an Cahit binden. Von nun an merkt man seine Eifersucht wenn sich seine Frau mit anderen Männern trifft und diese mündet schließlich darin, dass er einen Bekannten erschlägt der sich über seine Beziehung lustig macht. Damit stürzt er die Familie von Sibel in Unehren. Um diese wieder gut zu machen, wird Sibel verstossen, ja sogar von ihrem Bruder verfolgt. Während Cahit ins Gefängnis wandert, flüchtet sie nach Istanbul in die Türkei zu ihrer Cousine Selma (Meltem Cumbul), die sie schon immer bewundert hat und wo sie sich ein besseres Leben erwartet. Doch alles andere als das wird passieren…
Eine interessante Odyssee in das Familienverständnis türkischer Kultur. Ich kann zwar nicht für die Authentizität des Streifens bürgen, aber aufgrund der Herkunft und den Hintergrund des Regisseurs, gehe ich davon aus, dass er dem Anspruch gerecht wird. Natürlich sollte man nicht generalisieren, aber man kann auch nicht leugnen, dass Zwangsheiraten ein real existierendes Problem darstellen. Wer sich auf einen interessanten wie dramatischen Film einlassen möchte wird hier bestens bedient. Schauspielerisch war ich besonders von Birol Ünel beeindruckt. Hervorzuheben ist der wirklich gelungene Soundtrack von Alexander Hacke und Maceo Parker.

Gegen die Wand
3.64 (72.86%) 14 Artikel bewerten

Über den Autor

Ehemaliger Autor

2 Responses

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.